Mister Nightrace nimmt den Hut

Nach 25 Jahren als Nightrace-OK-Chef und 37 Jahren als Obmann des WSV Schladming geht
eine Ära zu Ende. Hans Grogl verabschiedet sich mit dem Jubiläumsrennen von der Spitze.

Der 69-jährige Hans Grogl steht dem WSV Schladming seit 1985 vor und ist von Beginn an OK-Chef des Nachtslaloms. Den Grundstein für das Nightrace legte er mit seiner Unterschrift gemeinsam mit dem damaligen ÖSV Präsidenten Peter Schröcksnadel am 26. Jänner 1995 in Innsbruck. Der erste Nachtslalom fand exakt zwei Jahre später, am 30. Jänner 1997, statt. Peter Schröcksnadel übergab im Vorjahr das Zepter, Hans Grogl beschließt nach 25 Jahren Night- race seine Karriere als OK-Chef und WSV Obmann. Schon der erste Nachtslalom war gezeichnet von großen Emotionen und mit 27.000 Skifans bot Schladming bereits eine besondere Kulisse. Als Sieger ging damals Alberto Tomba hervor, was ihm auch beim zweiten Nachtslalom gelang. Schon im Jahr darauf schaffte es erstmals ein Österreicher auf das Siegespodest. Benni Raich kämpfte sich vom 33. Rang auf Platz 1 und es sollte nicht bei seinem letzten Sieg in Schladming bleiben. Nach wenigen Jahren lag die Besucherzahl des Schladminger Nachtslaloms bei 50.000 Skibegeisterten. Im Vergleich dazu glich der berüchtigte Hexenkessel im Vorjahr einer Geisterstadt. Erstmals ohne Zuseher. Und auch heuer hielt sich die Stimmung mit beschaulichen 1000 Fans sehr in Grenzen. Nichtsdestotrotz verfolgten österreichweit an die 2 Millionen Zuseher das Rennen vor dem Fernsehschirmen, weltweit dürften es an die hundert Millionen Zuseher sein. Hans Grogl hat zweifelsohne Skigeschichte geschrieben. „Der Ennstaler“ bat ihn zum Interview.

 

Wie blicken Sie dem
25. Nightrace entgegen?

Ich blicke dem Rennen immer positiv entgegen. Zwischendurch hab ich nicht gedacht, dass man das wieder toppen kann, aber jedes einzelne Nightrace war ein Highlight. Wenngleich etwas Wehmut mitschwingt, weil wir das heurige Rennen nur vor 1000 Zusehern durchführen konnten. Ich hätte eigentlich auf wenigstens 20.000 Zuseher gehofft. Mit tut’s für die Akteure, die besten Rennläufer der Welt und auch unsere Mitarbeiter, leid. Die hätten sich die einzigartige Kulisse verdient. Ein Rennen mit zigtausend Zusehern ist einfach etwas Anderes. Zum Glück gingen tolle Bilder über den Fernseher in die ganze Welt hinaus. Viele Fernsehstationen übernahmen das Signal des ORF und es haben an die 100 Millionen Menschen an den Schirmen mitgefiebert. Da gab es schon im Vorjahr sehr viel positives Echo.

 

Was ist das Erfolgsrezept des Schladminger Nightrace?

Es ist schon beachtlich, dass wir an einem Dienstagabend die höchsten Zuseherzahlen eines Slalom-Weltcup-Rennens zählen. Das Salz in der Suppe waren die Zuseher, die Fans, denn die haben die Läufer heruntergetragen. Selbst bei strömendem Regen oder minus 18 Grad, die Fans bis zum Schluss geblieben. Wir haben das richtig verbunden zwischen dem sportlichen Event sowie der Weltcupmeile und der Abendveranstaltung. Im Laufe der Jahre haben wir eine Eventmarke etabliert. Es hat einfach alles zusammegepasst: Videowände, Bands in der Stadt und weltbeste Slalomfahrer. Dazu kommt, dass sich das Ziel mitten im Ort befindet. Das ist sicherlich eine außerordentliche Gegebenheit, denn ich kenne keinen ähnlichen Stadion-Charakter im ganzen Skiweltcup.

 

Was waren die Höhepunkte
der letzten 25 Jahren?

Das fallen mir die Siege vom legendären Alberto Tomba ein, mit seinen Extra-Einlagen. Auch Benni Reich, der gleich viermal gewonnen hat und jedesmal ein fantastisches Fanpublikum mit im Gepäck hatte. Auch Body Miller war eine einzigartige Erscheinung, der vor allem bei den Mädchen sehr gut ankam. Aber auch die berühmte Flitzerin. Durch ihre Follower in den sozialen Medien ist Schladming bis nach Los Angeles bekannt geworden. Marketingmäßig war diese Aktion ein Gewinn. Von einigen hörte ich danach „fliegt die Flitzerin wieder ein“, aber die ist von selber gekommen. Für uns war das genauso eine Überraschung wie für alle anderen auch.

 

Wie geht es nach dem
25. Nightrace weiter?

Wir haben ein junges, motiviertes Team, das fähig ist das gut weiterzuführen. Wer sich da als Nachfolger herauskristallisiert werden wir nach dem Nightrace schauen. Ende Juni hält der Schiklub seine Generalversammlung mit Neuwahlen ab. Ich bleibe in der zweiten Reihe und stehe mit Rat und Tat zur Seite, werde mich aber nicht aufdrängen. Ob Junioren-WM, Special Olympics, WM oder eben das Nightrace – alles was wir angegriffen haben, haben wir erfolgreich umgesetzt. So wird es auch in Zukunft sein.