Kulturhauptstadt 2024: Ausseerland rüstet sich für Gästeansturm

Der Narzissenjet musste eingestellt werden. Im Ausseerland feilt man nun an neuen Mobilitätskonzepten.

Überfüllte Parkflächen sollen bald schon der Vergangenheit angehören. Im Ausseerland arbeitet man an einem neuen Verkehrskonzept. 2024, wenn das Salzkammergut zur neuen Kulturhauptstadt wird, soll es fertig sein.

Seit Beginn der Corona-Pandemie gewinnt der Urlaub im eigenen Land zunehmend an Bedeutung, das belegt auch eine Auswertung von Statistik Austria: Während 2018 nur 34 Prozent aller verreisenden Österreicher im eigenen Land ihren Urlaub verbracht haben, waren es im Vorjahr bereits 61 Prozent. Zugenommen hat aber nicht nur die Zahl der Urlauber, sondern auch die der Tagesgäste. Im Sommer des Vorjahrs musste das Ausseerland sogar einen Aufruf starten, nicht mit dem eigenen PKW anzureisen, da die zur Verfügung stehenden Parkplatzkapazitäten völlig erschöpft seien. 2024 wird das Salzkammergut zur neuen Kulturhauptstadt ausgerufen. Mit einer Trendwende ist somit wohl nicht zu rechnen. Um dem Gästeansturm zu begegnen, erarbeitet man im Ausseerland ein neues Verkehrskonzept. Finanzielle Unterstützung kommt dabei vom Regionalmanagement Bezirk Liezen, kurz RML. Als Pilotregion soll das Ausseerland wertvolle Erkenntnisse in puncto Mobilität gewinnen, die auch dem restlichen Bezirk von Nutzen sein sollen. Den Auftakt machte eine Studie zweier Planungsbüros, die den Sommer über Daten im ganzen Ausseerland erhoben haben. „Es gab Messungen und Zählungen zu allen Formen der Mobilität. Rad-, KFZ, öffentlicher Verkehr und selbst Fußwege wurden genau analysiert. Die erste Phase ist damit abgeschlossen“, verkündet Grundlsees Bürgermeister Franz Steinegger. Die erhobenen Daten sollen nun als Grundlage für erste Umsetzungsmaßnahmen bilden. Ein Fokus liegt auf der E-Mobilität. Um die Urlaubsanreise mit dem Zug attraktiv zu gestalten, will man ein dementsprechendes Angebot für den Transfer ins Hotel bieten. „Der Gast soll mit dem E-Auto, E-Scooter oder E-Bike vom Bahnhof ins Hotel fahren können. So kann die Anzahl an PKWs verringert werden. Auch E-Car-Sharing könnte eine passende Lösung darstellen“, sagt Steinegger.

Auch die Politik ist gefordert

In den vergangenen Jahren bot der Narzissenjet eine willkommene Alternative zum eigenen Auto. Mit Ende des Vorjahrs musste er allerdings eingestellt werden. Grund dafür sei eine Änderung der Förderrichtlinien gewesen, wie Grundlsees Bürgermeister erklärt. Um nicht mit dem öffentlichen Verkehr in Konkurrenz zu treten, mussten Narzissenjet-Fahrgäste in öffentliche Linien umsteigen, sobald diese dieselbe Strecke fuhren. Das habe jedoch zu Wartezeiten und vielfachem Umsteigen geführt, so Steinegger: „Dadurch sank die Zahl der Fahrgäste und die Finanzierung wurde schwierig.“ Einen Narzissenjet-Nachfolger will Steinegger dennoch nicht ausschließen. Denn im Vergleich zu Linienbussen würden Mikro-ÖV-Systeme, wie der Narzissenjet, eine weitaus flexiblere Mobilität im ländlichen Raum darstellen. „Genau diese Flexibilität braucht es, um eine bessere Alternative zum eigenen Auto zu bieten“, sagt Steinegger. Zum Stolperstein könnte allerdings die Finanzierung werden. Diese müsste wohl ohne Landeszuschuss gesichert sein, da „die Förderrichtlinien sich wohl so schnell nicht ändern werden“, wie Grundlsees Bürgermeister zu bedenken gibt. Diese Probleme kenne man auch in anderen Regionen, sagt Steinegger: „Als Pilotregion versuchen wir nun, passende Ideen und Konzepte für uns und andere Regionen des Bezirkes zu finden. Alles werden wir jedoch nicht lösen können. Auch die Politik wird sich Gedanken über den öffentlichen Verkehr im ländlichen Raum machen müssen, der derzeit hauptsächlich aus Schülerbussen besteht“, so Steinegger: „Wenn darüber hinaus der Bus nur zwei, drei Mal am Tag fährt, dann ist das einfach nicht mehr zeitgemäß.“