Neustart beim SV Rottenmann

Aufbruchstimmung beim SV Rottenmann – ein finanzielles und sportliches Konzept soll den Verein wieder in ruhigere Gewässer führen. V.l.n.r.: 2. Vzbgm. Klaus Baumschlager, Jochen Schwammer (Kassaprüfer), Horst Kögl Horst, Richard Pichlmayer, Christian Beichtbuchner, Obmann Michael Fölsner, Dragan Micic, Bgm. Günter Gangl, Franz Kleewein (Kassaprüfer), Thomas Steibl. Foto: Gangl

Die Zukunft des SVR hing über mehrere Monate am seidenen Faden. Ein neuer Vorstand und Unterstützung der Gemeinde sollen den Traditionsverein aus der finanziellen Misere führen. Die alte Vereinsführung wird nicht entlastet und haftet für einen Teil der Schulden. Im Herbst 2025 startet der Verein in der untersten Spielklasse mit einer Kampfmannschaft.

Gerüchte über Turbulenzen des SV Rottenmanns, welche Anfang des Jahres kursierten, wurden mit 26. Februar Gewissheit. Der Traditionsverein und ehemalige Landesligist meldete während der laufenden Meisterschaft die Kampfmannschaften ab. Der Grund: Finanzielle Unwägbarkeiten. Binnen zwei Jahren manövrierte sich der SVR in eine finanzielle Sackgasse, aus eigener Kraft führte kein Weg mehr heraus. Fast ein halbes Jahr bangte man um den Fußballverein.

Schulden im sechsstelligen Bereich

Auf Druck eines Mitglieds berief die Vereinsführung eine Jahreshauptversammlung für den 22. April ein. Aufgrund nicht bestimmter Kassaprüfer kam es zu keiner Entlastung. Eine kurzfristige, außerordentliche Prüfung musste aufgrund fehlender Unterlagen abgebrochen werden. Schätzungen aller Schulden und Verbindlichkeiten – inklusive der Einlagen eines privaten Financiers – kratzten an der 100.000-Euro-Marke. Trotz einer etwas genaueren Auflistung bei der zweiten Jahreshauptversammlung am 21. Mai konnten die Kassaprüfer die Finanzgebarung nicht lückenlos aufklären – wieder keine Entlastung des Vorstandes.

Stadt springt in die Bresche

Die Vereinsführung präsentierte drei Zukunftsszenarien: Vereinsauflösung, Insolvenz oder der Versuch eines Neustarts mit einem anderen Vorstand. Voraussetzung für Letzteres war eine Sponsorzusage seitens der Stadt Rottenmann bzw. der Städtischen Betriebe. Denn mit Abmeldung der Kampfmannschaften erfüllte der Sportverein nicht mehr die Vereinbarung laut Sponsorvertrag und die regelmäßigen Zahlungen wurden eingefroren. In der Stadtratssitzung fand man einen Konsens, dem Verein zu helfen. „Unter der Voraussetzung, dass der Verein die offenen Angelegenheiten regelt, sodass eine Zukunft realistisch ist und eine Auflösung oder ein Konkurs kein Thema sind“, sagt Bürgermeister Günter Gangl.

Neuer Vorstand soll‘s geradebiegen

Es wurde eine dritte Jahreshauptversammlung am 27. Juni angesetzt. Ein neuerlicher Versuch einer Kassaprüfung konnte auch im dritten Anlauf die Geldflüsse nicht vollständig rekonstruieren. Es kam abermals zu keiner Entlastung der Vereinsführung und der Vorstand wurde neu gewählt. Nun stehen die Vorzeichen auf Neustart und es herrscht Aufbruchstimmung, wie der neue Obmann, Michael Fölsner, gegenüber dem „Ennstaler“ erläutert: „Ich will keine Dreckwäsche mehr waschen. Wir werden auf Hochtouren beginnen zu arbeiten.“ Fölsner führte den Verein bereits über 15 Jahre bis 2022. Er hat sich bereit erklärt, die Vereinsführung befristet für zwei Jahre wieder zu übernehmen. In dieser Zeit möchte er „ein gutes Fundament“ schaffen. Ihm zur Seite stehen Horst Kögl (Obmann-Stv.), Richard Pichlmaier (Kassier), Gerhard Luidold (Kassier-Stv.), Thomas Steibl (Schriftführer) sowie die Beiräte Johann Ehgartner, Peter Gutschlhofer, Christoph Pichlmaier und Manuel Rüscher.

Vorstand haftet

Der Sponsorvertrag wird angepasst und ein Teil des privaten Darlehens in der Höhe von 22.000 Euro muss der alte Vorstand berappen. Dem Vernehmen nach soll der private Geldgeber auf einen beträchtlichen Betrag zugunsten des Vereins verzichten. Sollten weitere finanzielle Altlasten aus der vorangegangenen Ära zutage treten, könnte der alte Vorstand auch dafür zur Verantwortung gezogen werden. Wie die exakte finanzielle Ausgangslage aussieht, kann Fölsner nicht abschätzen. Er rechnet mit einem Minus von rund 35.000 Euro. Die Schulden setzen sich aus offenen Spielerzahlungen der letzten beiden Jahre und einem satten Minus am Konto zusammen. Dazu kommen noch die Strafe seitens des Steirischen Fußballverbandes für die Abmeldung während der laufenden Meisterschaft und Strafzahlungen bei anderen Fußballvereinen für die nicht angetretenen Spiele.

Kader selbst schmieden

Anders als bisher, soll der Fokus auf Jugend und Eigenbauspieler liegen, wie Michael Fölsner sagt. Immerhin trainieren um die 80 Kinder und Jugendliche beim SVR. Das Ziel ist mittels Nachwuchs- und regionalen Spielern einen Kader aufzustellen und im Herbst 2025 in der 1. Klasse Enns wieder mit einer Kampfmannschaft zu starten. Teuer eingekaufte Spieler würden sich im Budget niederschlagen und gleichzeitig weniger Zuseher ins Stadion locken. Diesen Teufelskreis möchte Fölsner durchbrechen und hofft: „Vielleicht ziehen da einige Vereine im Bezirk mit.“ Treten keine weiteren unüberwindbaren Hindernisse mehr auf, kann der Traditionsverein SV Rottenmann in fünf Jahren sein 100-jähriges Jubiläum feiern.

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