Im Lebensraum Natur wird es immer enger

Über 300 Besucher kamen zur Veranstaltung, bei der die unterschiedlichen Interessen zwischen allen am Tourismus Beteiligten deutlich wurden. Foto: Ennstaler

Dass der florierende Tourismus und die boomende Freizeitwirtschaft auch ihre Schattenseiten haben, wurde bei einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Congress Schlad­ming deutlich. Beleuchtet wurden vor allem Interessenkonflikte mit der Land- und Forstwirtschaft sowie der Jagd und Fischerei. Resümee des Abends: Der Platz im Lebensraum Natur wird immer mehr eingeengt.
Die Kleinregion Schladming – mit seinen eingemeindeten Ortsteilen Pichl-Preunegg und Rohrmoos sowie den Gemeinden Ramsau am Dachstein und Haus im Ennstal – gilt als Tourismus-Hotspot der Steiermark. Die vormals eher auf den Wintertourismus ausgerichtete Region, verzeichnet mittlerweile auch im Sommer starke Zuwächse, was nicht nur Wohlstand bringt, sondern auch für viele Probleme und teilweise schon Unmut sorgt. Die Innovations- und Entwicklungs-Gesellschaft Schladming griff das Thema mit seinen vielseitigen Interessenkonflikten auf und lud am Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung in den örtlichen Congress, die mit über 300 Besuchern großen Anklang fand. Am Podium diskutierten Georg Berger, Ortsbauern-Obmann von Ramsau am Dachstein und Obmann der „Ramsauer Bioniere“, Herbert Raffalt, Bergführer und Naturfotograf, Bezirksjägermeister Johann Trinker und dessen Stellvertreter Johannes Zeiler. Die rechtliche Seite beleuchte der bekannte Anwalt Dr. Hans Moritz Pott, zu Versicherungsfragen nahm Johannes Rumpl, Landesdirektor der Uniqua, Stellung. Die Bürgermeister der Kleinregion vertrat Gerhard Schütter. Moderiert wurde der Abend von Mag. Hannes Zeichen, Geschäftsführer der Innovations- und Entwicklungsgesellschaft Schladming.
Vorab: Die Idee, das Thema aufzugreifen und nach Lösungsansätzen zwischen den verschiedenen Interessensgruppen zu suchen, war und ist gut, doch in der Umsetzung gibt es noch viel Luft nach oben. Denn nach einem guten Beginn verzettelten sich die Diskutanten in zu viele Details, wodurch die Veranstaltung viel zu langatmig wurde. Besucher, die sich gerne aktiv in die Diskussion eingebracht hätten, verließen frühzeitig den Saal.
Dr. Hans Moritz Pott ging in seinem Eingangsstatement auf das bekannte „Kuh-Urteil“ von Innsbruck ein und informierte über die möglichen Folgen. Pott: „Zu Erholungszwecken darf jeder in die Natur gehen. Doch Eigentum ist heilig und zu schützen. Radfahren, Reiten oder andere Freizeitaktivitäten sind daher nur mit dem Einverständnis der Grundeigentümer möglich“, so der Anwalt, der auch dazu geraten hat, dass Tourismusverbände oder Kommunen unbedingt Verträge mit Grundbesitzern abschließen sollten.
Einig waren sich alle Diskutanten, dass Hunde ein großes Problem darstellen. Gab es vor etwas mehr als zehn Jahren fast nur „Gebrauchshunde“, entwickeln sich die Vierbeiner heute immer mehr zum Lebenspartner-Ersatz. Dies führt dazu, dass viele Gäste ihre geliebten Tiere mit in den Urlaub nehmen, mit ihnen in den Wald oder auf Almen gehen. Stoßen sie dann zum Beispiel auf eine Herde von Mutterkühen mit Kälbern, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. „Eine Mutterkuh sieht in einem Hund eine große Gefahr für ihr Kalb und hat den natürlichen Instinkt es zu verteidigen“, so Georg Berger, der in diesem Zusammenhang aber nicht nur Gäste, sondern auch Einheimische in die Pflicht nahm: „Hunde gehören an die Leine!“.
Der Ramsauer „Bionier“ warf auch die Frage auf, ob es sinnvoll ist, in der Region weiter auf Massentourismus zu setzen, während die Qualität immer mehr auf der Strecke bleibt. Hier gingen, naturgemäß die Meinungen auseinander, auch weil ohne hohe Frequenzen zum Beispiel die Bergbahnen nicht wirtschaftlich zu führen sind. Der ständige Anstieg an Touristen, führe auf der anderen Seite aber dazu, dass es im „Lebensraum Natur immer enger wird“, wie Herbert Raffalt sagte und anfügte: „Um 100.000 Euro kommt heute jeder auf den Mount Everest – Bilder von Menschenketten am höchsten Berg gingen kürzlich um die Welt. In diese Richtung zu gehen ist der absolut falsche Weg.“ Raffalt sieht auch in den Social Medias ein Problem, was dazu führt, dass sich die Freizeitnutzer kaum noch einschränken lassen.  
Zu viele Detailfragen von Moderator Hannes Zeichen und verschiedenste Darstellungen und Meinungen der Podiumsgäste führten schließlich dazu, dass die Veranstaltung langatmig wurde. Trotzdem gab es gute Ansätze, die vielleicht einmal Lösungen der unterschiedlichen Interessen zwischen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft auf der einen sowie der Land- und Forstwirtschaft mit Jagd und Fischerei auf der anderen Seite bringen.