Interview mit SC-Sektionsleiter Christian Stangl zur aktuellen Lage

Sportlicher Leiter Christian Stangl mit Team-Manager Dragan Micic und Jugendleiter Amel Muhamedbegovic (von links).

Abgesehen von Weißrussland pausiert der Fußball zur Zeit aufgrund der Coronavirus-Pandemie in ganz Europa. Wann die Kicker den Kampf ums runde Leder wieder aufnehmen können, steht derzeit in den Sternen.
Die österreichische Bundesliga verlängert ihre Zwangspause jedenfalls bis Anfang Mai. Sollte dieser Termin halten, würde sich das Saison-Finish auf Ende Juni verschieben. Auch die Amateurvereine in Österreich wissen nicht, wie es weitergeht. Wie es derzeit aussieht, wird es im Frühjahr wohl eher keine Meisterschaftsspiele mehr geben. Sektionsleiter Christian Stangl vom SC Geomix Soccer Store Liezen sprach mit einem Sportportal über die derzeitige Lage. Der „Ennstaler“ will Ihnen dieses interessante Interview nicht vorenthalten:
Was sagen Sie zur aktuellen Corona-Entwicklung?
„Ich bin ehrlich und sehe es mit völlig gemischten Gefühlen. Jeder, der unmittelbar durch einen schweren Krankheitsfall in der Familie oder Bekanntenkreis betroffen ist, geht damit verständlicherweise ganz anders um. Ich finde aber, dass hier sehr stark mit der Angst von uns Menschen gespielt wird. Jeder Mensch, der durch den Virus stirbt, ist einer zu viel. Andererseits leben wir schon immer mit vielen Krankheiten, die laufend wesentlich mehr Menschenleben fordern. Ich will das Thema nicht verharmlosen, aber es wird über 20 tödliche Corona-Fälle mehr berichtet als über knapp 3000 Grippe-Opfer im Jahr 2017/18. Rauchen verursacht jährlich über 10.000 Todesfälle. Das schockiert niemanden. Diese Zahl zu reduzieren wäre aber wesentlich einfacher und das ohne schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft. Aus meiner Sicht fehlt hier völlig die Verhältnismäßigkeit und jeder, der das anspricht, wird an den Pranger gestellt.“
Sind die Maßnahmen, die die Bundesregierung trifft, gerechtfertigt?
„Es gibt dafür Experten. Ich bin keiner und kann das nicht beurteilen. Ich fürchte nur, dass mit den Maßnahmen mehr Existenzen zerstört als gerettet werden. Moralisch ist es verwerflich, diese Vergleiche zu ziehen. Aber so gesehen müssten wir uns jetzt unser restliches Leben zuhause einsperren, weil es viele Krankheiten gibt, die wir ständig übertragen. Auch wenn ich diese Ansichten habe, halte ich mich an die Maßnahmen. Es gibt ja auch Schlimmeres, als etwas mehr Zuhause zu sein und mit der Familie Zeit zu verbringen. Dass die Verbreitung damit eingedämmt wird, ist mir klar und macht Sinn. Ob es notwendig ist, dass unsere gesamte Wirtschaft jetzt vernichtet wird, ist die andere Frage. Die Hilfspakete sind ja nichts anderes wie Kredite und Stundungen, die schlussendlich von den gebeutelten Unternehmen zurückbezahlt werden müssen. Hier müssten die Steuern allgemein ausgesetzt oder stark reduziert werden, dann würde es der Wirtschaft wirklich helfen. So lässt sich die Regierung feiern, aber zahlen müssen es die Wirtschaftstreibenden.“
Wie gehen Sie im Verein damit um? Absolvieren alle Spieler Heimtraining? Wird das überprüft?
„Wir haben seit der Maßnahmen der Regierung den Betrieb eingestellt. Ein gemeinsames Training ist nicht möglich. Jeder Spieler hat das bei uns selbst in der Hand und sorgt für seine Fitness. Da wir keine Informationen haben, wann es wieder geht, können wir von den Kickern auch nicht verlangen jetzt normal zu trainieren.“
Gibt es regelmäßig telefonischen Kontakt mit den Spielern?
