Heimische Forscher entdeckten neue Höhle bei Tauplitz

Bei der Wildbaderhöhle im Bereich Tauplitz wurden vom „Verein für Höhlenkunde in Obersteier“ aus Bad Mitterndorf bei einer 91-stündigen Forschungstour eine neue Höhle, Schachtsysteme und ein blau schimmernder See in 1082 Metern Tiefe entdeckt. Foto: VHO/Robert Seebacher

Einen großen Erfolg kann der „Verein für Höhlenkunde in Obersteier“ aus Bad Mitterndorf verzeichnen. Auf 1082 Metern Tiefe entdeckten Andreas Glitzner, Christoph Peer und Robert Seebacher neue Schachtsysteme und einen blau schimmernder Höhlensee.
Vor kurzem unternahmen die drei Höhlenforscher eine insgesamt 91-stündige Forschungstour in die Wildbaderhöhle im Bereich Hochweiß-Plankermira in Tauplitz im Südostmassiv des Toten Gebirges. „Die Höhle wurde von unseren Mitgliedern bereits in den 80er-Jahren entdeckt und teilweise erforscht. Auch Spezialisten aus Frankreich sind bis zu einer Tiefe von 800 Metern gekommen und haben dann ihre Forschungen abgeschlossen. Da diese Höhle für uns jedoch sehr interessant ist, wollten wir weitere Erkundungen anstellen“, erklärt Obmann Robert Seebacher. Die aktuelle Tour musste im Winter durchgeführt werden, da das Tiefensystem der Höhle im Sommer stark wasserführend ist. Bei Regenfällen kann die Schüttung anschwellen und bei Gewittern sogar lebensbedrohliche Ausmaße erreichen. Bei optimalen, sicheren Bedingungen gelang ein langer und ausführlich geplanter Tiefenvorstoß. Der sechs Kilometer lange Zustieg erfolgte mittels Tourenschi von der Tauplitzalm über die Trageln zum Eingang, welcher auf ca. 2000 Metern Seehöhe liegt. Am selben Tag stieg das Team über bis zu 153 Meter tiefe Schächte und Canyons bis zum ersten Biwak in knapp 400 Metern Tiefe ab. Am nächsten Tag  ging es dann weiter über nasse Schächte und durch Engstellen bis zu einem großen Gang in rund 870 Meter Tiefe. Dort wurde ein Biwak eingerichtet, um von dort aus die weiteren Forschungen durchzuführen.
Bereits im Herbst 2019 gelangten Heidrun André, Andreas Glitzer, Christoph Peer und Robert Seebacher bis zu einem Schachtabbruch in 916 Metern Tiefe. Dort musste jedoch wegen Zeit- und Seilmangels umgekehrt werden. Nun konnte mit zusätzlichem Seil der Abstieg fortgesetzt werden. „Wir wollten den tiefen Teil dokumentieren und vermessen und so haben wir unten dann eine Fortsetzung entdeckt“, erzählt Seebacher. Über mehrere bis zu 60 Meter tiefe Schachtstufen führte der Weg ins Unbekannte, bis schließlich exakt mit dem letzten Meter Seil ein blau schimmernder Höhlensee erreicht wurde. Es ist bei dieser Tour also gelungen, in einem gewaltigen Schachtsystem ausgehend vom Eingang auf 1998 Metern Seehöhe bis zum Karstwasserspiegel in rund 916 Metern Seehöhe abzusteigen. Der große Endsiphon befindet sich 1082 Meter unter dem Einstieg und liegt bereits rund 300 Meter tiefer als die Ödernalm.
Neue Erkenntnisse
Die jüngsten Forschungen brachten nicht nur den tiefsten Höhlenabstieg, sondern auch interessante neue Erkenntnisse über die Geologie und die Hydrologie des Toten Gebirges. So konnte festgestellt werden, dass in diesem Gebiet ein relativ großflächiger Grundwasserspiegel in etwas mehr als 900 Metern Seehöhe vorhanden ist. Bereits im Jahre 2002 gelang es Peter Jeutter und Robert Seebacher etwa 2,6 Kilometer weiter südöstlich im Gebiet der Trageln bis zu einem Siphon in nahezu der gleichen Tiefe abzusteigen. Das Wasser aus diesem ausgedehnten Grundwasserspiegel fließt vermutlich zu den westlich bzw. östlich gelegenen Riesenkarstquellen der Stimitz bei Grundlsee bzw. der Steyr in Hinterstoder ab. Die beiden Quellen sind sechs bzw. sieben Kilometer vom Siphon entfernt und entspringen ca. 150 Meter tiefer am Rand des Gebirges. Weiters wurde belegt, dass sich der Dachsteinkalk mindestens von den Gipfeln in 2200 Metern Seehöhe bis zu diesem Wasserspiegel erstreckt und somit über 1,3 Kilometer dick ist. Durch die Vermessung der neuen Abschnitte erhöht sich die Gesamtlänge des ausgedehnten Höhlensystems auf nunmehr 12,3 Kilometer, wobei vor allem in den höheren Etagen noch reichlich Neuland auf die Forscher wartet.
Lange Tradition
Die Höhlenforschung im Steirischen Salzkammergut hat eine lange Tradition und kann auf eine Geschichte von über 100 Jahren zurückblicken. Der erste höhlenkundliche Verein mit dem Namen „Sektion Obersteier des Vereins für Höhlenkunde in Österreich“ wurde am 25. November 1911 in Bad Aussee gegründet. In den folgenden Jahrzehnten kam es im steirischen Salzkammergut mehrfach zu Umorganisationen und Neugründungen höhlenkundlicher Vereine. 1981 erfolgte die Namensgebung „Verein für Höhlenkunde in Obersteier“ in Anlehnung an den ersten, 1911 gegründeten höhlenkundlichen Verein in der Region. Derzeit hat der Verein 172 Mitglieder und forscht nicht nur im Bereich Dachstein und Totes Gebirge, sondern auch teilweise im Ausland.