Neue Wege im Wolfskonflikt nötig

Albin Blaschka ist Geschäftsführer des Österreichzentrums Bär, Wolf, Luchs. Ein Verein, der bundeslandübergreifend Empfehlungen zu Herdenschutzmaßnahmen, Entschädigungszahlungen und Präventionsmaßnahmen erarbeitet.

Wie in ganz Europa nimmt die Wolfspopulation auch in Österreich zu. In der Steiermark sei das Vorkommen noch äußerst gering und der Zeitpunkt günstig, um mit dem Aufbau von Herdenschutzmaßnahmen zu beginnen, sagt Geschäftsführer Albin Blaschka vom Österreichzentrum Wolf, Bär, Luchs. Ein Pilotprojekt läuft in Gaishorn am See.
Ein bis vier Wölfe haben von April bis Juni die Steiermark durchstreift. „Bei den Tieren handelt es sich sehr wahrscheinlich um jüngere Tiere, die ihre Eltern verlassen haben, um sich auf die Suche nach einem neuen Territorium zu begeben“, sagt Albin Blaschka, der besonders die Durchreise der Tiere betont: „Aufgrund der geographischen Lage ist Österreich nicht nur eine Drehscheibe für den Verkehr, sondern auch für Tiere auf Wanderschaft. Steiermarkweit gibt es derzeit keinen einzigen Hinweis, der auf das Ansiedeln eines Rudels schließen lässt.“ Auch der milde, schneearme Winter könnte die Wanderbewegung der Tiere begünstigt haben, die allerdings nicht folgenlos blieb: In den letzten Monaten haben mehrmals Wölfe Nutzvieh gerissen, betroffen war auch der Bezirk Liezen. Nun fürchten Almbauern um ihre Existenz und der Steirische Agrar- und Umweltclub fordert den generell erlaubten Abschuss. Für das Österreichzentrum Wolf, Bär, Luchs, das bundeslandübergreifend agiert, liegt die Lösung im Aufbau von Präventionsmaßnahmen zum Herdenschutz. Eine mögliche Vorbildrolle im Zusammenleben mit dem Wolf liefert die Schweiz, wo derzeit acht Rudel leben. In Österreich sind es lediglich drei, zwei davon im Grenzgebiet zu Tschechien. „Natürlich treten auch in der Schweiz Probleme auf, doch man versucht, sich zu arrangieren. Denn der Wille, in einer Koexistenz mit dem Wolf zu leben, ist dort eher gegeben“, sagt Blaschka, der ein möglichst konfliktfreies Miteinander nach Schweizer Vorbild auch in Österreich erreichen möchte. Wichtiger Punkt: Die Einführung eines bedarfsorientierten Förderwesens, denn der Herdenschutz verursacht hohe Kosten.
Schutzzäune: Standard-Modelle reichen aus
Ein Teil der Präventionsmaßnahmen bilden sogenannte Herdenschutzzäune. Laut Blaschka würden im Bezirk Liezen Standardmodelle mit vier stromführenden Litzen ausreichen. In Tirol, Salzburg und Vorarlberg werden diese Herdenschutzmaßnahmen bereits gefördert. In der Steiermark bislang noch nicht. Ennstal-Lamm-Obmann Walter Schmiedhofer sieht das Problem jedoch nicht nur in den Kosten, sondern auch im Aufwand: „90 Prozent der Schafe weiden auf Hochalmen. Dieses Gelände ist teils extrem steil und mit Fahrzeugen nicht zu erreichen, was es sehr schwierig macht, dort Zäune aufzustellen und dann auch noch zu warten.“ Große Herausforderungen für die Landwirtschaft sieht auch der Geschäftsführer des Österreichzentrums Wolf, Bär, Luchs: „Für die kleinstrukturierte Landwirtschaft im Bezirk sind Risse wie bisher nicht vernachlässigbar. Viele Nebenerwerbsbauern halten nicht mehr als 20 Schafe, da reden wir schon von signifikanten Einschnitten“, so Blaschka, der jedoch betont: „Fast alle Wolfsrisse haben sich nicht auf Almen, sondern auf Weiden im Tal bzw. in Talnähe ereignet. In diesen Gebieten ist der Herdenschutz wesentlich einfacher umzusetzen.“ Das zeigt auch ein Pilotprojekt in Gaishorn am See. Hier wurde bereits eine Heimweide mit einem Herdenschutzzaun ausgestattet.
Hohe Kosten und Personalmangel
Ein geeigneter Zaun sei jedoch nur der Anfang eines funktionierenden Herdenschutzes, sagt Blaschka: „Leider wird Herdenschutz oft nur auf Zäune herabgebrochen. Diese Maßnahme macht allerdings nur dann Sinn, wenn weitere Bewirtschaftungsmaßnahmen getroffen werden. Dazu könnten auch Hirten gehören.“ Den Aufbau eines Hirtenwesens sieht der Geschäftsführer des Österreichszentrums Bär, Wolf, Luchs jedoch nur als realistisch, wenn auch die Personalkosten von der öffentlichen Hand gefördert werden. Ennstal-Lamm-Obmann Walter Schmiedhofer gibt auch Probleme in der Stellenbesetzung zu bedenken: „In Österreich gibt es keine ausgebildeten Hirten. Das war bislang auch nicht nötig.“ Blaschkas Lösungsansatz liegt im Schweizer Modell: „Dort gibt es ein eigenes Ausbildungsmodell, das in ähnlicher Form auch in Österreich eingeführt werden könnte.“
Sind Wanderer gefährdet?
Die Interessen von Landwirtschaft, Tourismus und Tierschutz unter einen Hut zu bringen, sei keine leichte Aufgabe, zeigt sich Walter Schmiedhofer besorgt: „Wenn wir viele Zäune aufstellen müssen, wird auch der Tourismus sehr eingeschränkt. Doch gerade vom Tourismus lebt schließlich unsere ganze Region“, so der Enns­tal-Lamm-Obmann. Auch wenn manche Wanderwege von Absperrungen durch Schutzzäune betroffen sein könnten, Wanderer selbst müssten keine Angst vor Wolfsangriffen befürchten, so Blaschka: „Die Wahrscheinlichkeit, auf einen Wolf zu treffen, ist äußerst gering. Es sind sehr scheue Tiere. Die Gefahr eines Angriffs durch ein Wildschwein ist wesentlich höher.“
Bauernsterben: Mehrere Faktoren ausschlaggebend
Für Ennstal-Lamm-Obmann Schmiedhofer ist die Wolfsproblematik nicht das Hauptproblem der Landwirte, sondern vielmehr der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: „Österreichweit schließen 20 bäuerliche Betriebe pro Tag. Darunter auch Schafbauern. Nur wegen dem Wolf geben die Landwirte zwar nicht auf, doch wenn mehrere Faktoren zusammenspielen, ist ein Weitermachen oft nicht mehr möglich“, räumt Walter Schmiedhofer ein: „Die Bauern hoffen auf das Umdenken, bevorzugt heimische Produkte zu kaufen. Letztendlich entscheidet der Konsument. Doch wenn immer mehr zu Billigprodukten aus dem Ausland gegriffen wird, ist der heimische Landwirt bedroht. Das Ganze zieht weite Kreise, denn werden die Almen nicht mehr bewirtschaftet, wird es auch Einbrüche im Tourismus geben“, gibt der Obmann zu bedenken.