Kulturszene: Forderung nach umsetzbarem Paket

Bislang kein Fahrplan für Kinos: „Wenn die Theater im Juli aufsperren, hoffen wir, dass auch die Kinos öffnen dürfen“, sagt Manfred Dirninger vom Star Movie Liezen.

Veranstalter wollen praxisorientierte Covid-Maßnahmen.

Damit eine Programmplanung überhaupt durchführbar ist, wünschen sich auch die Kulturbetriebe des Bezirks konkrete Richtlinien von der Regierung. Die 20-Quadratmeter-pro-Person-Regel sei realitätsfremd. Dadurch müssten die Bühnen weiterhin geschlossen bleiben. An ein Aufsperren unter diesen Umständen sei nicht zu denken, heißt es von Seiten der Veranstalter.

Museen und „Orte der Präsentation im künstlerisch-kulturellen Bereich“ öffnen Mitte Mai. Theater erst im Juli und Großveranstaltungen wird es bis mindestens Ende August nicht geben. Unmut und Unverständnis richten sich vor allem auf die Sicherheits-Maßnahmen, die Veranstalter aufgrund der Eindämmung des Coronavirus einhalten sollen. Speziell die 20-Quadratmeter-pro-Person-Regel sorgte bundesweit für Empörung.

„Wir brauchen umsetzbare Vorgaben“, sagt PR-Chef Mario Brandmüller vom Stift Admont. Dort hat man vor rund einem Jahr mit einer weitreichenden Veranstaltungslinie begonnen. Stars wie Illusionist Wolfgang Moser, die Wiener Sängerknaben oder die Poxrucker Sisters traten seither in Admont auf. Brandmüller warnt vor einem drohenden Aus für viele Kulturinitiativen: „Kleinveranstaltungen werden so nicht mehr finanzierbar sein. Das ist ein Problem, das nicht nur Veranstalter, sondern auch Künstlerinnen und Künstler trifft, die aufgrund dieser Richtlinien nicht mehr gebucht werden können. Viele Kulturschaffende stehen kurz vor dem Bankrott.“  In Admont werde man sich künftig stark einschränken und nicht mehr die ganze Bandbreite von Konzerten, Kabaretts, Zaubershows und kulinarischen Veranstaltungen anbieten. Die Durchführung von Veranstaltungen werde man aller Voraussicht nach im Oktober starten, so der PR-Chef.

Keinen Zeitplan für Kinos

Wann Kinos wieder aufsperren dürfen, ist bis heute unklar. „Einen genauen Fahrplan gibt es noch nicht. Wenn die Theater im Juli aufsperren, hoffen wir, dass auch die Kinos öffnen dürfen“, sagt Manfred Dirninger vom Star Movie Liezen. Auch er zeigt sein Unverständnis für die kommunizierten Inhalte bei der Pressekonferenz von Vizekanzler Werner Kogler und Staatssekretärin Ulrike Lunacek am vergangenen Freitag: „Da hieß es, die Kinos hätten im Sommer geringere Umsätze und wollen daher eher nicht aufsperren. Doch das stimmt so nicht. Wir haben im Sommer sogar ganz starke Umsätze.“ Auch die 20-Quadratmeter-pro-Person-Regel sieht Dirninger unrealistisch in der Umsetzung: „Nicht mehr als 18 Leute könnten in einem Saal mit 200 Sitzplätzen an einer Vorstellung teilnehmen.“ Daher werde man der Regierung ein ausgearbeitetes Konzept zukommen lassen, das gemeinsam mit der Fachgruppe erstellt wurde: „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie der Betrieb unter Einhaltung von Sicherheitsregeln laufen kann. Masken, Schutz am Buffet, Abstandsregel und auch die Aussparungen von Sitzen – das alles wäre möglich“, sagt Dirninger, der die Gefahr einer Ansteckung in einem Kino nicht sehr hoch einschätzt: „Die Leute sitzen sich nicht gegenübersitzen und sprechen nicht miteinander. Auch die Maskenpflicht ist vertretbar. Denn wenn man nicht redet, überanstrengt man sich auch nicht.“ Als Kinobetreiber habe auch er mit finanziellen Auswirkungen durch die Maßnahmensetzung zu kämpfen: „Natürlich haben wir laufende Kosten. Das Personal ist zwar in Kurzarbeit, doch das gilt nicht für geringfügig Beschäftigte. Hier gibt es keine Hilfe. Ein kleines Kino tut sich vielleicht ein wenig leichter, weil es weniger Vorstellungen geplant und auch weniger Personal hat. Doch für die Größe des Star Movie in Liezen brauche ich dementsprechend viel Personal. In Summe schaut die finanzielle Situation nicht rosig aus.“

