Österreich ist Skination Nummer 1 in Cortina

Katharina Liensberger steuert zweimal Gold und einmal Bronze zur österreichischen Medaillen-Bilanz bei. Foto: APA/EXPA/Johann Groder

5 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze waren ein Ergebnis, das man vor Beginn der Weltmeisterschaft nicht erwarten durfte. Seit fünf Tagen ist diese 46. Alpine WM Geschichte und der „Ennstaler“ zieht Bilanz aus verschiedenen Blickwinkeln.
Wie 1956! Toni Sailer machte mit seinen drei Olympia- und vier Weltmeisterschafts-Goldmedaillen eine ganze Nation glücklich und Österreich zum Skisportland Nummer 1. 65 Jahre später hatte das Land wieder allen Grund zum Jubeln.
Das Wetter und die Pisten
Wie man es auch schon von anderen Weltmeisterschaften gewohnt war, spielte das Wetter in den ersten Tagen so gar nicht mit und sorgte dafür, dass das Programm ordentlich durchgewirbelt wurde. Aber als sich Schneefall, Wolken und Nebel verzogen hatten, gab es bis zum letzten Tag nur strahlenden Sonnenschein und beste Verhältnisse auf den Pisten. Die Veranstalter hatten hervorragende Arbeit geleistet.
Stars und Medaillengewinner
Es gab allergrößten Skisport zu sehen, es gab viele Stars bei Damen und Herren und es gab bei den Goldmedaillen-Gewinnern kaum eine Überraschung. „Königin von Cortina“ trifft auf zwei großartige Sportlerinnen zu, nämlich auf Katharina Liensberger und die Schweizerin Lara Gut-Behrami. Beide konnten mit zwei Mal Gold und ein Mal Bronze den italienischen Nobelskiort verlassen. Mikaela Shiffrin konnte zwar ihren Slalomtitel nicht verteidigen, war aber mit vier Medaillen (1-1-2) die fleißigste Medaillensammlerin. Alle USA-Medaillen gehen auf ihr Konto. Die sechste Goldmedaille gewann Corinne Suter in der Abfahrt, dazu eine Silberne im Super-G. Marta Bassino erlöste das Veranstalterland Italien mit der geteilten Goldmedaille im Parallelbewerb. Zwei Mal Silber gab es für die Slowakin Petra Vlhova.
Auch bei den Herren hat Österreich einen „König von Cortina“ – Vincent Kriechmayr schnappte sich bei Abfahrt und Super-G das begehrte Gold. Zählt man den Teambewerb dazu, so hat auch der Norweger Sebastian Foss-Solevaag zwei Mal Gold umhängen ebenso wie Mathieu Faivre. Mit Gold und Bronze konnte sich der Kärntner Marco Schwarz zwei Medaillen sichern. Mathieu Faivre sprang im Riesenslalom für seinen Landsmann Pinturault ein und gewann die Goldmedaille. Silber und Bronze holte sich Alexis Pinturault. Für die größten Überraschungen sorgten mit jeweils Silber der für Deutschland startende Tiroler Romed Baumann und Adrian Pertl am Schlusstag. Loic Meillard putzte mit zwei Bronzemedaillen die Bilanz der Schweiz auf, für Henrik Kristoffersen blieb nur die Bronzemedaille im Slalom.
Die knappsten Entscheidungen
Weltmeister der knappsten Zeitvorsprünge war zweifellos Vincent Kriechmayr. Waren es im Super-G noch 0,07 Sekunden auf Romed Baumann, so „begnügte“ er sich in der Abfahrt mit 0,01 Sekunden vor dem Deutschen Andreas Sander. Um 0,02 Sekunden verfehlte Shiffrin die Goldmedaille im Riesenslalom. 0,04 Sekunden legte Marco Schwarz zwischen sich und den silbernen Alexis Pinturault.
Die Enttäuschungen
Natürlich gab es nicht nur Sieger. Einige Athleten, die mit Medaillenhoffnungen nach Cortina gekommen waren, wurden enttäuscht. Dazu zählen leider auch die Österreicher Matthias Mayer, Max Franz, Manuel Feller und Michael Matt. Die Italienerin Federica Brignone ging ebenfalls leer aus wie ihr Landsmann Dominik Paris. Zwar mit Medaillen getröstet, aber insgeheim doch enttäuscht waren Marco Schwarz im Slalom, Alexis Pinturault durch den Totalausfall im Riesenslalom und wohl auch Henrik Kristoffersen, der „nur“ zu Bronze kam und Tessa Worley mit ebenfalls „nur“ Bronze.
Die Nationenwertung und der ÖSV
Der Sieg ging an Österreich! Fünf Mal Gold, ein Mal Silber und zwei Mal Bronze ergaben die von Präsident Peter Schröcksnadel angepeilten acht Medaillen. Den zweiten Platz belegte die Schweiz (3-1-5) vor Frankreich (2-1-2). Gar nicht gut sah es zunächst für das Gastgeberland Italien aus, ehe Bassino mit Parallel-Gold und Luca de Aliprandini mit Silber im Riesenslalom die ersehnten Medaillen einfuhren. Überraschend stark zeigte sich Deutschland mit zwei Mal Silber und ein Mal Bronze. An die erfolgreichste Weltmeisterschaften aller Zeit kam Österreich trotzdem nicht heran. Das war 1962 in Chamonix (6-4-5), unter anderem mit Karl Schranz. Die zu Beginn der Saison kritisierte Arbeit des ÖSV bzw. der Trainer hat sich zum Höhepunkt des Winters als goldrichtig erwiesen.