Jeder Quadratmeter zählt

Artenvielfalt: Eine Blumenwiese im eigenen Garten freut nicht nur das Auge, sondern hilft auch der Natur. Wie man sie anlegt und pflegt.

Einen Wiesenblumenstrauß in freier Natur zu pflücken, ist heute gar nicht mehr so leicht. Neben den Gräsern sind – abgesehen von Hahnenfuß und Löwenzahn – kaum mehr bunte Blüten zu finden. Häufige Schnitte, frühes Mähen, Pestizide und Überdüngen bringen die Natur aus dem Gleichgewicht und führen zu homogenen Wiesen. Viele Pflanzen verschwinden, wenige setzen sich durch. Das führt auch zu einem stillen Sterben der Insektenwelt. Laut einer Studie ist die Insektenbiomasse in den letzten 30 Jahren um 75 bis 80 Prozent zurückgegangen. „Aktuell fallen rund ein Drittel der heimischen Hummelarten in eine der IUCN Gefährdungsstufen, drei Arten sind in Österreich ausgestorben und fünf auf der Vorwarnliste“, sagt Johann Neumayer, Autor der kürzlich erschienenen Roten Liste für Hummeln Österreichs. Am Rückgang ihrer Futtertiere leiden auch die Vogelpopulationen. Was der Trend für die Ernährungssicherheit der Menschen bedeutet, ist noch schwer abzuschätzen. Der Weltbienentag am 20. Mai, ist ein guter Zeitpunkt, um über die Anlage einer Blühfläche im Garten nachzudenken. Dadurch schafft man Lebensraum für Wildbienen, Grillen, Vögel, Blindschleichen und vielen weiteren Gästen.

 

Weg vom Golfrasen, hin zu heimische Wildpflanzen

Ein Blick in die Gärten verrät, dass es in privaten Gärten ein Umdenken gibt, denn ein „spießbürgerlicher Golfrasen“ vor dem Haus kommt mehr und mehr aus der Mode. Kleine Blühflächen sorgen für Akzente und die Mischung aus Spielfläche und Naturgarten hat in die Gärten Einzug gehalten. Erstaunlich ist, dass sich die Initiative „No Mow May“ (im Mai nicht mähen) ausgerechnet vom „Land des Golfrasens“ Groß Britannien ausgeht. Damit möchte man Hausbesitzer motivieren, den gesamten Mai hindurch auf den Rasenmäher zu verzichten. Wer sich eine artenreiche und langfristige Blumenwiese anlegen möchte, sollte zu Beginn die Beschaffenheit des Bodens analysieren. Der Standort bestimmt die Saatgutmischung, wie Andreas Klingler von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein weiß: „In nährstoffreichen Böden setzen sich Gräser viel leichter durch und verdrängen blühende Pflanzen.“ Für die unterschiedlichen Böden, entwickelte die Forschungsanstalt in Raumberg-Gumpenstein eigene Blühmischung aus heimischen Wildpflanzen. Als Garantie dafür entwickelte man das „Gumpensteiner Herkunftszertifikat“ (G-Zert). Insgesamt setzen sich die einzelnen Mischungen aus 158 Arten zusammen. Um den Vertrieb der kümmert sich die Kärntner Saatbaugenossenschaft.

 

Grasnarbe entfernen

Ist der Boden bereits mit Gräser oder Rasen bewachsen, muss die Fläche ausgestochen und entfernt werden. Eine bloße Aussaat auf einer Rasenfläche würde wenig  bringen, die Gräser setzen sich immer durch und unterdrücken die Blüher. Bei wenigen Quadratmetern ist es besser die Grasnarbe händisch zu entfernen, anstatt nur umzustechen, da sich sonst die Gräser wieder durchsetzen. Bei größeren Flächen empfiehlt sich den Boden maschinell umzuarbeiten. Eine Umkehrrotoregge zerhäckselt die Grasnarbe und arbeitet grobe Teile in den unteren Teil des Bodens, freinkrümelige Erde kommt an die Oberfläche.

 

Saat und Pflege

Nach der Bodenvorbereitung reichen wenige Gramm Saatgut pro Quadratmeter. Um einen Bodenschluss zu bekommen, muss die Erde nach dem Säen festgetreten,  -geklopft oder gewalzt werden.

Die erste Mahd im ersten Jahr erfolgt im August, in den Folgejahren Mitte Juli, sobald die meisten Bestandesbildner abgeblüht sind. Im Herbst kann ein zweites Mal gemäht werden, alternativ auch erst im Frühjahr des nächsten Jahres. Dann bieten die Stängel ein willkommenes Winterquartier für manche Insekten. Wichtig ist, die Pflanzen aussäen und die Mahd trocknen zu lassen, damit die Samen abfallen können. Danach muss das Schnittgut abgeführt werden.

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