Schloss Trautenfels eröffnete neue Sonderausstellung

Von Hippokrates zu den Badern und Wundärzten bis zur modernen Forschung: „Heilkunst“ heißt die neue Sonderausstellung auf Schloss Trautenfels. Foto: Christoph Huber

„Heilkunst“ heißt die neue Sonderausstellung, die Einblicke in die Geschichte der Medizin gibt und Parallelen bis in die Gegenwart zieht.

Seit der weltweiten Corona-Pandemie ist die Bedeutung der Medizin noch mehr in den Fokus gerückt. Für die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß sei es ein europaweites Problem, dass „wir zu wenig auf die eigene Gesundheit achten, doch die beste Versorgung wollen“, so Strauß bei ihrer Eröffnungsrede auf Trautenfels. Dabei betonte die Landesrätin, dass eine umfassende medizinische Versorgung mit jenen Maßnahmen, die der Gesundheitsplan 2035 umfasst, bestens gelingen werde. Wie brisant dieses Thema vor allem in der Region ist, wurde bei der Ausstellungseröffnung einmal mehr deutlich. In ihrer Ansprache kritisierte Bogner-Strauß, es würde stets vom Leitspital alleine und nicht vom großen Ganzen gesprochen werden. Um neben vorangegangenen Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung auch künftige zu beleuchten, wurde ein eigener Raum mit Infopoint und einem zehnminütigem Film eingerichtet.

Die Pest im Ennstal

Wie mit Seuchen in der Vergangenheit umgegangen wurde, zeigt ein Ausstellungsraum, welcher der Pest gewidmet ist. „Die Geschichte holt uns immer wieder ein. Zwar mögen die Umstände heute andere sein, doch die Ängste und Sorgen der Menschen des 15. Jahrhunderts waren dieselben wie heutzutage“, so Medizinhistoriker Alfred Stefan Weiß. Schließlich war die Pest eine der todbringendsten Krankheiten, für die es erst nach langer Zeit Heilung gab. Als 1681 die letzte Pest-Epidemie im Enns­tal wütete, blieb ein Ort unversehrt: Pürgg. „Hier gab es strenge Zutrittsregeln“, so Weiß, der betonte: „An diesem Beispiel sieht man deutlich, wie viel uns die Vergangenheit sagen kann.“

Landarzt heute und damals

Kuratiert wurde die neue Sonderausstellung von Katharina Krenn und Wolfgang Otte. Die Gestaltung der Ausstellung übernahm Michi Pletz von der Firma Vonnebenan. „Wir haben versucht, die Geschichte der Medizin in verschiedenen Mosaiksteinen aufzuarbeiten“, so Krenn. Einer dieser Mosaiksteine behandelt die ländliche Versorgung der Region in der Zwischenkriegszeit. Ein Röntgenapparat aus 1933 zeigt die Ausstattung eines Landarztes in St. Gallen, der die Grundversorgung einer Spitalsambulanz durchführen konnte. Dass der Beruf des Landarztes auch heute noch attraktiv ist, wird durch einen ORF-Beitrag über einen Arzt aus Wildalpen deutlich. „Damit soll auch jungen Ärzten eine Landarztpraxis schmackhaft gemacht werden“, so Krenn.

Blitzlichter moderner Forschung

Kooperationspartner der neuen Sonderausstellung „Heilkunst“ sind die Medizinische Universität Graz, die KAGes und die Versicherungsanstalt Uniqa. „Das Wissen der Medizin verdoppelt sich pro Jahr“, unterstrich Hellmut Samonigg, Rektor der Medizinischen Universität Graz, die hohe Komplexität der Medizin. Um das Historische mit dem Modernen zu verbinden, werden Blitzlichter der aktuellen Forschungsarbeit der Med Uni Graz gezeigt, denn „eine ‚state of art‘-Gesundheitsversorgung ist das Zusammenspiel aus exzellent ausgebildeten MedizinerInnen und innovativer medizinischer Forschung in allen Bereichen“, wie Samonigg betont.

Glaube und Medizin

Die neue Sonderausstellung begibt sich zurück bis zu den Ursprüngen der Medizin. Ein Großteil des medizinischen Wissens im Mittelalter baute auf den Erkenntnissen der Antike auf. Über lange Zeit hinweg waren Klöster die Zentren der Heilkunde. Wie eng Glaube und Heilung miteinander verbunden waren, zeigt eines der Exponate besonders deutlich: In einem 1868 entstandenen Votivbild wurde eine Brustkrebs-Operation beim Wirth in Fischern festgehalten, während die Angehörigen in der Pfarrkirche in Oppenberg um das Wohl der Patientin beteten.

Öffnungszeiten und Museumsshop

Die Sonderausstellung „Heilkunst“ ist täglich bis 31. Oktober von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Im Museumsshop werden anlässlich der Sonderausstellung ein hauseigener Gin und Wachsvotive in Anlehnung an ihre historischen Vorbilder verkauft. Passend zu einer von Corona geprägten Zeit wurde dem modernen Wachsvotiv das Aussehen eines Babyelefanten verliehen.