Scharfe Kritik an EU-Biomasse-Entscheidung

Biomasse wird künftig auf dem durchschnittlichen Niveau von 2017 bis 2022 anrechenbar sein. Ein weiterer Ausbau scheint derzeit beinahe unmöglich. Foto: Baumann

Zum Erreichen des Klimaschutzzieles hat die Europäische Union eine umstrittene Erneuerbare-Energie-Richtlinie beschlossen. Holz gilt künftig nur mehr als bedingt nachhaltig, während Atomenergie, Kohlekraftwerke und Fracking eine Renaissance erleben.

Seit 2018 gibt das Programm RED II den Rahmen für Förderungen von erneuerbaren Energiequellen vor. Mit der Überarbeitung des Programms – jetzt unter dem Titel RED III – sollen sich die Treibhausgasemissionen reduzieren. Das Europa-Parlament hat über seine Position zum Ausbau der erneuerbaren Energien abgestimmt. Dabei hat sich eine Mehrheit gegen den weiteren Ausbau der Biomasse ausgesprochen. Holznebenprodukte und bestimmte Mengen an Primärholz sieht die EU als erneuerbar an – Heizen mit Holz gilt jedoch nur mehr als bedingt nachhaltig und förderfähig. Heizkraftwerke werden zwar weiterhin gefördert, deren Ausbau aber nicht.

„Praxisfern, bürokratisch und inkonsistent“

Die schlimmsten Befürchtungen konnten dennoch abgewehrt werden, nämlich, dass Biomasse als gar nicht mehr erneuerbar anerkannt wird. Diese ist künftig ausschließlich auf dem durchschnittlichen Niveau von 2017 bis 2022 als erneuerbare Energie anrechenbar. Das EU-Parlament fordert außerdem bis 2030 eine schrittweise Senkung des Anteils an Primärholz – also Holz, das direkt vom Wald in einen Brenner wandert. Mit dem Beschluss wird die Nutzung heimischer Holzressourcen massiv eingeschränkt, eine nachhaltige Forstbewirtschaftung ist künftig einigen zusätzlichen Regeln und Auflagen unterworfen. „Das Ergebnis ist ein praxisferner, bürokratischer und teilweise inkonsistenter Vorschlag, der den Ausbau der Bioenergie behindert und nicht, wie für die Zielerreichung notwendig, forcieren würde“, kritisiert Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer. „Es ist kaum nachvollziehbar, dass man im EU-Parlament die regionale Bioenergienutzung, die ein wesentlicher Teil der nachhaltigen Bewirtschaftung und Klimawandelanpassung unserer Wälder ist, behindert, während Atomenergie, Kohlekraftwerke und Fracking eine Renaissance erleben.“

Erst am Ende verbrennen

Die Bedenken der EU: Durch Verbrennung von Biomasse werden Emissionen schneller freigesetzt als Bäume nachwachsen. Bäume zu fällen, um damit Energie zu erzeugen, schade dem Klima. Vorrangig gehe es also um den Erhalt der Wälder als CO2-Speicher. Die „kaskadische Nutzung“ soll laut EU dabei Vorrang gegenüber einer Verwertung in Energie haben. Sprich, Holz muss möglichst nachhaltig verwertet werden, beispielsweise für Möbel oder Hausbau. Die Verbrennung steht erst am Ende der Nutzungszeit.

An Energieeffizienz-Schraube drehen

Bioenergie stellt neben Wasserkraft die größte erneuerbare Energiequelle in Österreich dar. In der Steiermark versorgen 600 Biomasseheizwerke über 100.000 Haushalte aus Biomasse und sparen somit jährlich 150 Millionen Liter Heizöl und 500.000 Tonnen CO2 ein. Die Anzahl der Haushalte hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Im grünen Herzen beträgt der Anteil der Biomasse an erneuerbaren Energieträgern rund 68 Prozent. Im Bezirk Liezen gibt es 20 Fern- und Nahwärmenetzbetreiber. Einer davon ist Herbert Hansmann, Geschäftsführer der Biowärme Bad Mitterndorf. In seinem Heizwerk werden jährlich 35.000 Kubikmeter regionales Holz aus einem Umkreis von lediglich 20 Kilometern verheizt. Insgesamt sind zwölf Mitarbeiter am Standort beschäftigt, weitere zehn bis 15 Personen heimischer Partnerbetriebe sind auf den Baustellen für Grabungsarbeiten, Installationen, usw. tätig. Die Wertschöpfung in der Region ist enorm. Alleine im heurigen Jahr konnten 60 neue Kunden an die Biowärme Bad Mitterndorf angeschlossen werden. Trotz des enormen Rückschlages versucht Hansmann positiv in die Zukunft zu blicken: „Wir Heizwerkbetreiber werden weiterhin unsere Kunden mit Wärme versorgen können. Gegebenenfalls gilt es neue und alternative Lösungen anzudenken, auch wenn es schwer ist.“ Er appelliert auch an die Bevölkerung, keine sinnlose Energie zu vergeuden und Einsparungspotenziale zu nutzen – ohne jedoch an Komfort einzubüßen. „Es ist auch für Gewerbe- und Industriebetriebe an der Zeit, an der Energieeffizienzschraube zu drehen und Energie gezielt einzusetzen.“

Verhandlungen gehen weiter

Die finalen Verhandlungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten, dem Parlament und der EU-Kommission sind noch nicht abgeschlossen. In den anstehenden Gesprächen liegt der Ball jetzt bei Energieministerin Leonore Ge­wess­ler, die Österreich in diesen Verhandlungen vertritt, um weitere Verbesserungen für die Nutzung von Biomasse zu erreichen.