Öblarn: Verbauung hat Schlimmeres verhindert

Direkt nach der Öblarner Au entsteht der Feingeschiebefilter. Die Straße (links) wurde bereits hangseitig verlegt, nach Fertigstellung wird sie knapp zwei Meter höher verlaufen. Foto: Ennstaler

Eine lokale Gewitterzelle hat sich letzten Montag über Öblarn entladen. Binnen Minuten bildeten sich Bäche auf Wiesen und die Zubringer füllten sich mit Geschiebe. Die Schäden hielten sich in Grenzen, nicht zuletzt aufgrund der bestehenden Schutzbauten. Seit 2017 arbeitet die Wildbach- und Lawinen verbauung an der Sicherung des Walchentales.

Die Unwetterkatastrophe vor fünf Jahren steckt vielen Öblarnerinnen und Öblarnern noch in Mark und Bein. Das Berghaus des Alpenvereins in der Walchen wurde zum Teil vollständig weggerissen und bei vielen Häusern entlang des Walchenbaches entstand erheblicher Sachschaden. Ein Stark­regen Anfang der Woche rief die Bilder aus 2017 wieder in Erinnerung.

Bäche aus dem Nichts

Am Montagnachmittag, dem 4. Juli, hat sich eine sehr lokale Gewitterzelle unmittelbar über Öblarn entladen. In der intensivsten Viertelsunde waren das in etwa 22 Millimeter, möglicherweise noch mehr. „Es sind Bäche auf Wiesen entstanden, wo normalerweise nicht einmal ein Rinnsal verläuft“, sagt Feuerwehrkommandant Sepp Zörweg. Allein das Oberflächenwasser hat Material mitgerissen und Schäden angerichtet. Die Feuerwehren Öblarn und Niederöblarn waren mit 41 Mann bis Mitternacht mit Aufräumarbeiten im Einsatz.

„An die 30 Kleinschäden sind uns bisher bekannt“, berichtet der Öblarner Bürgermeister Franz Zach. Beim Mitteregger Graben hat ein bestehendes Rückhaltebecken größere Schäden verhindert. „Die Schutzbauten haben sicher ihre Dienste geleistet. Was noch fehlt ist der letzte Sandfilter, denn durch den Ort hat es ordentlich aufgelandet. Nun muss das Bachbett wieder ausgeräumt werden“, so Franz Zach.

Trichter und Flaschenhals

Aufgrund der geographischen Voraussetzungen birgt das Walchental ein besonderes Gefahrenpotenzial. Wie bei einem Trichter sammelt sich auf einer Fläche von 38 km² Wasser, das sich durch das enge Walchental seinen Weg suchen muss.

„Ob Webritzen oder Englitztal, alles muss durch die Schlucht und durch das Ortszentrum“, erklärt Markus Mayerl, Wildbach-Leiter des Gebietes Steiermark-Nord. Das Gestein in dem Gebiet ist Phyllit (Schiefer), das zu Rutschungen neigt, die Steilheit der Hänge erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Murenabgängen.

Noch „jede Menge Material“ vorhanden

Im Laufe der Geschichte war Öblarn schon öfters betroffen von Überschwemmungen. Ein Indiz dafür sind die höher liegenden Straßen. Ältere Häuser, wie das Gasthof Schernthaner oder das Kunst- & Kulturhaus Öblarn, liegen unter dem Niveau der Straße, das angeschwemmte Material ist damals liegengeblieben. Erste Aufzeichnungen einer Wildbachverbauung des Walchenbaches reichen bis in die 1920er-Jahre zurück. In den 1980er-Jahren fanden die letzten Verbauungen statt. „Eine Balkensperre aus den 80er-Jahren hat uns 2017 auch vor Schlimmerem bewahrt“, wie Mayerl erklärt. 29.000 m³ Material sind dort liegengeblieben. Es sei noch „jede Menge Material“ an den Seitenhängen vorhanden. Vor allem bei den Seitenzubringern könne sich jederzeit eine Mure lösen, die den Walchenbach aufstaut und verklaust, was einen Schwall in Richtung Siedlungsgebiet zur Folge hätte. „Eine Mure ist wie eine Lawine mit hoher Dichte, die alles wegräumt, was im Weg ist“, so Mayerl. Die Dichte sei vergleichbar mit der von Beton, ein gemauertes Bauwerk sei kein Hindernis.

