Österreichzentrum präsentiert Grundlagen im Umgang mit dem Wolf

30 bis 50 Wölfe haben sich im Vorjahr zumindest vorübergehend in Österreich aufgehalten.

Nach intensiver Verfolgung haben Schon- und Schutzvorschriften den Wiederaufbau einer europäischen Wolfspopulation ermöglicht. Das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs zeigt Wege auf, wie eine Koexistenz von Wolf und Mensch gelingen kann.

Der Wolf kehrt zurück. Während sich das scheue Wildtier in Nachbarländern wie Italien und Deutschland bereits niedergelassen hat, nutzt es Österreich bislang eher zur Durchreise. Eine der wenigen Ausnahmen bildet das bereits 2016 nachgewiesene Wolfsrudel in Allentsteig in Niederösterreich. Trotzdem: „In Österreich ist jederzeit und überall mit einem Wolfauftreten zu rechnen“, weiß Geschäftsführer Albin Blaschka vom Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs mit Standort in Raumberg-Gumpenstein. Für den Mensch sei der Wolf zwar ungefährlich, betont Blaschka, vor neuen Herausforderungen stehe man trotzdem. Hauptgrund dafür ist das Fressverhalten des großen Beutetiers. Auf seinem Speiseplan stehen bevorzugt Schalenwildtiere wie Reh, Rothirsch und Wildschwein. Während Rinder nur selten angegriffen werden, gehören Schafe und Ziegen zu den gefährdeten Nutztieren. In den vergangenen zehn Jahren waren es österreichweit 1077 Schafe, die von Wölfen gerissen wurden. Präventive Maßnahmen sind gefragt.

Gemeinsame Standards

Vor zwei Jahren gegründet, leistet das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs einen wesentlichen Beitrag zu einer möglichst konfliktfreien Koexistenz mit den großen Beutegreifern. „Aufgrund der Situation haben wir uns in dieser Zeit hauptsächlich mit dem Wolf beschäftigt“, sagt Blaschka, denn allein im vergangenen Jahr haben sich zwischen 30 und 50 Wölfe zumindest vorübergehend in Österreich aufgehalten. Neben der Ausbildung von Rissbegutachtern, dem Beutegreifer-Notfallteam und Schulungen sowie Informationsgebung zum Thema Herdenschutz hat das Österreichzentrum einen Grundlagenkatalog für Wolfsmanagement erstellt. Das Ergebnis konnte diese Woche präsentiert werden. Man habe das Rad nicht neu erfunden, sagt Blaschka, sondern bereits bestehende Empfehlungen aktualisiert und durch gewonnene Erfahrungen der vergangenen acht Jahre ergänzt. Eine Zeitspanne, in der die Ausbreitung des Wolfes massiv zugenommen habe, so der Geschäftsführer: „Ziel dieser Maßnahme ist es, einen gemeinsamen Standard festzulegen, auf dem die einzelnen Bundesländer ihre Wolfsmanagementpläne erstellen können.“ Unter anderem werden Themen wie Herdenschutzmaßnahmen, Vorgehen im Schadensfall, Schadenskompensation und Prävention ausführlich behandelt, denn ein österreichweit einheitliches Vorgehen gibt es bislang nicht. Auch bei der Entschädigung betroffener Landwirte gehen die Bundesländer eigene Wege. Während Wolfsrisse in der Steiermark durch einen Versicherungsschutz abgedeckt sind, hat Kärnten einen eigenen Fonds eingerichtet. In Salzburg sind Entschädigungen durch das Landesbudget abgedeckt. Auch in diesem Punkt wird ein einheitliches Vorgehen angestrebt. Eine Arbeitsgruppe, die sich speziell mit diesem Thema beschäftige, sei bereits erstellt worden, so Blaschka.

Präventiver Herdenschutz

Von der Möglichkeit Nutztiere zu reißen, sind Wölfe zwar nicht abhängig, werden jedoch die Gelegenheit nutzen, wenn sie auf ungeschützte Tiere stoßen. Rund 40 Prozent der Risse passieren auf Heim- oder Talweiden. Ein Bereich, der sich für die Absicherung durch Herdenschutzzäune optimal eigne, so Blaschka. Wesentlich schwieriger gestaltet sich der Schutz auf Almen. „Nicht alle Maßnahmen sind überall möglich“, sagt Blaschka, weshalb es vor jedem Einsatz eine Abklärung lokaler Gegebenheiten brauche. Neben stromführenden Zäunen mit zusätzlichen Litzen und Netzen bilden Herdenhunde und Hirten einen wesentlichen Teil der Schutzmaßnahmen für Weidetiere. In Kooperation mit dem EU-geförderten Projekt „LifeStockProtect“ ermöglicht das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs die Ausbildung von Herdenschutzberatern und erarbeitet Grundlagen und Standards für die Zucht und den Einsatz von Herdenschutzhunden.