Servus-TV auf den Spuren des Steiner Irg

Die Brüder Franz und Georg „Irg“ Steiner unmittelbar nach der Erstdurchsteigung der Dachstein-Südwand. Foto: Servus-TV

In der 60-minütigen Spieldokumentation „Rebellen der Berge – Wilderer“ erkundet der Ramsauer Heli Strasser auf den Spuren des legendären Steiner Irg den Mythos vom Wilderer als Rebell der Alpen. Zu sehen ist die Doku am Montag, 13. April, um 20.15 Uhr auf Servus-TV.
Wilderergeschichten gehören zur DNA des Alpenraums. Zahllose Heimatfilme und Romane zeichnen den Wilderer gerne als schneidigen Bauernburschen, der mit dem Jäger Katz und Maus spielt, oft auch mit Unterstützung der Sennerinnen. Einer der legendärsten Wilderer des Landes ist jetzt Teil einer großen Servus-TV-Spieldoku, die sich mit dem Mythos des Wilderers beschäftigt: Der „Steiner Irg“. Der Ramsauer Tausendsassa Helmut Strasser begibt sich für die Doku auf die Spuren jenes Mannes, der gemeinsam mit seinem Bruder Franz im Jahr 1909 für eine alpinistische Sensation gesorgt hat, als die beiden als erste Menschen die für unbezwingbar gehaltene Dachstein-Südwand durchstiegen.
Gefängnisausbruch für eine Jause
Sein Klettertalent nutzte Georg „Irg“ Steiner auch als Wilderer. Besonders in Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg machte er – wie auch Dutzende andere Wilderer – das Dachsteingebiet unsicher. Doch den Ramsauern die Gämsen wegzuschießen, das wäre dem Naturburschen nicht eingefallen. Er bediente sich lieber in den ehemaligen kaiserlichen Jagdgebieten auf der anderen Seite des Berges – dazu musste allerdings erst die Hunerscharte überwunden werden. Heli Strasser erklärt: „Das war für die damalige Zeit eine extreme Risikopartie, weil sie ohne Seil gegangen sind und ein Absturz meist tödlich war. Deshalb waren sie auch die tollkühnen Burschen, die dann den Mädels gefallen.“ Dass der Steiner Irg selbst dann noch für manches Husarenstück gut war, wenn er doch einmal als Wilderer erwischt wurde, daran erinnert sich sein Neffe Willi Steiner: „Eines Nachts hat er die Gitterstäbe mit seiner Bärenkraft auseinander gebogen und ist ausgebüxt. Bei einer Freundin in der Ramsau hat er erstmal ein ,Muas‘ bekommen und ein Jausenpackl mit Speck und Käse. Dann ist er wieder zurück ins Gefängnis und hat die Stäbe wieder zurückgebogen.“ Es sind Geschichten wie diese, die den Mythos vom Wilderer als Rebell der Alpen bis heute lebendig erhalten. Doch manchmal läuft die Auseinandersetzung zwischen Wilderern und der Obrigkeit furchtbar aus dem Ruder.
Das blutigste Wildererdrama Österreichs
Angesichts des Hungers unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg grassierte nicht nur im Dachsteingebiet die Wilderei. Im März 1919 kommt es in Molln im Steyrtal zum bis heute blutigsten Zusammenstoß zwischen Wilderern und der Obrigkeit. Bei der so genannten „Wildererschlacht von Molln“ sterben vier junge Wilderer durch die Kugeln und Bajonettstiche der Gendarmen, insgesamt verlieren im Zuge des Wildererdramas von Molln sieben Menschen ihr Leben. Diese tragischen Ereignisse bilden den roten Faden des mit 60 Minuten extralangen Dokumentarfilmes, der am Ostermontag, dem 13. April, im Rahmen eines „Bergwelten Spezial“ auf Servus-TV erstmals ausgestrahlt wird. „Es ist nicht eine der üblichen klischeehaften Wilderergeschichten“, sagt Regisseur Fritz Kalteis, „wir haben es hier mit einer sozialen Revolution am Übergang von der Monarchie zur Republik zu tun. Die alte Ordnung ist zusammengebrochen, die neue Ordnung hat sich noch nicht etabliert. Dazwischen begehren die lange Unterdrückten auf. Das macht das Wildererdrama von Molln zu einer Geschichte von allgemeiner Bedeutung.“ Die Geschehnisse in Molln stehen dabei beispielhaft für die Wildererkultur, die den Alpenraum bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts geprägt hat – und speziell im Dachsteingebiet bis heute besteht. „Wie in keiner anderen Begebenheit verdichten sich im Wildererdrama von Molln die großen Elemente, die den Wilderer zum Mythos der Alpen gemacht haben“, sagt „Berg­welten“-Chef Hans-Peter Stauber, „nämlich Hunger, Armut, Widerstandsgeist und Rebellentum, aber auch Wagemut und männliches Imponiergehabe.“