Paltental vereinigt sich zur Bildungsregion

Von links: Bgm. Hannes Mitterhauser (Selzthal), Bgm. Helmut Schöttl (Trieben), Bgm. Werner Haberl (Gaishorn) und Bgm. Alfred Bernhard (Rottenmann) bei der Präsentation der neuen Bildungsregion.

Die Gemeinden des Paltentals erweisen sich als Impulsgeber. Sie leisten mit einer zielgerichteten Bildungsinitiative einen nachhaltigen Beitrag zur regionalen Entwicklung.

Bildung verleiht Flügel. Doch wohin trägt sie uns? Geht es nach Rudolf Egger vom Institut für Erziehungswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz, landen die gut Ausgebildeten in den Ballungszentren. Das betrifft vor allem Frauen. Für die Regionen am Land sind diese hochqualifizierten Arbeitskräfte somit verloren. Meist für immer. Ein Trend, der sich auch im Paltental bemerkbar macht: Hier leben derzeit um 40 Prozent weniger Menschen im Alter von unter 15 Jahren, als es noch im Jahr 1991 der Fall war. Doch was kann junge Menschen dazu bewegen, in ihrer ländlichen Heimat zu bleiben? Auch darauf hat der österreichische Pädagoge und Hochschullehrer eine Antwort: „Arbeit, Heimatgefühl und Verantwortungsübernahme.“ Egger und sein Team untersuchen die Infrastruktur von Bildungsregionen. Darunter auch die Bildungsregion Paltental. Der neu gegründete Verbund soll Menschen eine hochwertige Ausbildung ermöglichen, und das in enger Abstimmung mit der heimischen Wirtschaft und den Karrierechancen in der Region.

„Wir brauchen die Fachkräfte“

„Wir wollen keine Flügel stutzen, sondern die Bildung in der Region aufrecht erhalten“, sagt Wolfgang Weber vom Projektteam. Um ein konkretes Bildungsangebot erstellen zu können, wurde eine Befragung innerhalb der heimischen Wirtschaft durchgeführt. Das Ergebnis ist ein Ausbau des bestehenden Bildungsangebotes. Am Bildungszentrum Nord der Caritas ergänzt eine HLW für Sozialmanagement die Fachschule für Sozialberufe und an der HTL Trieben wurde ein Tageskolleg für Wirtschaftsingenieurswissen installiert, welches sich gerade in der Genehmigungsphase befindet. Als Vorbereitung in den Berufseinstieg und wichtiges Bindeglied zur heimischen Wirtschaft hat sich die Polytechnische Zentralschule in Rottenmann etabliert. Denn gerade „die Lehre ist ein wichtiges Gut. Darauf müssen wir aufbauen. Wir brauchen die Fachkräfte“, sagt Rottenmanns Bürgermeister Al­fred Bernhard. Neben dem erfolgreichen Modell „Lehre mit Matura“ soll nun auch die „Lehre nach der Matura“ stärker in heimischen Betrieben forciert werden.

Mit Absolventen in Kontakt treten

Neben Rottenmann und Trieben sind auch die Gemeinden Selzthal und Gaishorn in die neue Bildungsregion eingebunden. Wichtiger Aspekt der gestarteten Initiative: Nachhaltigkeit. Das soll auch durch „Absolventen-Monitoring“ erreicht werden. Durch regelmäßiges Kontaktieren von jungen Menschen, die ihren Schulabschluss in der Region gemacht haben, soll die Verbundenheit zur Heimat gestärkt und die Chance auf Rückkehr angestoßen werden. Nachhaltig soll auch die Marke „Bildungsregion Paltental“ etabliert werden. Dazu wird in den nächsten Jahren verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit gesetzt.

Ausbildungen mit Zukunft

Zur Präsentation der neuen Bildungsregion waren auch die Landesrätinnen Barbara Eibinger-Miedl und Ursula Lackner gekommen. „Wir befinden uns derzeit im größten Wirtschaftswachstum seit 50 Jahren. Allein deswegen ist es notwendig, sich noch intensiver mit Bildungsfragen zu beschäftigen“, sagt Eibinger-Miedl. Auch die beiden Schwerpunkte der neuen Bildungsregion seien gut gewählt, so die Wirtschaftslandesrätin: „Technisch-wirtschaftliche Berufe und Berufe von Menschen für Menschen werden auch durch die Digitalisierung nicht verloren gehen. In diesen Bereichen brauchen wir weiterhin gut ausgebildete Arbeitskräfte.“ Lobende Worte kamen auch seitens der Landesrätin für Regionalentwicklung: „Das Projekt hat Pilotcharakter und kann als Best-Practice-Beispiel herangezogen werden“, so Ursula Lackner, denn „die Regionen der Steiermark sind vielfältig. Es ist wesentlich, den Menschen ein gutes Umfeld und Arbeit vor Ort zu ermöglichen, um die Regionen in noch bessere Blüte zu bringen.“ Dazu zähle, Bildungswege aufzuzeigen und so auch die regionale Wirtschaft zu beleben.

Wertschätzung für duale Ausbildung

Hinter diesem Großprojekt steht das Regionalmanagement Bezirk Liezen. Das Paltental sei die am stärksten industriell geprägte Region der Steiermark. 45 Prozent aller Arbeitnehmer seien in dieser Branche tätig, weiß die Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Regionalverbandes Michaela Grubesa: „Trotz des Facharbeitermangels ist es hier gelungen, die Lehrlingszahlen stabil zu halten. Das gehört natürlich unterstützt, weshalb wir die Bildungsregion Paltental gegründet haben.“ Die duale Ausbildung „Lehre und Matura“ müsse endlich jene Wertschätzung erhalten, die ihr gebührt, so die Landtagsabgeordnete.

Öffentlicher Verkehr muss besser werden

Deutlichen Aufholbedarf gebe es jedoch in puncto öffentlichem Verkehr, sagt RML-Vorsitzender Armin Forstner: „Wir haben sehr gute Bildungsangebote, doch große Probleme im Schülertransport. Wir müssen die Chance ergreifen, Auszubildende an die jeweiligen Standorte zu bringen. Doch das scheitert oft am öffentlichen Verkehr. Ich hoffe, dass die Verbindungen künftig besser ausgebaut werden“, so Forstner.