[ku:L] „Das ist undenkbar“

Auch das Kunst- & Kulturhaus [ku:L] Öblarn hat mit den laufenden Kosten zu kämpfen. „Zwar müssen wir keine Stornokosten tragen, weil die Künstler wissen, dass Veranstaltungen einfach nicht durchzuführen sind, doch auf ewig kommen wir so nicht drüber. Denn Einnahmen haben wir natürlich keine“, sagt der Obmann vom Verein „Kunst- und Kulturhaus Öblarn“, Hans Johann Danklmayer. Seit das [ku:L] 2009 erstmals seine Pforten öffnete, hat sich die Kultur­initiative einen Namen gemacht. Eines der diesjährigen Highlights soll das Konzert von Herbert Pixner sein, das für Oktober geplant ist. Das Pixner-Konzert ist eines von vier größeren Konzerten, die das [ku:L] im Herbst durchführen will: „Bis dahin werden wir sehen, ob das möglich sein wird“, sagt der Obmann. Erleichterung für den Verein bringt die Errichtung der neuen Freizeithalle in Öblarn, die auch das [ku:L] für Großveranstaltungen wird nutzen können. Denn „in unserem Stammhaus in Öblarn ist die 20-Quadratmeter-pro-Person-Regel undenkbar. Würde eine Band mit fünf Musikern spielen, dann könnten nicht mehr als zwei Leute zuschauen. Da habe ich den Platz für den Techniker aber noch gar nicht miteinbezogen“, sagt Danklmayer. Unsicherheit liegt auch am nicht einzuschätzenden Zuschauerverhalten. „Wir müssen auch die Reaktionen der Menschen abwarten, ob sie überhaupt an einer Veranstaltung teilnehmen wollen, oder Angst vor Ansteckung haben“, so der Obmann.

KIZ: „So wird die Kultur sterben“

Klare Worte kommen auch vom Obmann des Vereins „Kultur im Zentrum“, Helmut Schaupensteiner. Seit Gründung der Kulturinitiative finden in Rottenmanns Zentrum, im „Alten Hofer“, regelmäßig Veranstaltungen zu verschiedenen Themen satt. Für die neue 20-Quadratmeter-pro-Person-Regel findet Schaupensteiner klare Worte: „Wenn man diese Regel durchzieht, ist die Kultur gestorben.“ Von der Regierung wünscht sich der Obmann klare Ansagen: „Es braucht Richtlinien. Wir trauen uns keine Vereinbarungen mit Künstlern zu treffen, da sich die Auflagen ständig ändern. Es ist traurig, was hier passiert und ich bin zu tiefst enttäuscht.“ Was den Alten Hofer betrifft, will sich der Verein nun auf den Herbst konzentrieren. Der Startschuss ist für September geplant. Am 4. September sollen die Band „Greimeister-Flammer-Rojer“ aus Öblarn den Auftakt machen. Gefolgt von der historischen Stadtführung am 10. September. Einer der Highlights soll die Teilnahme am „Tag des Denkmals“ sein, der ebenso in diesem Monat stattfindet. „Es geht darum, österreichweit historische Gebäude für eine Besichtigung anzubieten. Mir ist es wichtig, diese Möglichkeit wahrzunehmen, um Rottenmann wieder einmal in den Fokus rücken zu können“, betont Schaupensteiner.