Grüne fordern touristische Neuausrichtung am Dachstein

Am Dachstein befindet sich der östlichste Gletscher des Alpenbogens, der touristisch intensiv genutzt wird. Für Grünen-Landtagsabgeordneten Lambert Schönleitner zu intensiv. Foto: TV Ramsau am Dachstein/photo-austria.at

Massentouristische Nutzung lautet die Kritik vom Grünen Landtagsabgeordneten Lambert Schönleitner. Planai-Chef Georg Bliem kontert: Man mache viel im Bereich Umwelt und arbeite eng mit Experten zusammen.

Der Dachstein. Er ist Naturwunder und Ausflugsziel in einem. 2007 wurde der Skywalk, 2009 der Eispalast und 2013 die Hängebrücke und die Treppe ins Nichts errichtet. Den Dachsteintourismus haben nun die steirischen Grünen ins Visier genommen. In einer Presseaussendung heißt es: „Seit Jahren gibt es Bemühungen, den Dachsteintourismus auf ein zeitgemäßes Qualitätsniveau zu bringen. Der Dachstein soll natürlich nicht gänzlich gesperrt werden, vielmehr muss die Tagesgästezahl deutlich reduziert werden.“ Das sei bereits geschehen, kontert nun Planai-Chef Georg Bliem: „Schon 2015 haben wir eine freiwillige Reduktion von 3500 auf 2500 Gäste pro Tag vorgenommen. Aber auch diese Zahl erreichen wir nur an zehn bis zwölf Tagen im Jahr“, sagt Bliem. Im Schnitt liege die durchschnittliche Besucherzahl im Sommer bei 1000 bis 1200 Gästen pro Tag, so Bliem, der betont: „Achtzig Prozent davon bewegen sich rund um die Bergstation, wo sich unsere Attraktionen, wie etwa der Skywalk, befinden, und nicht am Gletscher.“

Disneyland auf 3000 Meter

Im Zentrum der Kritik steht der Eispalast. Für Schönleitner ein „völlig unzeitgemäßes Bild des ewigen Eises im Disneyland-Modus.“ Auch Ramsaus Bürgermeister Ernst Fischbacher bestätigt ein nicht immer positives Gästefeedback: „Kritik über die Inszenierung des Eispalasts höre ich sehr oft. Ich bin immer nur überrascht, dass ich anscheinend der Einzige bin, bei dem das ankommt“, so Fischbacher, der hinzufügt: „Mag sein, dass von tausend Gästen neunhundert zufrieden sind. Doch man sollte auch die hören, die es nicht sind.“

Grüner Strom für Seilbahn

Die Grünen wollen schon im Herbst Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl im Landtag mit der Causa Dachstein konfrontieren und eine touristische Neuausrichtung des Gletscherjuwels einfordern. Georg Bliem bezieht sich hingegen auf die nachhaltige Bewirtschaftung des Dachsteins. Allein in den letzten Jahren habe man große Investitionen getätigt, wie etwa die Umstellung des Antriebs der Dachstein-Seilbahn von Diesel auf Ökostrom. Im Zuge der geplanten Sanierung der Dachsteinseilbahn-Bergstation soll zudem eine Solaranlage errichtet werden. Laut Georg Bliem will man die nachhaltige Bewirtschaftung am Dachstein weiterhin forcieren. „Wir werden wissenschaftlich unterstützt und haben Spitzenleute, die uns hierbei gut begleiten“, so der Planai-Chef. Derzeit prüfe man kritisch, welche zusätzlichen Maßnahmen es für eine umweltbewusste Bewirtschaftung in den nächsten fünf Jahren brauche.

„Es braucht einen Schulterschluss“

Vergangenen Dienstag hat sich Klimaschutzministerin Leonore Gewessler zusammen mit dem oberösterreichischen Umweltlandesrat Stefan Kaineder und dem Gletscherexperten Klaus Reingruber ein Bild vor Ort gemacht. „Der Dachstein im Zeichen des Klimawandels“ sei das Thema gewesen, das man dabei gemeinsam diskutiert habe, sagt Planai-Chef Georg Bliem. „Seit vierzig Jahren ist es durchgehend wärmer, somit ist der Volumenverlust am Dachstein natürlich enorm“, so Bliem. Heuer sei man aufgrund der Schneemengen bis in den Frühling positiv gestimmt gewesen, doch „der viele Regen im Juli und August war ein großes Problem. Man kann förmlich zuschauen, wie der Gletscher wegrinnt“, sagt Bliem. „Dass der Klimawandel und der Gletscherschwund stattfinden, ist schlimm. Für uns als Wirtschaftsunternehmen bleibt die Frage, wie wir damit umgehen können“, so der Planai-Chef, der betont, es brauche einen Schulterschluss zwischen den Planai-Bahnen, alpinen Vereinen, Politik und Naturschutz, denn „die Problematik betrifft nicht so sehr unsere Infrastruktureinrichtungen, die sich schließlich rund um die Bergstation befinden, sondern vor allem Wege und Gletschersteige. Diese gehören permanent beobachtet und müssen schon jetzt immer wieder verändert werden.“

Gletscher schmilzt weiter

Das Tempo der Klimaerwärmung nimmt rasant zu. In den nächsten 30 Jahren rechnet man mit einem weiteren Volumenverlust des Gletschers von 50 Prozent. Alarmierende Zeichen, die auch bei der Begehung mit Klimaschutzministerin Gewessler debattiert wurden. Man sei so  verblieben, dass man in Zusammenarbeit mit der steirischen und der oberösterreichischen Landesregierung entscheiden werde, wie und welche Infrastruktur man in Zukunft weiter bedienen werde, sagt Bliem, der betont: „Eine länderübergreifende, fachkundige Begleitung, über die ich sehr froh bin.“