Regeln sollten immer gelten

Mitten in einer der schwierigsten Zeiten für die Metallindustrie, geprägt vom massiven Mangel an Vormaterialien und massiven Preiserhöhungen bei Energie und Rohstoffen droht jetzt auch noch ein Arbeitskampf. Die bisherigen Angebote an die Gewerkschaft werden als viel zu nieder bezeichnet, von der Forderung, die Löhne um 4,5 Prozent zu erhöhen, wurde noch kein Millimeter abgerückt. Auf den ersten Blick rechtfertigt die aktuelle Inflation auch eine kräftige Lohnerhöhung, aber eben nur auf den ersten Blick.

Verhandelt wird nämlich immer auf Grund der Inflationsrate eines fixen, vergangenen Beobachtungszeitraumes. Diese Teuerung und ein Anteil am Produktivitätsgewinn der Unternehmen fließen in die berühmte Benjaformel ein, wodurch sich üblicherweise eine Erhöhung ergibt, die in etwa ein Prozent über der Inflationsrate liegt. Das wären heuer etwa 3,5 Prozent und in der Gegend wäre auch eine vernünftige Einigung möglich.

Immerhin hat die Industrie auch im Vorjahr die Inflation komplett abgegolten, wiewohl nach den massiven Produktivitätsrückgängen nach Corona eine deutlich geringere Erhöhung das Ergebnis der altbekannten Formel gewesen wäre. Und die jetzt recht kräftig galoppierende Teuerung ist gemäß der Usancen eben erst die Basis der nächsten Lohnverhandlung. Um weiteren Schaden von der ohnehin gebeutelten Industrie fernzuhalten, kann man daher nur hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt und man in den Verhandlungen auch die Regeln einhält, die seit Jahrzehnten gelten.