Kletterführer Gesäuse gewinnt Innovationspreis

Steiler Fels, schwieriger Aufstieg, langer Abstieg: Das Gesäuse gilt als Universität des Bergsteigens. Foto: Stefan Leitner

Andreas Hollinger und Jürgen Reinmüller bringen das Abenteuer in steiler Felswand, Sicherheit und Naturschutz in Einklang. Für ihren „Kletterführer Gesäuse“ wurden sie mit dem Gesäuse-Innovationspreis ausgezeichnet.

Wildes Wasser, steiler Fels. Für das Gesäuse gibt es wohl keine passendere Beschreibung. So unverfälscht, natürlich und wild wie sich der einzige Nationalpark der Steiermark seinen Gästen präsentiert, kommt man sogar in der Bewerbung getrost ohne Superlative aus. Eine Ausnahme gibt es trotzdem: „Die Nordwände der Hochtorgruppe sind eine absolute Superlative im Klettersport“, sagt Bergführer Jürgen Reinmüller. Nicht umsonst wird das Gesäuse auch die Universität des Bergsteigens genannt. Dass hier ursprünglich vor allem Städter aus Wien und Graz ihr Know-how am steilen Fels erlangten, zeigte sich lange Zeit auch an den Nächtigungszahlen. In der Zwischenkriegszeit zählte Admont mehr Urlauber als Kitzbühel. An diesen touristischen Hype kann man heute nicht mehr anknüpfen. Und will man auch nicht, wie Andreas Hollinger betont: „Wir sind froh über den sanften Tourismus.“ Gäste, die hier ihren Urlaub verbringen, schätzen vor allem die Ruhe in freier Natur, schließlich „gibt es im Gesäuse noch Bergtouren, auf denen man den ganzen Tag lang niemandem begegnet. Und das soll auch so bleiben“, sagt Jürgen Reinmüller. Nicht nur die einsamen, sondern alle regionalen Kletterrouten beschreiben Hollinger und Reinmüller ausführlich in ihrem „Kletterführer Gesäuse“, für den sie am vergangenen Mittwoch mit dem Gesäuse-Innovationspreis ausgezeichnet wurden. „Für uns ist das eine unglaubliche Ehre“, sagt Andreas Hollinger. Weshalb gerade dieses Projekt aus den vielen Einreichungen als Sieger hervorging, liegt an einigen Besonderheiten des Kletterführers. Einer dieser Punkte ist der Umfang des neuen Werkes: „Es ist keine Sammlung von Best-of-Routen“, sagt Jürgen Reinmüller und betont: „Wir haben die letzten 20 Jahre dazu verwendet, wirklich jede einzelne Klettertour im Gesäuse zu dokumentieren.“ In Summe sind es über 1000 Routen. Kein Wunder, dass der neue Kletterführer ganze 700 Seiten umfasst. Mit einem Gewicht von 3,5 kg und einem Format in DIN A4 entspricht er nicht wirklich der klassischen Führerliteratur. „Unser Buch ist als Nachschlagewerk und Studienobjekt angelegt. Konkrete Routen, die man klettern möchte, können kopiert oder mit dem Handy abfotografiert werden“, so die Autoren.

Abenteuer und Naturschutz

„Wir begegnen der Natur mit einer gewissen Demut“, sagt Andreas Hollinger. Diese Wertschätzung gegenüber der Umwelt spielt auch im Kletterführer Gesäuse eine tragende Rolle. Alle Natura-2000-Flächen, auf denen ein Kletterverbot herrscht, sind explizit ausgewiesen. Darüber hinaus kennzeichnen die Autoren sensible Gebiete, die sich nicht für Erstbesteigungen eignen. Sie selbst haben schon so einige hinter sich. Andreas Hollingers Bilanz liegt bei zehn Erstbegehungen in der Buchstein-Südwand und auch Jürgen Reinmüller kennt die Gesäuse-Berge wie seine Westentasche. In seiner Alpinschule „Alpinstil“ bildet er Kletterbegeisterte für das große Abenteuer im alpinen Bereich aus. Wie wichtig profunde Kenntnisse im Bezwingen der steilen Felswände des Gesäuses sind, wissen die beiden nur zu gut. Als Bergretter erlebt Andreas Hollinger immer wieder, wie Sportler in Notlagen geraten, weil sie sich zu viel zugemutet haben. Das Gesäuse ist kein Gebirge für Einsteiger. Hohe Schwierigkeitsgrade, steile Wände und lange Abstiege verleihen dem Gebiet eine spezielle Herausforderung, die auch eine gute Planung unumgänglich macht. „Das Gesäuse eignet sich nicht für eine Tagestour. Hier sind die Zu- und Abstiege aufwändiger als in anderen Regionen. Am besten, man quartiert sich in einer Schutzhütte oder einer anderen Unterkunft ein und erklimmt von dort aus die schönsten Routen“, so Hollinger.

Als Herausgeber des neuen Kletterführers fungiert die Bergrettung Admont, „die großes Interesse hat, auch präventiv tätig zu sein“, betont Hollinger. Schließlich scheitern viele Klettertouren an schlechter Vorbereitung und mangelnder Information.

Der „Kletterführer Gesäuse“ ist online unter xeis-auslese.at und bis Jahresende exklusiv bei Sport Vasold in Liezen sowie bei Bergfuchs Graz und Wien erhältlich. Ab Jänner gibt es das 700-Seiten-Werk im gut sortierten Sport- und Buchfachhandel.