Loser-Panoramabahn: „Noch nicht in trockenen Tüchern“

Ob die neue Panorama-Gondelbahn am Loser noch heuer in Betrieb geht, ist derzeit fraglich. Foto: Loser-Bergbahnen/Bartholet Maschinenbau AG

Der Zeitplan, die Panoramabahn auf den Loser im Dezember zu eröffnen, ist ambitioniert. Eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung könnte den Plan kippen. Laut Umweltorganisation NETT sei ein UVP-Verfahren allerdings unumgänglich. Bei einer Verzögerung sei die Seilbahn „wirtschaftlich in Gefahr“.

Vor gut einem Jahr präsentierten die Loser-Bergbahnen die Panoramabahn. Die vollverglaste 10er-Gondelbahn im „Porsche-Design“, soll die bestehende 6er- Sesselbahn („Loser-Jet“) und den Doppelsessellift ablösen. Für letzteren läuft heuer die Genehmigung aus, weswegen sich die Betreiber gewissermaßen unter Zugzwang befinden. Der ursprüngliche Plan sah den Baustart heuer im Frühjahr vor, Anfang Dezember sollte die neue Gondelbahn eröffnet werden. Im September des Vorjahres sagte Bürgermeister Gerald Loitzl gegenüber dem „Enns­taler“, dass das Projekt kurz vor der behördlichen Genehmigung stehe. Bei der kürzlich stattgefundenen Gemeinderatssitzung antwortete Loitzl auf die Frage, wie der Projektstatus sei: „Ich weiß es nicht. Ich bin nicht der Projektwerber. Soweit ich weiß, gibt es noch keine naturschutzrechtliche Bewilligung und keine seilbahnrechtliche Be­willigung.“ Auch die Frage nach dem Baustart könne er nicht beantworten, das hänge davon ab, „wie schnell die Behörden Entscheidungen treffen“.

Naturschutzverfahren oder UVP?

Im Vorjahr kündigten die Loser- Bergbahnen an, sich einer freiwilligen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu unterziehen. Davon ist man in der Zwischenzeit wieder abgerückt. Die Panoramabahn sei ein „ökologisches Vorzeigeprojekt“ und habe einen sehr niedrigen CO2-Fußabdruck, der sich durch große Photovoltaikanlagen auf den Stationen und einem Kleinkraftwerk über die Beschneiungsleitungen sowie Wärmerückgewinnungen noch weiter verringert, heißt es in einer Aussendung der Loser Bergbahnen. „Warum sollen wir uns mehr auferlegen als wir müssen?“, stellt sich Loser-Geschäftsführer Rudolf Huber die Frage. Offen sei das mit wesentlich geringeren Auflagen verbundene Naturschutzverfahren. „Die entsprechenden Unterlagen liegen seit Dezember 2021 beim Land Steiermark“, so Huber, „Wir brauchen diese Genehmigung, ansonsten ist der Seilbahnbetrieb im Winter und das Unternehmen Loser-Bergbahnen wirtschaftlich in Gefahr.“ Sollte die naturschutzrechtliche Bewilligung zeitnah durchgehen, ist Huber zuversichtlich, noch rechtzeitig mit dem Bau beginnen zu können. „In trockenen Tüchern ist das noch nicht“, sagt Umweltanwältin Ute Pöllinger. Selbst ein gut geplantes, ökologisches Projekt könnte UVP-pflichtig sein. Auch die Naturschutzbehörde ist sich nicht sicher, ob es mit einem Naturschutzverfahren getan ist und hat ein UVP-Feststellungsverfahren in die Wege geleitet. Das Feststellungsverfahren soll klarstellen, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben wird oder nicht. Die Unterlagen dafür sind erst Anfang März eingelangt – reichlich spät angesichts des straffen Zeitplans. Die Behörde arbeite mit Hochdruck an dem Verfahren, wie es aus dem Büro von Umweltlandesrätin Ursula Lackner heißt. Von diesem Ergebnis hängt es ab, wie es für das Projekt weitergeht. Sollte eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben werden, wird das Zeitkorsett bis zur kommenden Wintersaison noch enger.

Gutachten für UVP-Pflicht

Ein von NETT in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass jedenfalls eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu machen sei. „Wir wollen die Gondelbahn nicht verhindern, aber wir wollen, dass eine UVP gemacht wird und alle Gesetze eingehalten werden. Das war in der Vergangenheit am Loser nicht immer der Fall“, sagt der Obmann der Umweltorganisation NETT Rolf Seiser. Durch eine UVP könnten die „ärgsten Auswirkungen auf die Umwelt abgemildert werden“. Unisoni stimmen die Grünen auf Landesebene und die Altausseer Bürgerliste „Dialog lebenswertes Altaussee“ (DLA) mit der UVP-Forderung überein. Die neue Seilbahn dürfe nicht im Schnellverfahren „durchgedrückt werden“, wie es in einer Aussendung der Grünen heißt. „Die Versuche des Projektwerbers, sich ungeniert an einem seriösen Verfahrensablauf vorbeizuschwindeln, sind damit vom Tisch“, sagt LAbg. Lambert Schönleitner. Außerdem ist für den Grünen Kontrollsprecher in Bezug auf die bereits getätigten Investitionen und Bauschritte im Rahmen der Loser-Erschließung auch offensichtlich, dass sich immer mehr Fragen auftun, inwieweit Projektteile völlig ohne Genehmigungen umgesetzt wurden. Schönleitner: „Landesrätin Lackner und die Behörden wären gut beraten, hier umgehend eine Sonderprüfung durchzuführen und gegebenenfalls Missstände klar auf den Tisch zu legen.“

Umweltverbrechen Franzbergstraße

„Auch der Verkehr durch den Ort muss in die UVP-Frage des Losers miteinbezogen werden“, sagt Martin Dämon vom DLA. Die zusätzliche Verkehrsbelastung in Altaussee könnte den Bau der Franzbergstraße, die Verbindung zwischen Pötschen und dem Loser, beschleunigen. „Der Bau dieser Straße wird jedoch laut einer Verkehrsstudie nur zu einer verschwindend geringen Verkehrsentlastung in Altaussee führen“, so Dämon. Die Trasse würde wertvolle Biotope durchschneiden und irreparable Schäden in der Natur hinterlassen, sind sich die Straßengegner einig. „Die Franzbergstraße ist ein Umweltverbrechen, die wir mit allen Mitteln bekämpfen“, sagt Rolf Seiser. „Aber die möchte Herr Androsch haben. Nicht nur wegen seiner Gondeln, sondern weil dann seine LKWs mit dem Sole-Schlamm über die Franzbergstraße fahren könnten.“

Argumente, die Loser-Geschäftsführer Rudolf Huber nicht verstehen kann: „Wir bauen eine Seilbahn, die nicht einmal 1800 Förderleistung hat (1800 Personen pro Stunde, Anm.). Wir wollen auch nicht mehr Leute, wir machen Qualitätstourismus.“ Was die Verkehrsprobleme betrifft, sieht Huber die Politik in der Pflicht: „Der Loser kann die Verkehrsprobleme von Altaussee nicht lösen.“