Beschleunigte Entscheidung

„Schon 2013 beschlossen wir im Gemeinderat einen Verbauungsantrag zu stellen. Die Projekte waren schon zum Teil ausgearbeitet“, sagt Bürgermeister Franz Zach, „Das Ereignis 2017 hat die Entscheidungsfindung beschleunigt. Nach nur zwei Monaten hatten wir die Genehmigung.“ Seit der Unwetterkatastrophe 2017 arbeitet die Wildbachverbauung am Hochwasserschutz. Insgesamt fließen 12 Millionen Euro in die Verbauung des Walchentales, 19 Prozent davon muss die Gemeinde selbst stemmen. Neben Bund und Land übernehmen auch die ÖBB einen Teil der Kosten.

Schutzkonzept

Das Schutzkonzept der Verbauung sieht vor, eine Filterkette von grob nach fein bis vor das Siedlungsgebiet aufzubauen. Die Durchlässe bzw. Spalten zwischen den Rechenelementen der Anlagen beginnen bei zwei Metern Breite (Murbrecher Mathildenbach), der letzte Feingeschiebefilter bei der Öblarner Au hat einen Rechenabstand von etwa 40 cm und hält auch feines Material zurück. „Die Sperren sind so dimensioniert, dass sie das Material von einem Bemessungsereignis zurückhalten und nur mehr feines Geschiebe und Wasser durch den Ort in die Enns durchgeschwemmt wird“, so Mayerl. „Wichtig ist, dass der Schwall gebremst wird, der sonst im Ort zu Ausuferungen führen kann.“ Danach müssen die Becken wieder ausgeräumt werden.

Murbrecher und Geschiebefilter

Die erste Verbauung war der imposante Murbrecher beim Mathildenbach, dem gefährlichsten Zubringer des Walchenbaches. Bis zur Ortschaft befinden sich zwei Grobgeschiebefilter, ein Becken davon musste bereits zweimal leergeräumt werden. Derzeit im Bau ist der Feingeschiebefilter, welcher sich kurz vor dem Gelände der Öblarner Au befindet. Dort werden Holz und Steine herausgefiltert, bevor die Wassermassen durch den Siedlungsraum abfließen. Heuer soll die linke Hälfte fertiggestellt werden, im kommenden Jahr wird das Bauwerk finalisiert.

Die derzeit unter Erdmassen liegende Kneippanlage wurde konserviert, und soll nach Fertigstellung wieder in Betrieb genommen werden. „Auch das allseits beliebte Aufest könnte nach Fertigstellung der Arbeiten wieder stattfinden“, sagt der Bürgermeister. Damit das Bachbett breiter werden konnte, wurde straßenseitig der Hang angefräst und die Straße verlegt. Zudem wird die Straße im kommenden Jahr um knapp zwei Meter höher verlaufen.

Noch in Planung

Bis zum Ortskern sind noch Verbreiterungen des Bachbetts und Erneuerungen der Ufermauern geplant und vorgesehen. Mit der Vergrößerung des Durchflussquerschnitts und der Erhöhung des Längsgefälles soll der Abschnitt zwischen der Tischlerbrücke und der Fischerbrücke sicherer werden. Nachdem die Gebäude teilweise direkt am Bach stehen und eine Straße unmittelbar daneben verläuft, kann das Bachbett nur verbreitert werden, indem das Wasser in Zukunft teilweise auch unter der Straße verläuft. Eine Engstelle, die es noch zu entschärfen gilt, liegt unmittelbar neben dem Öblarner Hauptplatz. Dazu muss die Trafik versetzt werden und das Ortsbild wird sich dort ändern.

„Wichtig ist, dass wir den notwendigen Abflussquerschnitt zusammenbringen“, sagt Markus Mayerl. In der Detailplanung sind noch kleine Anpassungen möglich. Eine Überlegung sei laut Bürgermeister Franz Zach die Brücke schräg zu drehen und dem Hauptverkehrsstrom anzupassen. Das würde auch die Verbreiterung des Querschnitts erleichtern. Das sei aber weder genehmigt noch beschlossen. „Wir sind bemüht, das Ortsbild mit den Maßnahmen zu verbessern. Das ist uns bisher gelungen, es ist überall schöner geworden“, so Zach. Bis sämtliche Arbeiten abgeschlossen sind, wird es in etwa noch drei bis vier Jahre dauern, schätzt Markus Mayerl.