Licht und Schatten im Tourismus

Der Salza-Wasserfall ist ein beliebtes Ausflugsziel. Nicht zuletzt aufgrund der sozialen Medien entdecken immer mehr Gäste das Naturjuwel für sich. Foto: Ennstaler

Aus wirtschaftlicher Sicht sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Es läuft gut im Tourismus. Während sich die Erfolgsmeldungen überschlagen, zeigt das verstärkte Gästeaufkommen auch seine Schattenseiten auf.

Die Erlebnisregion Schladming-Dachstein ist eine international beliebte Urlaubsdestination. Selbst Corona konnte dem Ansturm nichts anhaben. Jährlich pumpt der Tourismusverband 3 Millionen Euro ins Marketing und der Erfolg trägt Früchte. Der vorjährige Rekordsommer ist mit insgesamt 860.000 Nächtigungen (Mai bis Juli) nochmals übertroffen worden. Steiermarkweit ist das Niveau im Vergleich zum Sommer vor Corona um 5,5 Prozent gestiegen. Während man mancherorts die Kapazitäten noch weiter optimieren möchte, sind die Reaktionen anderer direkt Betroffener ob der steigenden Zahlen verhaltener.

Öffentlicher Geheimtipp

Der Salza-Wasserfall gilt als Naturjuwel und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Ein Geheimtipp, der in letzter Zeit gar nicht mehr so geheim ist. In den letzten Jahren hat der Wasserfall als Ausflugsziel an Popularität gewonnen. Verirrten sich früher neben einigen Einheimischen vereinzelte Gäste dorthin, berichten Anrainer von regelrechten „Völkerwanderungen“ in letzter Zeit. Filmdrehs der Fernsehserie „Bergretter“ sorgten für eine sprunghafte Steigerung des Bekanntheitsgrades insbesondere im deutschsprachigen Raum. Spätestens seit die Nightrace-Flitzerin Kinsey Wolanski eine Canyoning-Tour mit ihren 3 Millionen Followern teilte, zählt der Ausflugsort zu den internationalen Top-Destinationen.

„Der Spaß hört sich auf“

Anfangs pachtete die Gemeinde einen Parkplatz kurz vor dem Kraftwerk. Aufgrund des größer werdenden Andrangs errichtete man zusätzliche 30 Abstellplätze direkt neben der Bundesstraße, um das verstärkte Verkehrsaufkommen abzufedern. Auf Initiative eines Anrainers kam es im Juli zu einem generellen Fahrverbot in Richtung Salza. Das tat dem Andrang jedoch keinen Abbruch. Mittlerweile steuern Reisebusse den Ausflugsort für einen Zwischenstopp an. „Das Fahrverbot hat sich für uns als kontraproduktiv herausgestellt“, sagt eine Anrainerin. „Ich habe das Gefühl, wie wenn ich in einer Auslage sitze. Täglich pilgern unzählige Gäste vorbei. Ich kann in meinem Garten weder in der Sonne liegen noch grillen. Mittlerweile bin ich lieber unterwegs als daheim. Früher war das umgekehrt.“ Zudem würden frei laufende Hunde sowie deren Hinterlassenschaften, fein säuberlich verpackt im Gackerl-Sackerl und in der Wiese entsorgt, zunehmend zum Problem. „Unseren eigenen Hund kann ich nicht mehr alleine im Hof lassen, weil er ständig anschlägt. Außerdem werden kaum Grenzen gewahrt. Fremde betreten unseren Privatgrund, Kinder spielen mit unserem Spielzeug, selbst Obst und Gemüse wurde von Spaziergängern ,geerntet‘. Da hört sich der Spaß auf“, berichtet eine andere Anrainerin.

Kapazitätsgrenze erreicht

„Ich sehe es ein, dass sich Anrainer belästigt fühlen wenn so viele Leute vorbeigehen“, sagt Bürgermeister Fritz Zefferer. Insgesamt sei die Lösung aber nicht so schlecht. „Wir schauen uns an wie das heuer läuft und im September beurteilen wir gemeinsam mit den Anrainern die Situation. Dann überlegen wir uns weitere Maßnahmen“, so Zefferer. Derzeit herrsche Hauptsaison und der Parkplatz stoße an seine Kapazitätsgrenzen. Gemeindemitarbeiter sind angehalten, jeden zweiten Tag den Müll rauszuholen und alles sauber zu halten. Zefferer rechnet wieder mit einem Abflauen des Besucheransturms nach den Sommerferien.

Verträglicher Tourismus

Das Ziel des Tourismusverbandes sei es, die Gäste auf die gesamte Region aufzuteilen, sagt Schladming-Dachstein-Geschäftsführer Mathias Schattleitner: „Der Salza-Wasserfall ist ein attraktives Ausflugsziel. Wir haben ihn jedoch nicht explizit herausgehoben, sondern wollen ins Bewusstsein rücken, dass die ganze Region von Wörschach bis Mandling schöne Plätze bietet.“ Man wolle auch die Hauptsaisonen nicht weiter erhöhen, der Fokus liege auf den Nebensaisonen. „Unser Ziel ist ein guter, verträglicher Tourismus für die Region“, so Schattleitner. Würde die Frequenz noch größer werden, sieht Fritz Zefferer wirklich ein Problem. Dann müsse man sich weitere Lenkungsinstrumente überlegen, etwa eine Vergebührung des Parkplatzes. „Der letzte Ausweg werden relativ teure Parkgebühren sein, damit wir das drosseln und dosieren können. Erweitern wollen wir den Parkplatz ganz sicher nicht“, bekräftigt der Bürgermeister. Es gebe auch die Möglichkeit eines alternativen Wanderweges, da seien allerdings noch einige Eckpunkte zu klären.