Gut gemeint, schlecht gemacht

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Die Proteste der deutschen Bundesregierung nach dem Giftanschlag auf einen russischen Oppositionspolitiker sind natürlich absolut berechtigt. Dass man als Sanktion jetzt allerdings den Stopp des Pipelineprojektes Nord Stream 2 in Erwägung zieht, ist aus mehreren Gründen völlig unverständlich. Nicht nur, dass man private Investoren auch aus dem Westen damit schwer beschädigen würde. Vielmehr wäre ein Baustopp ein herber Rückschlag für die deutsche und die gesamteuropäische Energiewende.

Denn im Gegensatz zu den unrealistischen Zielen der EU, die von einer CO₂-freien Energieerzeugung schwadronieren, laufen wir Gefahr, demnächst mit unserer Energieversorgung vollends überfordert zu sein. Schließlich fußt die Energiewende auf der Verhinderung von Treibhausgasen, weswegen etwa Autofahren, Industrie und Raumheizung zukünftig vermehrt mit Elektrizität statt mit fossilen Brennstoffen betrieben werden sollen. Dieser zusätzlich benötigte Strom muss aber auch erzeugt werden.

Wenn man zudem bedenkt, welche riesige Lücke der deutsche Atom- und Kohleausstieg in der Zukunft im europäischen Energieangebot hinterlassen wird, ist ein großer Mangel an Strom schon heute evident. Mit allergrößten Anstrengungen kann bei idealen äußeren Bedingungen diese Energie vielleicht mit erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden. In aller Regel werden dazu aber Gaskraftwerke benötigt werden, zu deren Betrieb auch das nötige Gas vorhanden sein muss. Alles andere ist Träumerei, und gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.