Landtagswahl: Beinahe jeder Zweite blieb zuhause

Bei der ersten Hochrechnung zeichnete sich der Wahlsieg der ÖVP schon ab: Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer mit seiner Frau Marianne sowie Bundesparteiobmann Sebastian Kurz im kleinen Kreis im Büro in der Grazer Burg. Foto: ©GEPA/Oberländer

Die Landtagswahl in der Steiermark endete mit einem großen Sieg der ÖVP von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer sowie Zugewinnen für die Grünen, die Kommunisten und die Neos. Verlierer waren die SPÖ und die Freiheitlichen. Dasselbe Bild spiegelte auch das Ergebnis im Bezirk Liezen wider. Trotzdem blieb ein großer Makel: Die Wahlbeteiligung. Sie lag am Wahlsonntag nur bei knapp 52 Prozent. Inklusive der Wahlkarten erhöhte sie sich zwar noch auf 61,78 Prozent – unterm Strich so oder so ein dramatisch schlechter Wert.
Am Sonntagabend jubelten wohl alle ÖVP-Bezirksorganisationen mit der Zentrale am Grazer Karmeliterplatz mit: Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer machte seine Partei nach 15 Jahren wieder zur Nummer eins in der Steiermark. Und das mit Respektabstand vor der SPÖ, deren Spitzenkandidat Michael Schickhofer am Montag das Handtuch warf und seinen Rückzug aus der Politik bekanntgab. Zu den Siegern des Urnengangs zählten auch die Grünen, die erstmals zweistellig wurden, die Kommunisten, die ihre zwei Sitze im Landtag verteidigen konnten, und die Neos, die erstmals den Einzug ins Landesparlament schafften. Zu den großen Verlierern zählen neben den Sozialdemokraten auch die Freiheitlichen, deren Verluste nur knapp unter dem zweistelligen Prozent-Bereich lagen.

Nichtwähler klar voran
In die Jubelchöre der Wahlsieger stimmten auch alle Medien ein, die sich, eigentlich wie immer, nur auf das Ergebnis nach Prozentpunkten konzentrierten und kaum Stimmenanteile veröffentlichten. Die schlechte Wahlbeteiligung wurde überhaupt meist unter den Teppich gekehrt. Dabei zeigen gerade diese zwei Faktoren, wie groß die Politikverdrossenheit in der Grünen Mark bereits geworden ist. Ein Beispiel aus dem Gesamtergebnis inklusive der Wahlkarten: Von den 955.795 wahlberichtigten Steirern gaben gerade einmal 606.528 ihre Stimme ab, was einer Wahlbeteiligung von 63,46 Prozent entspricht. Unterm Strich gingen also 349.267 wahlberechtigte Menschen nicht zur Wahl. Die ÖVP als Wahlsieger erhielt 217.036, der bisherige Koalitionspartner SPÖ 138.572 Stimmen – zusammen 355.608 Stimmen. Die beiden stärksten Parteien der Steiermark haben unterm Strich gemeinsam gerade einmal 6341 Stimmen mehr, als der Anteil der Nichtwähler ausmacht. Allein diese Zahlen müssten jeden Politiker, gleich welcher Couleur, sehr nachdenklich stimmen und dürften keinen in Jubel ausbrechen lassen, wie am Sonntag in den Parteizentralen der Schwarzen, Grünen, Kommunisten und Neos. Die Politikverdrossenheit in der Steiermark hat nämlich mittlerweile ein dramatisches Ausmaß erreicht und darf nicht mehr negiert werden.
Details im Bezirk
Dass den Parteien die Wähler schlicht und ergreifend davonlaufen, belegen auch einige Zahlen aus dem Bezirk Liezen, wo 61.839 Menschen wahlberechtigt waren. Ihre Stimme gaben aber lediglich 38.203 von ihnen ab – 23.636 blieben zuhause. Diesen Wert erreichen ÖVP (12.922) und SPÖ (10.389) zusammen gar nicht, da liegen sie um exakt 325 darunter. Dazu zwei Vergleiche: Bei der Landtagswahl 2005 stimmten im Bezirk Liezen noch 20.940 Menschen für die SPÖ und 19.442 für die ÖVP. Innerhalb von nur drei Legislaturperioden verloren die Sozialdemokraten 10.551 und die Schwarzen 6520 Wähler. Die FPÖ erreichte 2005 übrigens 2279 und beim Urnengang am Sonntag 6967 Stimmen. Die Grünen kamen damals auf 1483 und am Sonntag auf 3545 Stimmen. Nach Stimmen zulegen konnten auch die Kommunisten von 1342 (2005) auf 1893 aktuell.
Sieht man sich einige Gemeindeergebnisse genauer an, so wird deutlich, dass zum Beispiel die Freiheitlichen von ihrer Spitalskampagne überhaut nicht profitieren konnten. Zugewinne erreichten sie lediglich in Rottenmann – in den zwei anderen Spitalsstandorten Schladming und Bad Aussee gab es keinen Dank für die Initiative, im Gegenteil. Profitieren konnten davon die Kommunisten: stark in der Paltenmetropole sowie marginal im Ausseerland und in der WM-Stadt.
Apropos Schladming: Die Tourismusgemeinde zählte ebenso wie Nachbar Haus im Ennstal zu den Hochburgen der ÖVP. Zählte deshalb, weil den Schwarzen auch hier die Wähler abhanden kommen, obwohl prozentuell Gewinne eingefahren werden. Im Jahr 2005 stimmten in Schladming (hochgerechnet mit den eingemeindeten Kommunen Rohrmoos-Untertal und Pichl-Preunegg) noch 1949 Wähler für die ÖVP, am Sonntag waren es nur mehr 659. In der Nachbargemeinde Haus gab es 2005 noch 788 ÖVP-Wähler, diesmal stimmten lediglich 391 Menschen für die Volkspartei.
Die nackten Zahlen sprechen Bände, nur sehen das die Politiker, die Analysten und die meisten Medien nicht so.
Vorzugsstimmen
Völlig entgegen der Wahl fiel das Ergebnis bei den Vorzugsstimmen aus. Hier hat nämlich FPÖ-Spitzenkandidat Mario Kunasek mit 12.526 Stimmen klar die Nase vorn. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer erreichte 6449 Vorzugsstimmen und lag damit knapp hinter Michael Schickhofer, der 6591 erhielt. Vor den beiden früheren Koalitionspartnern lag aber noch San­dra Krautwaschl von den Grünen, die 6764 Vorzugsstimmen bekam. KPÖ-Spitzenfrau Claudia Klimt-Weithaler erhielt insgesamt 2514 Vorzugsstimmen. NEOS-Spitzenkandidat Niko Swatek stand nur im Wahlkreis 1 in Graz und Umgebung auf der Liste und schaffte dort 1723 Vorzugsstimmen.