Ortskern verdichten oder verschandeln?

Retorten­-Apart­ment­siedlung oder vernünftige Tourismus-Entwicklung? Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern verhärten sich. Foto: Leader | TV Ausseerland-Salzkammergut

Tauplitz ist derzeit Schauplatz eines polarisierenden Projektes, das einmal mehr die Diskrepanz zwischen Immobilienwirtschaft und der Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung zeigt.

Es ist gerade einmal drei Wochen her, dass eine heimische Bank für eine Online-Kundenveranstaltung mit dem Titel „Betongold gegen Niedrig­zinsen“ warb. Die Nachfrage nach „soliden Werten“ in Krisenzeiten ist verständlich, eine drohende Inflation lässt Vermögende in sichere Werte inves­tie­ren. Grund und Boden sind in dieser Hinsicht ein sicherer Hafen, denn dieser ist nicht beliebig reproduzierbar – es gibt ihn nur einmal. Somit sind derzeit auch sehr viele Inves­toren auf der Suche nach Grund­stücken und Entwicklungs­mög­lich­kei­ten, wie sich anhand der Kran-Dichte im Ausseerland unschwer erkennen lässt.

Gegen Bauprojekte im Hinterbergtal

In der Großgemeinde Bad Mitterndorf macht nun die mittlerweile vierte Bürger­bewegung mobil, um einen Bau inmitten von Tauplitz zu verhindern. Ewald Heidler will das Groß­projekt am Areal „Weilbuchner“ mit 17 Apartments als Anrainer verhindern und hat mit einer Petition bisher 110 Unterschriften ge­gen die Apartmenthäuser gesammelt. Heidler schießt sich nicht nur auf den heimischen (Mit-)Projektanten und Geschäftsführer der Tauplitzalm Hubert Mayr­hofer, sondern auch auf den Ge­meinde­vorstand ein: „Ich hatte ein Gespräch mit Bürgermeister Klaus Neuper. Der sagte mir, er hätte es Hubert Mayrhofer versprochen, dort etwas errichten zu dürfen. Wo bleibt da das objektive Bauverfahren? Die Petition beeindruckte den Bürger­meister schon ein wenig, aber ich bekam keine Zusage, diese Wün­sche der Bürger von Tauplitz anzu­erkennen und im Gemeinderat einen Beschluss gegen den Apartmentbau herbei­zu­führen“, so Heidler. Er argumentiert, dass der Flä­chen­widmungsplan für Bad Mittern­dorf projektgeschuldet noch nicht abgesegnet und in Kraft wäre, denn im neuen Flächenwidmungs­plan sind Zweitwohnsitze, wie sie jetzt geplant sind, nicht mehr vorgesehen. „Stimmt so nicht“, sagt Bgm. Klaus Neuper: „Der Flächenwidmungsplan ist am Weg. Es waren sehr viele Eingebungen, die behandelt werden müssen. So eine Revision des Flä­chen­widmungsplanes erledigt man nicht im Vorbeigehen. Die Inkraft­set­zung des neuen Flächen­wid­mungs­planes ist von verschiedensten Fak­toren abhängig. Wir haben ganz si­cher nichts projektbezogen ver­zögert.“

Vernünftige Entwicklung oder Flächenfraß?

Von Seiten der Touristiker wurden im gesamten Ausseerland und speziell in Tauplitz und Bad Mitterndorf „Betten, Betten, Betten“ gefordert. Eine vernünftige Entwicklung eines Gebie­tes sei – unter Berück­sichti­gung der Schönheit der Land­schaft – notwen­dig, sagt Hubert Mayrhofer: „Auf der Tau­plitz sind wir an Natur­ge­geben­heiten gebunden – das Tote Gebirge ist heilig und wird auch nicht angefasst. Das sage ich nicht nur aus Natur­verliebtheit, sondern auch aus Eigen­nutz, denn wenn alles verbetoniert ist, wollen die Gäste sicherlich nicht mehr zu uns.“ In Hinblick auf den Ruf nach mehr Betten meint er, dass die vorhandenen Strukturen zu klein seien. Außerdem gebe es den Trend zu Apartments und Almhütten, der sich nicht nur auf den Alpenraum konzentriere. Ent­scheidend sei, dass „dieses Angebot nicht zur Monokultur aus­artet, wie in manchen Destina­tionen des Westens“. Ein Hotel zu führen sei schwierig und kapitalintensiv, weiß Mayrhofer, nachdem die Tauplitzalm selbst zwei Hotels betreibt. In Tauplitz selbst ist die Bevölkerung zwiegespalten, was die Bauprojekte anbelangt. Zusätzlich zum „Projekt Weilbuchner“ steht ein wei­teres, größeres Projekt in den Start­löchern. Hinter vorgehaltener Hand wird bereits von Flächenfraß gesprochen.

Kritikpunkt: Höhe der Gebäude

Vorrangig wird vom Betreiber der Petition, Ewald Heidler, die vier­geschossige Ausführung der entstehenden Apartmenthäuser kritisiert: „Für uns handelt es sich dabei um sieben überdimensionierte Apart­ment­häuser, die in einer nicht zu ak­zep­tierenden Höhe neben der Kirche hingepflanzt werden.“ Aus seiner Sicht werde dadurch das Ortsbild massiv geschädigt. „Wir werden irgendwann als Retorten­apart­ment­siedlung enden – gesichtslos, aus­tausch­bar, kulturlos“, befürchtet Ewald Heidler. „Ob ein Bauvorhaben mit dem Ortsbild ver­ein­bar ist, entscheidet die Baube­hörde unter Heranziehung des Gut­achtens eines Ortsbild­sach­ver­stän­digen. Es wird sich zeigen, dass das gegenständliche Vorhaben eine bedeutende Verbesserung im Ver­gleich zum der­zeitigen Erschei­nungs­­bild herbeifüh­ren wird. Auch wenn es wie geplant teilweise vierstöckig ausgeführt wird“, so Mayr­hofer: „Mit einigem Erstau­nen musste ich feststellen, dass der Initiator der Petition selbst Zweit­wohn­ungsbesitzer in Tauplitz ist, denn er wohnt in Wien, wie aus einer mir vorliegenden Melde­auskunft zu ent­nehmen ist.“ Der Geschäftsführer des bauausfüh­renden Unternehmens Kieninger wie auch der Projektgesellschaft Salz­kammergut Feriendomizile GmbH war auf Anfrage nicht erreich­bar.

Hubert Mayrhofer ist jedoch der vertretende Anwalt des Un­ter­nehmens und führte wie folgt aus: „Aus der Sicht der Salzkammergut Feriendomizile GmbH ist es ja Ziel des Flächen­­widmungsplanes, eine Ver­dichtung im Kerngebiet herbeizuführen und kein ‚Bauen auf der grünen Wiese‘ zu unterstützen. Das machen wir auch. Bei diesem Projekt wird die erlaubte Bebauungsdichte von 2,2 bei weitem nicht ausgenützt.“ Inwieweit dieses Projekt nun eine „Verdichtung des Kerngebietes“, wie es die Projektanten argumentieren, oder eine „Verschandelung des Orts­bildes“ ist, müssen die Einwohner von Tauplitz und deren Gäste beur­teilen.