Nächtigungszuwachs im Gesäuse

Wildes Wasser und steiler Fels: so präsentiert sich das Gesäuse seinen Gästen. Foto: Stefan Leitner

Das Interesse, einen Urlaub im Gesäuse zu verbringen, steigt. Von 2014 bis 2019 konnte die Region allein in Admont einen Nächtigungszuwachs von 48 Prozent erzielen. Nun ist man um eine Verkehrsberuhigung bemüht. Erste Gespräche mit politischen Vertretern sind bereits am Laufen.
„Wandern ist jung und weiblich“, weiß David Osebik, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Gesäuse. Ein Urlaub im Nationalpark ist somit vor allem bei Frauen beliebt. Und die kommen meist nicht allein, sondern nehmen den Partner, Freunde, oder gleich die ganze Familie mit. „Frauen sind qualitätsbewusst und legen Wert auf das Nationalpark-Siegel“, sagt Osebik. Das trifft auf Frauen vieler europäischer Länder zu. Außerhalb von Österreich ist das Gesäuse besonders bei deutschen, tschechischen, niederländischen und polnischen Urlaubern beliebt. In der Region angekommen, gilt jedoch für alle das Gleiche: Wer es auf den Berg schaffen will, muss schwitzen. Statt auf Seilbahnen setzt man im Gesäuse auf gepflegte Wanderwege und gut erhaltene Natur. „Gerade die junge Bevölkerung, die hoch digitalisiert ist, sehnt sich nach Stille und Beständigkeit. Und diese Unverrückbarkeit der Natur findet man im Nationalpark vor.“ Wie groß diese Sehnsucht ist, zeigt sich auch auf sozialen Plattformen: „Die Wörter Ehrfurcht und Demut werden oft in Verbindung mit Gesäuse-Bildern gepostet“, so der Tourismus-Chef.
Hohe Erwartungen an den Herbst
Gerade im Corona-Jahr ist ein Nationalpark-Aufenthalt besonders beliebt. „Die Monate nach dem Lockdown waren wesentlich stärker als sonst“, zieht Osebik Bilanz. Im Herbst erwartet man sich sogar einen Nächtigungszuwachs im zweistelligen Prozentbereich. Ein neuerlicher touristischer Aufschwung, der bislang jedoch nicht ganz ohne Probleme verläuft: „Im Corona-Jahr ist alles anders. Nach der langen Zeit zu Hause wollten die Leute unbedingt raus und haben auf Biegen und Brechen ihre Spielwiesen gesucht“, so der Geschäftsführer des Tourismusverbandes. Das Ergebnis dieser Aufbruchsstimmung: Unzählige Bergrettungseinsätze, die in den vergangenen Wochen im Gesäuse absolviert werden mussten. Ein besonders spektakulärer Rettungseinsatz fand auf der Salza statt, als Touristen das Wildwasser auf eigene Faust mit dem Boot erkunden wollten. Trotz dieser Schwierigkeiten bot das Corona-Jahr die Chance, neue Zielgruppen ins Gesäuse zu holen, was durchaus gelungen ist: „Wenn nur ein einstelliger Prozentsatz dieser Urlauber im nächsten Jahr wiederkommt, können wir eine äußerst erfolgreiche Sommersaison verzeichnen“, freut sich Osebik.
Echte Verkehrslösungen müssen her
Im Gesäuse geht es also bergauf. Sowohl was den steilen Fels als auch den Wachstum im Tourismus betrifft. „Regionen, die noch so unverfälscht wie das Gesäuse sind, gibt es nur mehr selten“, nennt Osebik den Hauptentscheidungsgrund für einen Gesäuse-Urlaub. Hier findet man eine Naturidylle vor, die es unbedingt zu schützen gilt. Schließlich werden immer mehr Stimmen laut, die eine Verkehrsberuhigung im Gesäuse fordern. Gerade Motorradfahrer, die die Strecke durch den obersteirischen Nationalpark als Rennstrecke missbrauchen, hat man ins Visier genommen. Die Kritik lautet: Zu wenig Kontrollen und keine vernünftige Verkehrsregelung. Neben rasenden Motorradfahrern belastet auch der Schwerverkehr die Region: „Auf der B 320 wurde ein LKW-Fahrverbot umgesetzt. Das hätten wir im Gesäuse auch gebraucht“, kritisiert Osebik, der nun Lösungen fordert: „Wir haben Gespräche mit der Politik aufgenommen und vertreten vehement die Umsetzung intelligenter Verkehrssituationen.“ Auf Landesebene sei man vor allem bei Umweltlandesrätin Ursula Lackner und Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl auf offene Ohren gestoßen.