„Mit einzelnen Spielern telefoniere ich zwischendurch. Wir haben eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe, in der wir uns austauschen. Aktuell war die #stayhomestayfit Challenge (Video) eine lustige Auflockerung und jeder hat mitgemacht.“
Werden aktuell die Spielergehälter weiter bezahlt, oder gibt es eine Sonderabsprache mit den Spielern?
„Wir sind im Amateurfußball und alle Spieler bekommen Aufwandsentschädigungen. Daher werden bis auf Weiteres keine Aufwandsentschädigungen ausbezahlt. Im Endeffekt haben wir schon zwei Monate finanzieren müssen, ohne Einnahmen durch die Spiele zu erhalten. So gesehen ist es wirtschaftlich für den Verein auch nicht einfach. Aber wenn alle zusammenhalten, werden wir das auch meistern.“
Gehen Sie davon aus, dass im Frühjahr gar nicht mehr gespielt wird? Wenn ja, was würde das für die Finanzen Ihres Vereins bedeuten?
„Aus meiner Sicht wäre es am sinnvollsten jetzt eine Entscheidung zu treffen und die Saison zu beenden. Ich weiß nicht, wie eine reguläre Saison noch ablaufen soll. Vor Mai wird es kaum möglich sein, zu starten. Denn, wenn Mitte April Maßnahmen gelockert werden, muss sich jede Mannschaft mindestens zwei bis drei Wochen vorbereiten, um wieder halbwegs in Schuss zu kommen. Keiner kann aktuell ein normales Training absolvieren. Dass man in sechs Wochen eine Saison mit 15 Spielen durchbringen soll, erscheint mir unmöglich. Gerade im Amateurbereich sind die Termine unter der Woche nicht für jeden einfach zu lösen. Für uns wäre eine rasche Entscheidung am besten. Vor allem deshalb, weil wir im Sommer gerne unser Kunstrasen-Projekt realisieren wollen. Wie die Saison gewertet wird, muss der Verband entscheiden. Wir können mit jeder Entscheidung leben, auch wenn ich eine Annullierung der Saison für die ,einfachste‘ finden würde. Eine Lösung, mit der alle glücklich sind, wird es ohnehin nicht geben, aber bei dieser Entscheidung kommen die wenigsten Fragen auf.“
Stehen die Sponsoren in dieser schwierigen Situation weiterhin zum Verein bzw. zu ihren Zusagen?
„Die wichtigste Frage wird für uns sicher sein, wie der geomix Soccer Store durch diese Phase kommt. Unser Hauptsponsor finanziert unser gesamtes Projekt maßgeblich und es bleibt für uns nur zu hoffen, dass sie die Krise gut bewältigen. Ohne den geomix Soccer Store kann das gesamte Kinderprojekt kaum finanziert werden. Jeder Unternehmer muss in dieser Phase als erstes auf sich schauen, um diese Krise zu überstehen. Wir haben mit unseren Sponsoren grundsätzlich ein gutes Einvernehmen und sie stehen hinter unserem Projekt.“
Welche Maßnahmen wünschen Sie sich von der Bundesregierung, um die Vereine während bzw. nach dieser schweren Zeit zu unterstützen?
„Also, da bin ich eher bei der Einstellung der deutschen Bundesligavereine. Ich finde nicht, dass Steuerzahler den Fußball finanzieren müssen. Also erwarte ich von der Regierung überhaupt nichts in diese Richtung. Wir würden uns freuen, wenn Infrastrukturkosten, um den Spielbetrieb und Trainingsmöglichkeiten für die Kinder- und Jugendlichen unterstützt werden. Aber Gehälter bzw. Aufwandsentschädigungen im Amateurfußball zu finanzieren, sollte nicht die Aufgabe der Bundesregierung sein. Vielleicht findet durch die Krise auch ein Umdenken im Amateurfußball statt.“