Grabnerhof realisiert Großprojekt

Auf einer Gesamtfläche von 1500 m² erstrecken sich die Technikwerkstätten, die nach großen Umbaumaßnahmen nun eröffnet wurden.

Zwei Jahre Bauzeit und eine Investition von 1,1 Millionen Euro waren für die Eröffnung der neuen Technikwerkstätten nötig. Neu ist auch die verpflichtende Facharbeiter-Prüfung, die Schüler am Ende des dritten Lehrgangs ablegen.
Nach der Generalsanierung des Schulgebäudes im Jahr 2013 und dem Neubau der Ställe im Jahr 2017 hat man am Grabnerhof mit der Eröffnung der Technikwerkstätten das nächste Großprojekt umgesetzt. Auf 1500 m² erstrecken sich sowohl eine Tischlerei wie Schlosserei als auch die Werkstätten für den Forst- und Bauunterricht sowie jene für Landmaschinenmechanik. Sie sind im einstigen Milchviehstall untergebracht, der einem großangelegten Umbau unterzogen wurde, nachdem sich die alten Werkstätten aufgrund niedriger Raumhöhe, Platzmangels, schlechter Beleuchtung der Arbeitsbereiche und Sicherheitsmängel als nicht mehr zeitgemäß erwiesen haben. Schuldirektor Christian Forstner verweist auf die Notwendigkeit der neuen Werkstätten: „Der praktische Unterricht ist in einem Schultyp wie dem unseren ein absolut zentrales Thema. Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in unserem Lehrplan wider, der dafür ein Drittel des Gesamtumfangs vorsieht.“
Mädchenanteil steigend
132 Schüler und Schülerinnen besuchen derzeit den Grabnerhof, 18 Prozent davon sind Mädchen. Tendenz steigend. „Für mich ist diese Entwicklung völlig klar“, sagt Schuldirektor Christian Forstner über den stetig zunehmenden Mädchenanteil. Gerade bei Nebenerwerbsbauern würden immer mehr Frauen die Betriebsführung übernehmen, weiß Forstner, weswegen „sich die Mädchen, die wir hier haben, sehr bewusst für diese Ausbildung entschieden haben und die dreijährige Fachschule auch abschließen.“ Neuerdings mit dem Facharbeiterbrief in der Hand. Basierte diese Prüfung am Ende des dritten Lehrgangs bislang auf freiwilliger Basis, ist sie nun verpflichtend. Auch die Benotung wurde angepasst. „Das Kernstück ist eine praktische Prüfung, in die auch theoretische Inhalte einfließen“, so der Schuldirektor, der ein Beispiel einer Prüfungssituation im Bereich der Forstwirtschaft liefert: „Der Prüfling muss einen Baum fachgerecht fällen und dabei auch über die Vermarktung des Holzes Auskunft geben können“, erklärt Forstner. Die Note ergibt sich aus dem Ergebnis beider Aufgabenstellungen. Eine getrennte Bewertung von Theorie und Praxis ist somit nicht mehr erforderlich.
Gefragte Absolventen
Mit einer komprimierten Lehrzeit werben auch viele Unternehmen um den begehrten Nachwuchs aus dem Grabnerhof. „Wir arbeiten eng mit Betrieben im gesamten Ennstal zusammen. Unsere Absolventen sind äußerst gefragt, denn sie haben den Ruf, sehr geschickt zu sein“, weiß Forstner und unterstreicht das handwerkliche Talent seiner Schützlinge, das nicht nur in den Technikwerkstätten geformt wird. Unter fachkundiger Anleitung produzieren Schüler Apfelsaft, Most, Cider, Brot, verschiedene Wurst- und Käsesorten und brauen sogar Bier. Vertrieben werden die selbstgemachten Spezialitäten im Hofladen, der in Kürze seinen Standort wechseln soll. Nach der Sanierung des Schlachtraums wird er sich ein und dasselbe Gebäude mit der Fleisch- und der Milchproduktion teilen. Einstweilen ist er noch in einem Knusperhaus aus dem 12. Jahrhundert untergebracht, das in Zukunft für die Bereiche Bienenkunde und Jagdtheorie genutzt werden soll. Auch ein Schauraum für Forstkunde ist in Planung. Räumliche Veränderungen bzw. Erweiterungen sind ebenso in der Kartoffel- und Obstverarbeitung sowie in der Maschinenunterbringung geplant.
Haltung und Verarbeitung von Wild
Zum umfangreichen Praxisunterricht zählt auch das Zerteilen und Verarbeiten von Wildfleisch, denn  „die Haltung von Wild ist eine gute landwirtschaftliche Alternative für die Nutzung von Steilflächen“, so Schuldirektor Forstner. Seit März verfügt der Grabnerhof über eine eigene Sikawild-Herde. Für diese haben Schüler im Zuge des Projektunterrichts ein eigenes Fütterungsgebäude sowie einen Futtertisch und ein Futterlager errichtet.