Neue Wege in der Gesundheitsversorgung

Wolfram Sacherer (Siedlungsgenossenschaft Ennstal), Ernst Fartek (KAGes), Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß, Gerhard Stark (KAGes), Landeshauptm.-Stv. Anton Lang, Kinderärztin Anna Trinkl, Bgm. Roswitha Glashüttner und Josef Harb, ÖGK (von links), vor der „Kindergesundheit Liezen“.  Foto: Martin Huber

Da kein niedergelassener Kinderarzt für Liezen gefunden werden konnte, entstand aus der Not heraus ein Vorzeigeprojekt: Die „Kindergesundheit Liezen“ ist eine Außenstelle des Landeskrankenhauses Leoben und empfängt ihre ersten Patienten am 1. Juli.

Zur Einweihungsfeier der „Kindergesundheit Liezen“ am vergangenen Montag fand ein wahrer Schaulauf hochrangiger Vertreter des Gesundheitswesens in Liezen statt. Kein Wunder, denn die neue pädiatrische Einrichtung hat das Potenzial zu einem Best-Practice-Beispiel zu werden, waren sich Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß, der Vorsitzende des Landesstellenausschusses der ÖGK, Josef Harb, und Gerhard Stark, Vorstandsvorsitzender der KAGes, einig. Dabei sah die Zukunft der kinderärztlichen Versorgung des Bezirks Liezen noch vor Kurzem alles andere als rosig aus. Ein kurzer Rückblick: Der langjährige Kinderarzt Johann Stebbegg ging mit Jahreswechsel 2020 auf 2021 in Pension. Seine Praxis blieb unbesetzt, denn eine Nachfolge gab es nicht. Alle Ausschreibungen der zu besetzenden Kassenstelle waren erfolglos geblieben. Auch die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt Christian Mossier, der in Gröbming niedergelassene Kinderarzt, nicht mehr im vollen Umfang zur Verfügung stand, verschlechterte die Situation zunehmend. Obwohl im Hintergrund bereits an einer Alternative gearbeitet wurde, war von einer raschen Lösung des Problems nicht auszugehen, weshalb Hans Stebbegg schon nach zwei Monaten aus seiner Pension zurückkehrte und seine Praxis am Fronleichnamsweg wieder in Betrieb nahm. Erst über ein Jahr später konnte Liezens langjähriger Kinderarzt nun endgültig seinen beruflichen Ruhestand antreten, denn die Eröffnung einer kinderärztlichen Versorgungseinrichtung ist in greifbare Nähe gerückt. Schon am 1. Juli wird die „Kindergesundheit Liezen“ ihre ersten Patienten empfangen. Das Besondere der neuen Einrichtung: Sie wird als pädiatrische Außenstelle der Kinderabteilung des Landeskrankenhauses Leoben geführt.

Neue Ressourcen schaffen

„Es ist ein großer und bedeutender Moment – die Kindergesundheit Liezen ist nun endlich Wirklichkeit geworden“, zeigte sich Liezens Bürgermeisterin Roswitha Glashüttner bei ihrer Ansprache zur Einweihungsfeier der neuen Einrichtung bewegt. Nicht nur sie selbst, sondern auch der Finanzstadtrat und einstige Vizebürgermeister Stefan Wasmer habe viele Anstrengungen unternommen, um die kinderärztliche Versorgung in der Stadt Liezen und damit im ganzen Bezirk abzusichern, betonte Glashüttner. Bemühungen, die für den stellvertretenden Landeshauptmann Anton Lang nicht „selbstverständlich und leicht“ waren, wie er sagt, denn „aufgrund der Pandemie haben sich die Budgets der Gemeinden verschlechtert“ und trotzdem habe man in Liezen auf eine kinderärztliche Einrichtung bestanden. Die Größe des Einzugsgebiet von rund 80.000 Menschen untermauert diese Entscheidung. Bis zur Eröffnung am 1. Juli war es „eine schwere Geburt, doch nun haben wir ein gesundes Kind“, so Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß, die die Einweihungsfeier zum Anlass nahm, um die Situation im Gesundheitswesen kritisch zu beleuchten: „Wir schaffen es nicht mehr, die freigewordenen Kassenstellen rechtzeitig zu besetzen.“ Was es braucht, sei ein „Attraktivierungssystem“, um junge Ärzte und Ärztinnen anzusprechen, und „innovative Projekte wie dieses“, unterstrich Bogner-Strauß die Notwendigkeit, neue Wege zu beschreiten. Dass Liezen nicht der einzige Bezirk ist, der vor dem Problem steht, Ärzte und Ärztinnen immer schwerer für den ländlichen Raum begeistern zu können, betonte der Vorstandsvorsitzende der KAGes, Gerhard Stark. Daher „müssen wir die Ressourcen innerhalb der Gesundheitsberufe neu denken und Grenzen auflösen.“ Dieser akute Personalmangel habe auch zu dem nun in Liezen erstmals erprobten Modell geführt, so Stark, weshalb „die Kinderabteilung in Leoben mit einer Ordinationsleistung in Liezen verschmilzt.“

Personalmangel auch in Krankenhäusern

Als Leiterin der neuen Außenstelle in Liezen konnte die Medizinerin Anna Trinkl gewonnen werden. Die erfahrene Kinderfachärztin wird mit ihrem Team die „Kindergesundheit Liezen“ jede Woche am Montag, Mittwoch und Freitag besetzen. Dienstags und Donnerstags würde aus personellen Gründen geschlossen bleiben. „Wir haben auch in den Krankenhäusern nicht mehr Unmengen an Personal“, so Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß. Bemühungen seitens des Gesundheitsfonds Steiermark gebe es bereits seit Jahren, Kinderarztausbildungsplätze zu fordern und zu fördern. Umso wichtiger sei es nun, „alternative Versorgungsstrukturen zu schaffen“, betonte auch der Vorsitzende des Landesstellenausschusses, Josef Harb. Zwar würde das Hauptaugenmerk nach wie vor auf niedergelassenen Ärzten liegen, doch dort, wo dies nicht gelinge, können Einrichtungen wie die Kindergesundheit Liezen ein „Best-Practice-Beispiel“ sein, so Harb. Die neue dislozierte Außenstelle des Krankenhauses Leoben erstreckt sich auf 240 m² und wurde im Dumbapark in Liezens Innenstadt einquartiert. Neben Mutter-Kinder-Pass-Untersuchungen wird ein weiterer Schwerpunkt auf Impfungen sowie Impf- und Ernährungsberatung gelegt. Zur ambulanten Grundversorgung wurde die neue Einrichtung mit einem Sofortlabor, einem Ultraschallgerät und einem EKG-Gerät ausgestattet. „Je nach Auslastung kann dieses Angebot noch erweitert werden“, so die leitende Ärztin. Neben der Vorsorge- und Basisversorgung können auch spezielle pädiatrische Probleme, wie chronische Erkrankungen, am neuen Standort in Liezen behandelt werden.

Hohe Auszeichnung verliehen

Liezens langjähriger Kinderarzt Hans Stebbegg ist nun „froh, dass diese Lösung der Nachfolge so gut gelungen ist“, wie er sagt. Für seine Verdienste für die Stadt Liezen und für seine vielen kleinen Patienten, „für die er sein Privatleben hinten angestellt hat“, wie Liezens Bürgermeisterin Roswitha Glashüttner betonte, wurde Hans Stebbegg mit der Goldenen Liezener Medaille geehrt.