Keine Zufahrtsbewilligung für das „Augassen-Projekt“

Der Schladminger Gemeinderat hatte eine lange Tagesordnung abzuarbeiten. Ein Beschluss fürs angekündigte räumliche Leitbild muss noch warten. Foto: Hans Johann Danklmayer

Über die Bauplatzeignung in der Schladminger Augasse muss die Marktgemeinde Haus entscheiden. Der Gemeinderatsbeschluss über die Rücknahme der Zufahrtsbewilligung sei aber ein „wichtiges Signal“. Zum räumlichen Leitbild gab‘s anstatt eines Beschlusses vorerst nur einen Bericht.

Bei der letzten Gemeinderatssitzung in Schladming war einmal mehr das geplante touristische Projekt am ehemaligen Grundstück von Ex-Bürgermeister Jürgen Winter am Tapet. Dieses Mal ging es um die Rücknahme der Bewilligung für die Zufahrt. Das Grundstück liegt zwar auf Hauser Gemeindegebiet, die Zufahrt müsste allerdings über die relativ schmale Augasse erfolgen. Die Altbürgermeister erteilten bereits 2017 (Jürgen Winter) und 2019 (Elisabeth Krammel) eine Genehmigung.

Zu schmale Augasse

Nun hat die Stadtgemeinde zwei Gutachten eingeholt. „Zusammenfassend besagen beide Gutachten, dass die Augasse nicht für die Erschließung für ein Projekt dieser Dimension und Nutzung geeignet ist“, berichtet Bürgermeister Hermann Trinker. Aus diesem Grund soll die Rücknahme der Bewilligung für die Zufahrt für dieses Projekt erfolgen. Einige ÖVP-Gemeinderäte meldeten sich zu Wort und stellten in Frage, ob denn ein Gemeinderatsbeschluss überhaupt erforderlich sei. Es sei kein Beschluss notwendig, antwortet Vizebürgermeister Hans-Moritz Pott. Aber es sei ein wichtiges Signal in Richtung Marktgemeinde Haus, welche die Bauplatzeignung zu entscheiden habe. Aufgrund der schmalen Straße könne der Bauwerber den Sicherheitsaspekt nicht positiv lösen. „Ich kann ja nicht zwangsläufig irgendwelche anderen Grundeigentümer zwingen etwas abzutreten, damit ein anderer ein Hotel bauen kann“, so der Vizebürgermeister. Gemeinderat Richard Walcher von der Liste „Schladming Neu“ legte noch etwas nach: „Wenn ein ehemaliger Bürgermeister eine Straße als für tauglich erklärt, für sein eigenes Projekt das er errichten will mit 400 Betten, dann ist das der Paradefall einer klassischen Unvereinbarkeit.“ Er schätze die Loy­alität der ÖVP-Mitglieder zum Ex-Bürgermeister, aber sie müssten einsehen dass diese Handhabe „demokratiepolitisch nicht o.k.“ sei. Zudem habe Winter bei einem anderen Ansuchen für einen Zubau von nur zwölf (!) Betten die Augasse als wesentlich zu schmal befunden. Bürgermeister Hermann Trinker versuchte die Diskussion wieder auf die sachliche Ebene zu bringen: „Es geht nicht um Personen, es geht nicht um Politik, es geht eindeutig um Verkehrssicherheit. Und da wurde eine Zustimmung erteilt, die man nicht erteilen hätte dürfen.“ Der Gemeinderat nahm einstimmig die Gutachten und die ablehnende Stellungnahme der Gemeinde zur Kenntnis.

(Noch) kein Beschluss fürs räumliche Leitbild

Über das im Vorfeld viel diskutierte räumliche Leitbild gab Bürgermeister Hermann Trinker nur einen Bericht ab, es sei nicht rechtzeitig fertig geworden. Ende Juni sollen in einer gemeinsamen Befahrung die Gebietstypen definiert werden. Mithilfe des Leitbildes sollen Bebauungspläne erlassen werden können und dadurch Aparthotels oder Parahotels, welche „keine klassische touristische Wertschöpfungskette“ bilden und im schlimmsten Fall versteckte Zweitwohnsitze sind, abgewehrt werden können. Viele Gemeinderäte waren froh und „angenehm überrascht“, dass es nicht zur Abstimmung kam, sondern dadurch eine breitere Diskussion und mehr Informationsaustausch erlaubt werden.