Neues Bio-Institut seiner Bestimmung übergeben

In nur 14 Monaten Bauzeit wurde das neue Bio-Institut in Trautenfels errichtet. Kernelement ist Holz, am Dach findet sich außerdem eine 30-kWp-Photovoltaikanlage. Foto: HBLFA Raumberg-Gumpenstein/Michael Kogler

Das neue Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein wurde vor wenigen Tagen feierlich eröffnet. Johann Gasteiner, interimistischer Direktor und Leiter der Forschung, konnte neben Bundesministerin Elisabeth Köstinger und Landesrat Johann Seitinger zahlreiche Ehrengäste aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Politik begrüßen.

Das Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein bearbeitet an drei Standorten Fragen zur biologischen Grünland- und Viehwirtschaft, zur Tiergesundheit, zum Bio-Ackerbau, zur Biodiversität der Nutztiere sowie zu rechtlichen Belangen in der biologischen Landwirtschaft. Der Hauptsitz ist am „Moarhof“ in Trautenfels. 2005 wurde das Bio-Institut gegründet. Da das Verwaltergebäude bereits baufällig war, dienten Container als Bürogebäude. 2019 konnte dann das alte Verwaltergebäude abgebrochen und die Entscheidung getroffen werden, das Bio-Institut neu zu errichten. Rund 3,5 Millionen Euro wurden in den Neubau investiert. Unter den zahlreichen Ehrengästen fanden sich auch Architekt Karl Brodl, der bereits den Internatstrakt der Schule plante, und Alfred Waschl von buildingSMART Austria. Sie erklärten die Architektur, Funktion und Nutzung des Neubaus. Auf einer Grundfläche von 500 Quadratmetern wurde in einer 14-monatigen Bauzeit ein zweigeschoßiger Bau mit Räumlichkeiten für Büros, ein Seminarraum, Umkleide- und Aufenthaltsräume für Schüler im Praxisunterricht und für Personal sowie alle erforderlichen Nebenräume errichtet. Vor allem auf Nachhaltigkeit wurde viel Wert gelegt: So dominiert der nachwachsende Rohstoff Holz im Innenbereich sowie bei der Außenfassade. Das gesamte Gebäude ist mit Ausnahme der erdberührten Räume in konstruktiver Holzbauweise ausgeführt, wobei auch sehr moderne Architekturelemente wie ein Steildach eingesetzt wurden. Das Institut wurde im Klimaaktiv-Goldstandard errichtet und die südseitigen Fenster und Paneele sind als Photovoltaikelemente ausgeführt. Bei der Errichtung des Gebäudes konnte – erstmals im Bundesbereich und in der Region – vollständig auf Digitalisierung gesetzt werden. Zum Einsatz kamen, von der Planung bis zur Fertigstellung, so genannte BIM-Kriterien (Building Information Modeling). Dabei wird in jeder Projektphase mit einem „digitalen Zwilling“ gearbeitet.

Gerüstet für die Zukunft

„Landwirtschaft steht in einem ständigen Wandel und dies erfordert auch, dass es eine qualitätsvolle Ausbildung für diese jungen Menschen hier gibt, die mit dem Wandel auch umgehen können“, so Landesrat Johann Seitinger in seiner Festansprache. Bundesministerin Elisabeth Köstinger, welche selbst ihre Wurzeln in der biologischen  Landwirtschaft hat, machte sich bereits während der Bauphase ein Bild des neuen Institutes. Sie betonte am Eröffnungstag die breite Vielfalt und großen Möglichkeiten in  der österreichischen Landwirtschaft. „Wir werden es nie schaffen über Quantität am Markt mitzuhalten, aber über Qualität und über die Weiterentwicklung der Landwirtschaft“, so die Bundesministerin. Österreich habe in der EU den größten Anteil an jungen Landwirten. Erstmals konnte auch der Bio-Absatz in Österreich die magische Hürde von zehn Prozent erreichen. Auf der anderen Seite stagnieren jedoch die Einkommen in der biologischen Landwirtschaft. „Wir sind Bio-Europameister und das wollen wir  auch bleiben. Daher erarbeiten wir die Zukunftsstrategie Bio-Landwirtschaft 2030.“ Um am Markt bestehen zu können, gilt es mit Interessensverbänden, Forschungsinstituten und Bauern eine gemeinsame Strategie für die biologische Landwirtschaft zu entwickeln. „Mit unserer Forschungseinrichtung in Raumberg-Gumpenstein werden wir die Bio-Landwirtschaft in Österreich in eine sichere Zukunft führen. Wir werden gemeinsam die Bio-Erfolgsgeschichte in Österreich weiterschreiben“, gratulierte sie zum Neubau. Die Segnung des Gebäudes nahmen die Pfarrherren Michael Unger und Meinhard Beermann vor. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Schülern der Raumberger Musikkapelle.

Wissenschaft und Forschung

Insgesamt werden von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein derzeit rund 200 Hektar, davon 35 Hektar Versuchsparzellen, für die Abwicklung von Forschungsprojekten bearbeitet. Zur Berücksichtigung der unterschiedlichen Boden- und Klimaverhältnisse innerhalb des Bundesgebietes verfügt die Bildungseinrichtung über ständige Außenstellen in Wels-Thalheim, Lambach/Stadl-Paura und Piber. Zur Durchführung der viehwirtschaftlichen Versuche umfasst der Tierbestand durchschnittlich 250 Rinder, 330 Schafe und Ziegen und 250 Schweine. Im gesamten Forschungsbetrieb sind rund 300 Personen beschäftigt, mehr als 50 davon in Schlüsselpositionen als Forscher und Techniker. Im Bereich Wissenschaft und Forschung werden aktuell 108 Forschungsprojekte und weitere wissenschaftliche Tätigkeiten bearbeitet und über die Forschungsdokumentation aufgezeichnet.