Mit Zuversicht ins neue Jahr

Wir erleben derzeit besondere Tage. Besonders sind sie nicht, weil wir frei haben, auf Urlaub sind oder uns über Geschenke freuen, sondern weil wir ein Ereignis feiern, das unserem Leben einen besonderen Sinn verleiht. Wir feiern Geburtstag! Wir feiern, dass unser Herr Jesus Christus geboren und in diese, unsere Welt gekommen ist. ER blieb nicht „außen vor“, sondern ER wurde einer von uns. Und Gott sei Dank wissen wir um das Besondere, das damit verbunden ist. Wenn wir in unsere vielleicht kleine und bisweilen betrübliche Welt des Alltags blicken: ER ist für uns da und gibt uns Zuversicht und Hoffnung, dass es gut wird.
Als gut habe ich meine letzte Visitation im Ennstal erlebt. Wenn jemand zu Besuch kommt, dann wird meist alles schön hergerichtet und dem Gast wird die Möglichkeit geboten, sich möglichst viel anzuschauen von dem, womit man selbst Freude hat. Mit wurde an den Tagen im Seelsorgeraum „Oberes Ennstal“ in den Pfarren St. Martin, Öblarn, Gröbming, Großsölk, Kleinsölk, St. Nikolai, Assach, Haus, ­Schladming, Kulm/Ramsau und Pichl viel geschenkt – in Schulen und Kindergärten, im Krankenhaus der Diakonissen, bei Begegnungen mit den Bürgermeistern und Verantwortlichen im Tourismus, mit Pfarrgemeinderäten im Seelsorgeraum, beim gemeinsamen Mahl mit Bestattern und in der Liturgie Tätigen oder beim Abendessen mit den Religionslehrern bzw. Schuldirektoren, bei spontanen Besuchen von Bekannten, im Kennenlernen einer Lodenwerkstatt, im gemeinsamen Gespräch und Austausch mit den in der Seelsorge angestellten Priestern und Laien, bei Messfeiern und beim ökumenischen Gottesdienst genauso wie beim Eisessen mit dem PIKI-Chor.
Die „Bischöfliche Visitation“ ist einer der bedeutsamsten Dienste eines Bischofs in seiner Diözese. Im Vordergrund stehen der Besuch und der Austausch über Freude und Leid, Sorgen und Hoffnungen, damit der Besucher aus seiner Außenwahrnehmung die Situation vor Ort verstehen, ein „Feedback“ geben und helfen kann. Ich habe im Ennstal vieles wahrgenommen, einiges sei hier aufgezählt:
❆ Heimatverbundenheit und dennoch Versuche, sich ins größere Ganze einzubringen.
❆ Die große Welt mit ihren Sorgen spiegelt sich auch hier: Am Dachstein und an der Entwicklung des Gletschers werden so manche Fragestellungen rund um den Klimawandel deutlich.
❆ Das Engagement vieler, damit auch weiterhin das Leben im Evangelium wichtig bleibt im Oberen Ennstal mit seinen entlegenen Ortschaften und dem großen Interesse, dort eine christliche Gemeinschaft zu leben – so wie es schon seit Jahrhunderten der Fall ist.
❆ Ein guter Teil der in der Steiermark lebenden evangelischen Schwestern und Brüder wohnt im Oberen Ennstal: damit bekommt Seelsorge einen ganz besonderen „Geschmack“ im Rahmen eines ökumenischen Dialogs.
❆ In feiner Erinnerung bleibt mir ein in vielerlei Hinsicht von Gott reich beschenkter, schöner Landstrich, der vor der Herausforderung steht, in Zukunft mehr Solidarität zu leben – in den Pfarren, in den Gemeinden, in der Gesellschaft. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, also liebe auch die Pfarre deines Nächsten, auch diejenigen Menschen, die hierherkommen, tage- oder wochenlang, aber auch auf Dauer.
Die globale und regionale Situation mag uns herausfordernd erscheinen und Sorgen zu haben, ist verständlich. Wir Christen verfügen über einen hohen Wert – die Zuversicht. Wir wissen nicht, was uns nächstes Jahr erwarten wird. Wir wissen nicht einmal um den nächsten Augenblick in unserem Leben. Aber wir wissen eines: ER ist da und hört uns zu. Dieser unser Gott kommt uns im Heute und in Zukunft und Allezeit helfend entgegen.
Gehen wir mit dieser Zuversicht ins neue Jahr 2020.
Gott behüte und segne Sie und die ihnen Nahestehenden. Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und viel Kraft für ein gutes Jahr 2020!

Wilhelm Krautwaschl
Diözesanbischof