Schuss vor den Bug

Bildquelle: Tiroler Tageszeitung

Die Europawahlen brachten zwar eine deutliche Stärkung der rechten Parteien, die Mehrheitsverhältnisse haben sich aber nicht wirklich verändert. Auch in Zukunft werden die Parteien der Mitte den Ton angeben und an der grundsätzlichen politischen Ausrichtung wird sich nicht allzu viel ändern. Allerdings wären alle Beteiligten gut beraten, das Wahlergebnis als Schuss vor den Bug zu verstehen und in Zukunft ein offenes Ohr für die Bürger zu haben.

Denn die großen Verdienste der EU wie die Reisefreiheit, die gemeinsame Währung oder die wirtschaftliche Zusammenarbeit werden heute als selbstverständlich betrachtet. Wir sind es zwar gewohnt, in einem freien und sicheren Wohlstandsbündnis zu leben, aber die Unzufriedenheit mit gewissen Entwicklungen wächst trotzdem ständig an. Daher wäre es wichtig, die Verdienste der Union zu würdigen anstatt sie ständig wie einen Außenfeind zu behandeln. Und schließlich gibt es auch zahlreiche Politikfelder, an denen zu Recht Kritik geübt wird. Es wird nicht ausreichen, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Gerade bei der Zuwanderung, der Teuerung oder der Wettbewerbsfähigkeit hat die europäische Politik noch deutlich Luft nach oben. Erst wenn man auch in diesen Bereichen überzeugende Lösungen findet, wird auch die Zufriedenheit der Wähler wieder steigen. Ansonsten drohen die EU-Skeptiker irgendwann wirklich die Oberhand zu gewinnen, und das wäre für Wirtschaft und Lebensqualität in Europa ein schwerer Rückschlag.

Franz Wallig

back-to-top