Politisches Hickhack um Liezens Hauptplatz

Im Fachärztezentrum fürchtet man um den Verlust von Parkflächen für Patienten.

Sparen oder in die Innenstadt investieren? Der Umbau von Liezens Hauptplatz löst eine politische Diskussion aus, bei der auch die Parkmöglichkeiten in der Bezirkshauptstadt in den Fokus rücken.

Heiß wurde über die geplante Hauptplatzneugestaltung bei der vergangenen Gemeinderatssitzung in Liezen diskutiert. Während der zweite Vizebürgermeister Egon Gojer von der ÖVP fordert, das Projekt auf Eis zu legen, berufen sich Bürgermeisterin Andrea Heinrich und Finanzstadtrat Stefan Wasmer (beide SPÖ) auf das Ergebnis des Bürgerbeteiligungsprozesses. Demnach wünschen sich 88 Prozent der Liezener eine höhere Aufenthaltsqualität und mehr Grün in der Innenstadt. Einem Wunsch, dem man mit dem Umbau nun nachkomme, so Heinrich: „Derzeit sind nur vier Prozent des Hauptplatzes nicht versiegelt. Wir wollen auf vierzig Prozent kommen“, unterstreicht die Bürgermeisterin das Anliegen, den Hauptplatz zu begrünen. Nach dem Spatenstich im Rahmen des vergangenen Stadtfestes soll der Umbau in zwei bis drei Etappen stattfinden. Der erste Bauabschnitt umfasst den östlichen Teil des Hauptplatzes samt des Durchgangs zum Kulturhausplatz. Jener Bereich, der sich direkt vor dem Fachärztezentrum erstreckt. Andreas Kanzian, Facharzt für Radiologie, fürchtet nun um das Einbüßen der Parkflächen speziell während der Umbauphase. „Ich bin nicht gegen den Umbau des Hauptplatzes, ich will nur geklärt wissen, wie sich die Parkplatzsituation dadurch entwickelt. Schließlich gehen bei uns tagtäglich vierhundert Patienten ein und aus“, so Kanzian. Der Großteil der Patienten komme aus dem gesamten Bezirk und dem benachbarten Oberösterreich und würde mit dem Auto anreisen.

Die Forderung nach ausreichend Parkflächen stand auch im Zentrum der Petition, auf der die Unterschriften vieler am Hauptplatz angesiedelter Gewerbetreibender und Ärzte aufscheinen. Heinrich und Wasmer berufen sich auf ein Parkleitsystem, das parallel zum Umbau in Ausarbeitung sei. Dieses sei bereits „am Fertigwerden“, so Heinrich. Man habe alle Parkplätze in Liezen erfasst, analysiert und kategorisiert, sagt Wasmer. Parkflächen stünden im Umfeld ausreichend zur Verfügung, schließlich sei Liezen „eine Stadt der kurzen Wege, dafür sind wir auch ausgezeichnet worden“, so Heinrich.

Politisches Kleingeld

„Wir sparen und sparen, streichen sogar den Schülertransport ins Oberdorf, doch ein solches Projekt setzt man um“, kritisiert Gojer und fordert, erst wenn man finanziell wieder gut aufgestellt sei, das Projekt umzusetzen und bis dahin auf Eis zu legen. Für Finanzstadtrat Stefan Wasmer würde dies bedeuten, die Entwicklung in eine zukunftsgerichtete Stadt zu stoppen, wie er sagt. Und auch Bürgermeisterin Andrea Heinrich spricht von einem „ausfinanzierten Projekt“, für das man sich auch EU-Förderungen abholen könne. Für den Umbau spricht sich auch Liezens EZ-Obmann und Geschäftsführer der Liges Marketing GmbH, Hartwig Strobl aus. Er sieht die Diskussion rund um den Hauptplatzumbau als Versuch, „politisches Kleingeld zu schlagen“. Jetzt einen Rückzieher zu machen, ohne Vorschläge zu bringen, sei wohl den bevorstehenden Wahlen zuzuschreiben, so Strobl.

Parkhaus gefordert

Für Andreas Kanzian wird es „ohne einen Großparkplatz nicht gehen“, wie er sagt. Mit dem Bau eines Parkhauses könne die Parkplatzsituation in der Innenstadt entschärft werden. Auch Egon Gojer bringt die einst geplante Tiefgarage wieder zur Sprache und wirft Heinrich vor, man habe „aufgeblasen präsentiert“. Diese kontert, die Tiefgarage sei nur eine von mehreren Optionen gewesen, Parkraum zu schaffen. Die Umsetzung habe sich jedoch als technisch schwierig entpuppt und wäre aufgrund der Teuerung „unverantwortlich gewesen.“ Nun sei es an der Zeit, mit dem Umbau des Hauptplatzes ein Projekt zu realisieren, das sich die Liezenerinnen und Liezener seit Jahrzehnten wünschen. Schließlich würden trotz des Umbaus des Hauptplatzes die Parkflächen erhalten und nur um zwei Stellplätze verringert werden. In Summe verfüge Liezen über genügend Parkplätze, wie im Parkleitsystem auch ersichtlich sein werde, so Heinrich.

back-to-top