Saisonstart zu Weihnachten, aber nur für Einheimische

Der heurige Start in die Wintersaison wird von der Politik beschlossen. International herrscht keine Einigkeit. Foto: Steiermark Tourismus / photo-austria.at

Die Seilbahnen scharren in den Startlöchern und sind für die Saison-Eröffnung bereit. Hotel- und Gastrobetriebe müssen noch bis 7. Jänner warten und fühlen sich, trotz guter Sicherheitskonzepte, dem Handel gegenüber benachteiligt.
Die Zeiten als der Start in die Wintersaison vom Schnee abhängig war, sind schon lange Geschichte. In diesem Corona-Jahr konnten jedoch nicht einmal Schneekanonen und Speicherteiche den pünktlichen Start sicherstellen, denn das Virus hat die Pläne gehörig durcheinander gewürfelt. Heuer entscheidet die Politik, wann Gondel und Sessellifte offiziell in Betrieb gehen dürfen. Laut Pressekonferenz von vergangenen Mittwoch dürfen die Seilbahnen zu Weihnachten starten, Hotellerie und Gastronomie müssen jedoch bis 7. Jänner geschlossen bleiben. Der Verein Vitalpin vertritt touristische Interessen in den Alpen und prangert das unkoordinierte Vorgehen europäischer Politiker an. Im medialen Schlagabtausch rund um den Wintersport dürfe der alpine Lebensraum und die Tourismusbranche, die sich verantwortungsvoll auf die Saison vorbereitet habe, nicht zum politischen Spielball verkommen sagt Geschäftsführerin Theresa Haid.
Gut vorbereitet
Bereits im Sommer entwickelten Seilbahnen und Tourismusbetriebe covid-gerechte Konzepte für den Corona-Winter. Selbst den Lockdown hat man brav hingenommen und sich schon auf den um einige Wochen verschobenen Saisonstart gefreut. Nun gab es Störfeuer von einigen europäischen Schwesterländern, das den Wintertourismus empfindlich beeinträchtigen könnte. Derzeit ringen Länder, Parteien und Interessensvertreter um den Start der Wintersaison. „Euer Gegner heißt Covid-19 und nicht Wintersport in den Europäischen Alpen“, heißt es in einem Schreiben des Fachverbands der Seilbahnen an die EU-Kommission. Man könne nicht länger taten- und kommentarlos dabei zusehen, wie die gesamte Branche diskreditiert und dabei schwer in ihrer Reputation beschädigt werde. „Wir hoffen, dass ein politischer Weg gefunden wird, denn der Tourismus ist eine Lebensader im Ennstal“, sagt Reiteralm-Geschäftsführer Daniel Berchthaller.
Nur Tagesgäste
Für Tagesgäste werde man die Berge jedenfalls aufsperren, sagt Planai-Geschäftsführer Georg Bliem: „Als größtes steirisches Freizeitunternehmen sehen wir uns in einer ‚regionalen Verantwortung‘. Wir planen definitiv zu Weihnachten aufzusperren, auch wenn vorerst nur einheimische Wintersportler kommen.“ Es koste zwar viel Geld, aber es gebe schließlich auch eine Zeit nach Corona. Bis die Gastronomie öffnen darf, sind für die Verpflegung Take-Away-Angebote und Verweilstationen angedacht. Mit Jänner hoffe man zumindest einigermaßen Skibetrieb zu haben, das hänge jedoch von den Reisewarnungen der Hauptherkunftsländer Deutschland, Benelux, Skandinavien sowie Ost-/Zentraleuropa ab.
Mit zweierlei Maß gemessen
Tourismus-Chef Mathias Schattleitner meint, es werde mit zweierlei Maß gemessen. „Wenn der Handel öffnen darf und die Einkaufszentren erfahrungsgemäß überfüllt sein werden, weiß ich nicht warum ein Hotel- oder Restaurantbetrieb mit einem fundierten Sicherheitskonzept nicht erlaubt sein soll.“ Die gesamte Tourismusbranche sei ein immens wichtiger Wirtschaftszweig für die Region. Von 100 Euro, die lukriert werden, seien 80 Euro durch den Tourismus induziert. Nachdem die Betriebe erst mit 7. Jänner öffnen dürfen, sei der Umsatzersatz wichtig, die Betriebe am Leben zu halten.
Fundierte Sicherheitskonzepte
Grundsätzlich sei die Infektionsgefahr beim Skilauf an der frischen Luft sehr gering. An den kritischen Punkten wurden Maßnahmen ausgearbeitet, um dort ebenso das Infektionsrisiko zu minimieren. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, so Berchthaller. Auch Georg Bliem weist auf das umfangreiche Sicherheitskonzept hin. Dazu zählen etwa die Ausgabe von kostenlosen Schlauchschals als Mund-Nasen-Schutz, Lautsprecherdurchsagen, Desinfektionsspender an vielen Punkten und die regelmäßige Desinfektion der Betriebsmittel. Die Fenster bleiben bei der Bergfahrt geöffnet, damit die Gondeln gut durchlüftet sind. „Auch die Beherbergungsbetriebe haben mit viel Hirnschmalz und Geld Konzepte ausgearbeitet, die funktionieren.“ Es sehe jeder ein, dass die Gesundheit das höchste Gut ist. Von Après Ski und Nachtgastronomie sei ohnehin seit langem keine Rede mehr, aber „es braucht am Berg eine Basisversorgung, wo die Hüttenwirte einfach dazugehören.“