Neue Führung für neues Gesäuse

Mit der Umstrukturierung des Tourismusverbands muss sich die neue Erlebnisregion Gesäuse sowohl um einen neuen Obmann als auch um einen neuen Geschäftsführer umsehen. Foto: Stefan Leitner

Gesäuse-Obmann Günter Planitzer hat nun offiziell bekannt   gegeben, dass er der neuen Erlebnisregion Gesäuse in dieser

Funktion nicht mehr zur Verfügung stehe. Von Insidern wird Liezens Tourismus   -Obmann Fritz Kaltenbrunner als möglicher Nachfolger ins Spiel gebracht.

Die Strukturreform im steirischen Tourismus macht aus derzeit 96 Tourismusverbänden und 9 Regionalverbänden 11 große Erlebnisregionen. Eine davon nennt sich Gesäuse. Eine Region, die sich vor allem in den vergangenen Jahren als beliebtes Urlaubsziel etablieren konnte. Von 2014 bis 2019 wurde allein in Admont ein Nächtigungszuwachs von 48 Prozent erzielt. Außerhalb von Österreich ist das Gesäuse besonders bei deutschen, tschechischen, niederländischen und polnischen Urlaubern beliebt. In der Region angekommen gilt jedoch für alle das Gleiche: Wer es auf den Berg schaffen will, muss schwitzen. Statt auf Seilbahnen setzt man im Gesäuse auf gepflegte Wanderwege und gut erhaltene Natur. Das soll auch in Zukunft so bleiben, sagt Gesäuse-Obmann Günter Planitzer: „Den Aufschwung in unserer Region wird die nächste Generation weitertragen können, ganz ohne Investition in einen Skilift. Wir haben eine intakte Natur, die wir schützen müssen und können den Tourismus so leiten, dass er das Überleben der Einheimischen sichert und unsere Jugend nicht abwandern muss. Wir brauchen kein Plus an 500.000 Nächtigungen, sondern können so bleiben wie wir sind. Eine Region, in der man wunderschöne und ruhige Plätze in der Natur findet.“

Möglicher Nachfolger
aus Liezen

So selbstbewusst wie sich das Gesäuse heute präsentiert, war es nicht immer. Vor acht Jahren hat Planitzer die Tourismusregion in schwierigen Zeiten übernommen. „Die wirtschaftlicher Situation war sehr angespannt. Doch es ist gelungen, alle Player an einem Tisch zu versammeln und gemeinsam an einem Strang zu ziehen“, so Planitzer. Mit vereinten Kräften hat sich das Gesäuse einen Namen gemacht und einen hohen Bekanntheitsgrad erzielt. Ein Erfolg, der nicht unbemerkt blieb: Ab 1. Oktober wird das Gesäuse neben den Verbänden Ausseerland-Salzkammergut und Schladming-Dachstein eine der drei großen Erlebnisregionen im Bezirk Liezen bilden. Ein guter Zeitpunkt, um zu gehen, sagt Planitzer: „Das letzte, das eine aufstrebende Region braucht, sind Sesselkleber. Eine Funktion wie diese muss man abgeben, solange sie gerne übernommen wird. Nicht erst dann, wenn sie keiner mehr haben will.“ Wer nach Planitzer der neuen Region Gesäuse vorstehen wird, hat die ebenso neue Tourismuskommission im Herbst durch einen demokratischen Prozess zu entscheiden. Schon jetzt habe sich eine Liste rund um den Liezener Unternehmer Fritz Kaltenbrunner formiert, heißt es aus Insiderkreisen. Kaltenbrunner bestätigt: „Ich bin gefragt worden, ob ich mir vorstellen kann, dieses Amt zu übernehmen“, sagt der geschäftsführende Eigentümer der MGI-Steuerberater Liezen-Ennstal. Seit 15 Jahren steht Kaltenbrunner dem Tourismusverband Liezen vor, „ein Ehrenamt, für das man die zeitlichen Ressourcen zur Verfügung stellen muss“, so Kaltenbrunner. Ob er sich nach Liezen für die Großregion Gesäuse als Obmann engagieren will, will er weder bestätigen noch dementieren: „Wenn das die gesamte Kommission will, dann werde ich mir das im Detail anschauen. Fixiert und definiert ist nichts“, sagt Kaltenbrunner.

Eine neue Handschrift tut gut

Neben der Funktion des Obmanns wird auch die Stelle des Geschäftsführers neu besetzt werden müssen. Schon im März hat Gesäuse-Chef David Osebik bekannt gegeben, dass er sich neuen beruflichen Herausforderungen widmen werde. Sechs Jahre lang war Osebik Geschäftsführer des Tourismusverbands Gesäuse. Eine Zeit, in der er die Tourismusregion durch einen gelungenen Markenrelaunch erfolgreich aufgebaut hat. Die Zukunft des Gesäuses sieht er positiv: „Nach Corona werden wir sicher wieder das Ergebnis von 2019 erreichen, bislang der Höchststand für unsere Region. Es ist wichtig, kontinuierlich weiterzuarbeiten. Dabei tut die Handschrift eines neuen Obmanns bzw. eines neuen Geschäftsführers sicher gut“, sagt Osebik, der das Gesäuse so lange unterstützen will, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden sei, wie er betont. Neben dem Paltental wird auch Liezen zur neuen Erlebnisregion stoßen. Dem Spagat zwischen Handelsstadt und Nationalpark sieht man bislang gelassen entgegen: „Touristisch wird die gesamte Region unter der Dachmarke Gesäuse beworben, ohne dass die Eigenheiten der einzelnen Regionen verloren gehen“, sagt Osebik. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf dem Freizeitmarketing für die regionale Bevölkerung: „Eine eigene Plattform wird jeden Verein berücksichtigen und über Veranstaltungen und Aktivitäten informieren“, so Osebik, der eine große Stärke der Gesäuse-Vermarktung in der digitalen Kompetenz sieht: „Auf diesem Gebiet zählen wir zu den führenden Destinationen Österreichs. Darauf sind wir schon stolz.“ Ganz oben auf der To-do-Liste steht „die physische Sichtbarmachung der neuen Erlebnisregion durch Leitsysteme wie Beschilderungen. Dabei werden wir das Gesäuse in Teilräume wie Paltental, Liezen, Gesäuse und Eisenwurzen aufteilen und nicht die einzelnen Gemeinden, sondern die Landschaftszonen betonen“, sagt Osebik, der auf einen Teilraum hinweist, der sich in den letzten Jahren touristisch besonders etabliert hat: „Die Eisenwurzen ist am aufsteigenden Ast und hat in den letzten fünf Jahren ein Plus von ganzen zwanzig Prozent an Bettenkapazität erzielt.“