Physik schlägt Politik

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Um die Vorgänge bei der Wien Energie seriös beurteilen zu können, muss man sich wohl noch einige Zeit gedulden. Was in dem Zusammenhang allerdings deutlich wird, ist unser Problem mit der Stromversorgung. Während in früheren Jahren genug günstiger Strom auf den Märkten war, spielen die Preise jetzt verrückt. So hat eine Kilowattstunde (ohne Netz und Steuern) zuletzt im Großhandel über einen Euro gekostet. Schuld daran ist schlicht die Sorge, dass es im Winter zu wenig Strom geben wird.

Das liegt natürlich primär am explodierenden Gaspreis und ausbleibender Lieferungen infolge des Ukraine-Krieges. Aber eben nicht nur: Probleme in französischen Atomkraftwerken, der übereilte Ausstieg Deutschlands aus der Kohle und der Atomkraft und rundum fehlende Netzkapazitäten sorgen schon lange für Schwierigkeiten in Europas Energieversorgung. Nur wurden diese bisher eben mit den reaktionsschnellen Gaskraftwerken kompensiert. An einen Plan B hat dabei scheinbar niemand gedacht und das rächt sich jetzt.

Auch die Politik wird sich nicht über die Physik hinwegsetzen können. Wir brauchen einfach deutlich leistungsfähigere Netze und weitere Erzeugungskapazitäten, speziell in Gas- und Pumpspeicherkraftwerken. Diese Maßnahmen samt der Sicherstellung einer ordentlichen Gasversorgung sind der einzige Weg zu einer sicheren Energieversorgung. Und wenn man diese notwendigen und vorhersehbaren Maßnahmen auch gemacht hätte, anstatt dringend benötigte Kraftwerkskapazitäten einfach aus dem Markt zu nehmen, dann bräuchten wir uns auch nicht vor dem Winter zu fürchten.