Infoabend zum Brennpunkt-Thema Zweitwohnsitze

Das neu errichtete Chalet-Dorf in Haus/E., das von den Betreibern als exklusive Ferienanlage „Bergresort Hauser Kaibling“ vermarktet wird.

Am Dienstag, dem 11. Februar um 20 Uhr laden das Bürgerforum Lebenswerte Region und „Der Ennstaler“ im Veranstaltungszentrum Ramsau zu einem Informationsabend mit Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gerlind Weber ein.
Sie gehört zu Österreichs gefragtesten Stimmen im Bereich Raumordnung und gab unmittelbar nach der ORF-Sendung „Am Schauplatz – Geld versetzt Berge“ ein viel beachtetes Interview in der ZiB 2. Weber wird im VAZ Ramsau am Dachstein zum Thema „Landschaftsfraß ohne Ende? Nein danke! Warum und wie ist eine Tourismusgemeinde vor baulicher Übernutzung zu schützen?“ sprechen und stellt sich anschließend einer Diskussion. Vorrangig geht es um die Frage: „Wie kann eine Gemeinde, ein Bürgermeister, jeder einzelne Gemeinderat zu einer verantwortungsbewussten Raumordnung und damit zu einer zukunftsfesten Gemeindeentwicklung beitragen?“
Offene Veranstaltung
Im Vorfeld der Veranstaltung trifft Gerlind Weber einige Grundsatzfeststellungen: „Die attraktive Gebirgslandschaft ist auch für die Region Schladming ‚Geschäftsgrundlage‘ eines prosperierenden Tourismus. Doch es gilt Maß zu finden und zu halten, denn beispielsweise ist die Landschaft durch ein Zuviel an Baulichkeiten, Verkehrswegen und touristischen Anlagen zerstörbar. Über die ökologischen und ästhetischen Bedrohungen hinaus ist auch das gedeihliche Zusammenleben der Generationen in Gefahr: Zu hohe Baugrundstückspreise und Mieten in touristischen ‚Sehnsuchtsorten‘ erzwingen vielfach die Abwanderung der Jungen. Zudem veranlasst eine zu einseitige Fokussierung auf den Tourismus und daraus resultierender Mangel an Erwerbsalternativen vor Ort zum Abwandern.“ Die Veranstaltung in der Ramsau ist für jeden interessierten Bürger frei zugänglich. Alle aktiven Gemeinderäte der Kleinregion Schladming (Gemeinden Ramsau, Schladming, Haus im Ennstal und Aich) wurden persönlich dazu eingeladen.
Grüne Landtagsinitiative
Nach einem „offenen Brief“ des Bürgerforums an die steirische Landesregierung Anfang des heurigen Jahres haben Landespolitiker verschiedener Parteien Unterstützung und Lösungsbereitschaft signalisiert. Die Grünen starteten mittlerweile sogar eine Landtagsinitiative. LAbg. Lambert Schönleitner: „Trotz des Aufschreis setzt die schwarzrote Regierungskoalition lieber weiter auf Kalmieren statt auf ambitioniertes Handeln. Die beabsichtigte Vorgangsweise von ÖVP und SPÖ ist viel zu defensiv!“ Schönleitner drängt auf die Einberufung eines Zweitwohnsitzgipfels unter Einbindung der betroffenen Gemeinden. Außerdem fordert er eine Stabsstelle „Zweitwohnsitze“ auf Landesebene einzurichten, um Gemeinden bestmöglich zu unterstützen und einige konkrete Lösungsansätze in einer Novelle zu den entsprechenden Gesetzen im Landtag zu implementieren. „Andere Bundesländer gehen viel entschlossener an das Problem heran“, so Schönleitner: „In Tirol wurde im Landtag ein umfassendes Unterstützungspaket für Gemeinden beschlossen, wie sie illegale Freizeitwohnsitze identifizieren und diesen entgegentreten können. In Salzburg ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, dass pro Gemeinde höchstens 16 Prozent aller Haushalte Zweiwohnsitze sein dürfen“, zählt er auf. Diese Entschlossenheit fordern die Grünen nun auch von ÖVP und SPÖ. Auch im Bürgerforum ist man fest entschlossen, zusammen mit Vertretern der Gemeinden, des Landes und der Medien den „Brennpunkt Zweitwohnsitze“ zu lösen. Ein Vertreter des Bürgerforums stellt sich die Frage: „Sind wir letztlich nicht alle an einer wirtschaftlichen, umweltbewussten und sozial verträglichen Entwicklung für eine gute Zukunft interessiert?“