Ostern und Auferstehung im Jahr 2022

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Zentrum der Geschichte

Pfarrer Jakob Ebner notiert am Ostersonntag 1915 in seinem Tagebuch: „Alleluja! Ich halte mehrere Gottesdienste. Vor der Kommunionbank liegt auf einer Bahre, mit einem Zelttuch zugedeckt, ein gefallener Soldat, Vater von sechs Kindern. Der Krieg ist der beste Gottsucher und Gottfinder geworden für die moderne Welt“, so Ebner. Er hofft, dass der Krieg auch zu einer Rückbesinnung auf den Glauben führt. Er sollte leider irren.

30 Jahre später sieht ein junger Soldat in einer Kirche Menschen, die zu Ostern Halleluja singen. Die Front ist nur wenige Kilometer entfernt. Er ist erstaunt und gleichermaßen fasziniert vom unerschütterlichen Glauben der Pfarrgemeinde. Aufgrund einer Panne fällt sein Fahrzeug aus. Alle anderen Soldaten sterben bei diesem Einsatz. Wenige Tage später ist der Zweite Weltkrieg zu Ende. In großer Dankbarkeit verspricht der junge Mann, Priester zu werden. Sein Name ist Bischof Johann Weber. Zu Kriegsbeginn 2011 in Syrien ist er noch unter uns und leidet mit den Vertriebenen.

In den Fassaden der Stadt Aleppo haben sich laut Erzbischof Burger „die Züge des Karfreitags tief eingegraben“. Doch trotz der gefährlichen Situation feiern zahlreiche Christen das Osterfest 2011. Einige Engagierte harren in dieser ausweglosen Situation aus, um Menschen zu versorgen. „Auf diese Weise bricht für die dort gebliebenen Menschen der Ostermorgen an. Der Beginn einer wie auch immer gearteten Auferstehung. Hier zeigen sich der Mut und die Hoffnung zum Leben, trotz aller gegenteiligen äußeren Umstände.“

Syrien ist weit weg, doch der Krieg in unserer Nachbarschaft fordert seit wenigen Wochen enorm heraus. Bischof Honczaruk schreibt aus der umkämpften Stadt Charkiw: „Der Krieg bringt mit sich, dass alles nah beieinander ist: der Himmel, aber auch die Hölle. Es ist die Frage, wohin die Seele blickt. Wenn sie in Richtung Gott schaut, wird sie dadurch gestärkt… was uns hilft, eine Normalität zu bewahren, das ist der innere Zustand der Seele. Gott hilft dabei. Das beweist sich in den schwierigen Momenten. Ich danke ihm für das Geschenk des Glaubens und seiner Anwesenheit. Denn ich kann bezeugen: Er ist die Stärke.“

Diese Geschichten zeigen, dass der Glaube in lebensbedrohlichen Zeiten tragen kann, auch wenn selbstherrliche, populistische Staatenlenker, die sich dem Leben auf dieser Welt nicht verpflichtet fühlen und nur der eigenen Macht und dem eigenen Vorteil trauen, sich mit der Kraft des Bösen verbünden.

Anker unserer Zeit

Doch wie geht es dir? Haben es die Umstände unmöglich gemacht, im Jahr 2022 Ostern zu feiern? Fühlst du auch ein Gefühlschaos? Einen Gefühlsstrudel? Eine Achterbahn der Gefühle? Da sind Gefühle der Fassungslosigkeit, wenn Krankenhäuser und Kindergärten mit Bomben beschossen werden. Gefühle von Trauer, wenn unschuldige Zivilisten sterben. Lässt sich deine Gefühlswelt mit deinem Glauben besänftigen? Ich habe verschiedene Menschen in meiner Umgebung gefragt, ob der Krieg in der Ukraine etwas an ihrem Verständnis von Ostern verändert hat.

K. schreibt: „Am Verständnis nicht, jedoch an der Erkenntnis, dass Menschen aus der Geschichte wirklich nichts lernen. Egal, ob es um einen Einzelnen vor 2000 Jahren oder heute ein ganzes Volk geht, wenn ich jemandem etwas Böses antun will, ist jede noch so haltlose und dumme Behauptung als Begründung gut genug dafür.“ Oder I. antwortet: „Es wird immer das Fest der Auferstehung sein, ganz egal, was sich in unserem Leben abspielt.“ In jugendlicher Sprache schreibt M.: „Einen grundsätzlichen ‚Shift‘ gab es nicht!“ Und P. ist überzeugt: „Wir werden wie immer feiern, aber dankbarer und demütiger.“ H. bekennt: „Ich glaube, dass man grundsätzlich in Zeiten der offensichtlichen menschlichen Machtlosigkeit die immerwährende Begleitung Gottes richtig stark schätzen wird.“ In die gleiche Kerbe schlägt N.: „Geschehnisse oder Katastrophen haben keinen Einfluss auf die Überlieferung der Prophezeiung, dass der Herr nach drei Tagen auferstehen wird, der Tod ist nichts Absolutes.“ So sieht es auch K.: „Wir gedenken des Todes und der Auferstehung von Jesus, der Krieg hat ja zwangsläufig etwas mit Tod zu tun. Wenn sich etwas verändert hat, dann, dass diese Zeit stärker anregt über Tod und Leben nachzudenken.“ Oder V.: „Es hat sich nichts am Verständnis geändert, aber ich bin dankbarer, in Frieden zu leben und meine Heimat, Freunde und Familie zu haben.“

Ursprung allen Lebens

Ist das Fundament des Osterfestes der Glaube an Tod und Auferstehung Jesu Christi, der für uns zum Ursprung des Lebens geworden ist? Wie sehen es die Befragten?

„Auferstehung bedeutet Neuanfang“ schreiben K. und P. „Es beginnt ein neues Leben, das alles, was wir erlebt haben, übertreffen wird“, so K weiter. „Es kann auch bedeuten: „Kopf und Herz in Einklang bringen“, meint M. „Es ist der Beginn einer Aktion mit Folgehandlungen. Das glaube ich und es gibt mir Kraft zum Leben“, schreibt N. „Wenn man nicht mehr aufsteht, wird man für sich und auch für andere nichts mehr erreichen können“, so K. „Wir alle dürfen hoffen, dass unsere Seele zu Gott zurückkehrt“, bekennt M. „In diesen Zeiten ist es sehr wohltuend, so glauben zu können“, schwärmt H. über die Auferstehung.

Ziel in Ewigkeit

Ich bin dankbar, dass Gott auch durch Menschen spricht, dass er uns im Osterfest erinnert, dass wir jeden Tag auf ihn vertrauen dürfen. Deshalb bete ich: Guter Gott, sei für uns Zentrum der Geschichte, Anker der Zeit, Ursprung allen Lebens und Ziel in Ewigkeit. Amen.

Frohe, gesegnete Ostern wünscht

Ihr Diakon Hannes Stickler