Sechs Windräder für Trieben

In Trieben könnte ein Windpark entstehen. Entscheidend für eine Umwidmung ist das Ergebnis einer Volksbefragung, erst dann folgen weitere Schritte. Von Nutzen für die Triebener Bevölkerung könnte eine eigens gegründete Energiegemeinschaft sein, die günstige Energie direkt liefert.

Ziel der Bundesregierung ist es bis 2030 den gesamte Energiebedarf bilanziell aus erneuerbaren Energieträgern zu gewinnen und so rasch als möglich der Abhängigkeit fossiler Energieträger zu entkommen. Ein Kraftakt, wenn man sich den stetig steigenden Energiebedarf vor Augen führt. Neben der allgegenwärtigen Klimakrise bestätigt auch die Gaspreis-Entwicklung die Pläne der Regierung. Zuletzt konnte Österreich seinen Bedarf an elektrischer Energie um die Jahrtausendwende decken. Seither ist die Alpenrepublik Netto-Importeur von Strom. Die Produktion ist nicht weniger geworden. Im Gegenteil: Photovoltaik-Anlagen legen ein exponentielles Wachstum an den Tag. Der Energiebedarf ist jedoch noch schneller gewachsen als der Ausbau von Kraftwerken. Neben Photovoltaik gewinnt die Verstromung von Wind zusehends an Bedeutung.

 

Will die Gemeinde?

Ein Windpark könnte bald in Trieben verwirklicht werden. Bereits seit dem Vorjahr führt das Unternehmen „Brandpower“ aus Salzburg Messungen und Voruntersuchungen am Herrenwaldrücken durch. „Es handelt sich derzeit um eine Projektidee“, sagt Geschäftsführer Josef Brandstetter, „Neben den Messungen haben wir auch Schutzgüter untersucht und ob es andere Ausschließungsgründe gibt. Wir glauben, dass es aus genehmigungsrechtlicher Sicht möglich ist dort einen Windpark zu errichten.“ Mit dem Grundbesitzer gibt es bereits Optionen für einen Pachtvertrag. Als nächsten Schritt müsse jedoch herausgefunden werden, ob die Gemeinde einen Windpark überhaupt möchte. Erst wenn die Umwidmung geschehen ist, kann eine Umweltverträglichkeitsprüfung folgen.

 

Schwerpunkt erneuerbare Energie

Die Gemeinde Trieben arbeitet schon länger daran, das Thema erneuerbare Energie ins örtliche Entwicklungskonzept einfließen zu lassen. Der Umweltausschuss entwickelte gemeinsam mit der Raumplanerin einen Kriterienkatalog zu Nutzungsflächen von Photovoltaik-Anlagen, welcher der Gemeinderat bereits im Juni einstimmig absegnete. „Was den Windpark betrifft, soll eine Bürgerversammlung und eine -befragung stattfinden“, sagt Bürgermeister Helmut Schöttl. Dass man sich erneuerbarer Energie nicht verschließen kann, liege auf der Hand. Aber erst wenn die Bevölkerung informiert und die Mehrheit dafür sei, werden weitere Schritte für den Windpark folgen. Die Volksbefragung soll voraussichtlich noch heuer stattfinden.

 

Lanzenbruch für die Windkraft

„Die Windkraft leidet unter dem Image, dass sie vor zwanzig Jahren verdient hat. Damals war es nur ein Spielzeug für Öko-Freaks. Inzwischen hat sich daraus eine hochprofessionelle Technik entwickelt. Effizienz und Kosten sind mit Wasserkraft vergleichbar“, so Josef Brandstetter. Wie dynamisch die Entwicklung verläuft, habe sich bei einem Windpark-Projekt in Kärnten gezeigt. „Während der Genehmigungsverfahren haben wir drei Generationensprünge erlebt. Wir hatten die Genehmigungen für Windräder in der Hand, die wir gar nicht mehr bauen konnten, weil es etwas Besseres gab“, schildert Brandstetter.

 

Ab-Hof-Stromverkauf

„Die Rahmenüberlegungen liegen bei sechs Windrädern mit einem Potenzial von 60 Gigawatt-Stunden pro Jahr. Das ist vergleichbar mit der Kapazität des neuen Murkraftwerks in Graz und würde den Energiebedarf von Trieben bilanziell um ein mehrfaches decken“, umreißt Josef Brandstetter die Größenordnung des Projekts. Die Investitionskosten würden um die 50 Millionen Euro liegen. Interessant für Trieben dürften die Möglichkeiten sein, die das neue Bundesgesetz über den Ausbau von Energie aus erneuerbaren Quellen schafft. Durch die Gründung einer Energiegemeinschaft sei eine Direktbelieferung mit günstiger, regional produzierter Energie möglich. „Das ist sozusagen ein Ab-Hof-Verkauf vom Strom. Wir haben vor, den Gemeindebürgern eine Direktbelieferung mit günstiger Energie anzubieten. Wir müssen lediglich kostendeckend sein, das hat mit dem Gaspreis dann nichts mehr zu tun“, so Brandstetter. Solange die Windräder Energie liefern, kann der Energiebedarf der Triebener damit gedeckt werden. Herrscht Flaute, beziehen die Haushalte ihren Strom vom Anbieter.