Salzkammergut wird Kulturhauptstadt

Groß war der Jubel bei der Salzkammergut-Delegation, nachdem man den Zuschlag zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2024“ erhielt.

Obgleich nüchtern abgehalten, wurde die am vergangenen Dienstag in Wien stattgefundene Pressekonfe­renz zur europäischen Kulturhauptstadt 2024 ein Nervenkrimi der besonderen Art. Als Juryvorsitzende Cristina Farinha die Entscheidung bekanntgab, dass Bad Ischl als Bannerstadt mit dem Salzkammergut den Titel 2024 tragen wird, brachen viele Dämme.
Die zwölfköpfige Jury hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Man habe die Vorschläge der drei Bewerber nach sechs Kriterien, wie zum Beispiel einer langfristigen kulturellen Strate­gie, der Qualität des künstlerischen Programms sowie die europäische Dimension bewertet. Unter dem Motto „Wasser und Salz“ hat sich ja Bad Ischl mit dem Salz­kammergut beworben, 17 Bewerber­städte gab es anfangs, drei blieben über. Gemeinsam mit der Region werden 2024 auch Tartu in Estland und Bodø in Norwegen europäische Kulturhaupt­städte sein.
Die Verleihung des Titels ist ein ungemein starkes Bekenntnis zum ländlichen Raum und so zu werten, dass entgegen der politischen Zen­trali­sierungswünsche auf Bundes- und Landesebende auch einer Diversifikation der ländlichen Region eine große Chance gegeben wird. Somit hat die Jury große Weitsicht bewiesen und ihren eigenen Krite­rien­katalog wirklich sehr ernst genommen. Erstmals wurde der Titel nämlich damit einer inneralpin gelegenen Region gegeben. Eine sicherlich nicht einfache Ent­scheidung.
Eine Jurybegründung wird erst in ein paar Wochen folgen, Cristina Farinha hob jedoch nach der Be­kanntgabe die Auseinandersetzung mit Problemen des Übertourismus und die Entwicklung positiver Gegen­­­strategien hervor. „Es geht anhand des Themas Salz um Fragen der Post-Industrali­sie­rung, es geht um Tourismus und Hypertourismus und darum, wie man mit Tradition, Kultur und alternativer Kultur umgeht. Diese Fragen sind die gleichen, die sich vielen Städten in Europa stellen“, so Farinha.
Für Bürgermeister Franz Steinegger, dem Koordinator der Bewerbung im Ausseerland, war es bis zum Schluss spannend: „Der Jurybesuch im Salzkammergut ist sehr gut verlaufen und es ist uns auch alles gelungen. Bei der Fragerunde in Wien dann haben wir schon die Nerven weggeworfen. Wir wussten nicht, ob wir diese Anhörung nicht in den Sand gesetzt hätten. Dazu kommt, dass wir in St. Pölten und der Bodenseeregion wirklich starke Gegner hatten. Umso erfreulicher war dann die Verkündi­gung, dass die Entscheidung innerhalb der Jury einstimmig für uns gefallen ist. Das war ein gewaltiges Gefühl. Zwei Jahre lang haben wir auf dieses Ziel hingearbeitet, der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinden und der Bürgermeister im Salzkammergut war noch nie so eng, es haben sich Freundschaften entwickelt und wir ziehen alle an einem Strang. Über alle politischen Gräben hinweg arbeiten wir unglaublich gut zusammen. Das ist ein Anfang, auf den wir aufbauen wollen. Wir haben nicht nur den Titel Kulturhauptstadt bekommen, sondern nun auch die Möglich­keit, in aller Ruhe und Sorgfalt alle jene Projekte umsetzen zu können, die wir geplant haben. Diesen Traum nun leben zu dürfen, ist die größte Belohnung, denn der Titel ist nicht nur ein zusätzlicher Schmuck für das Salzkammergut, sondern eine Möglichkeit, auf die dringendsten Bedürfnisse unserer Region nachhaltig reagieren zu können.“
Finanzierung
Dass ein derartiges Projekt nicht ohne Gelder über die Bühne gehen kann, ist wohl klar. So wurden in der Vergangenheit nicht nur Kulturinitia­tiven umgesetzt, sondern auch Stadterneuerungsprojekte. Bad Ischl erhält als Bannerstadt den mit 1,5 Millionen Euro dotierten Melina-Mercouri-Preis, der nach jener griechischen Kulturministerin benannt ist, die als Initiatorin des 1985 ins Leben gerufenen Programms gilt.
Zusätzlich dazu kommen noch Gelder von Bund, Ländern und Gemeinden. Letztere haben sich ja in einstimmigen Gemeinderats­be­schlüssen zu einer aliquoten Zahlung, je nach Bevölkerungs­an­teil, auf sechs Jahre verpflichtet. Das Land Steiermark bringt sich ebenfalls ein: „Wir gratulieren allen Ver­ant­wortlichen der Bewerberregion Bad Ischl-Salzkammergut herzlichst zu diesem sensationellen Erfolg. Vor allem natürlich unseren Bürger­meistern des steirischen Salz­kammer­guts, Gerald Loitzl, Franz Frosch, Franz Steinegger und Klaus Neuper – sie haben diesen Erfolg durch ihr Engagement ganz maßgeblich ermöglicht“, betonten Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Kulturlandesrat Christopher Drexler.
Der oberösterreichische Kultur- und Finanzreferent Thomas Stelzer stand der Bewerbung aus Kosten­gründen anfangs sehr skeptisch gegenüber, gratulierte aber jetzt den Organisatoren: „Hinter einer Bewer­bung wie dieser stecken viel Zeit, Engagement und Herzblut – das Ergebnis sind zahlreiche Ideen, die die Gemeinden in der Region näher zusammenrücken lassen.“ Diese Chance gelte es mitzunehmen: „Das Land Oberösterreich wird die Region dabei unterstützen“, so Stelzer.
Für die Kulturhauptstadtregion wurde von den Organisatoren ein Gesamtbudget von mindestens 21 und maximal 30 Millionen Euro für den Zeitraum von 2020 bis 2025 berechnet. Die Kosten werden zu je einem Drittel von Bund, den Ländern Oberösterreich und Steiermark sowie der Kulturhauptstadtregion Salzkammergut getragen. Auf Basis der Berechnung der Landesanteile anhand der Einwohnerzahlen der teilnehmenden Gemeinden ergibt sich für die Steiermark für sechs Jahre ein Anteil von 160.000 bis 240.000 Euro pro Jahr.