Gestraft genug

In zahlreichen Schulen kam es diese Woche zu Protesten, weil die mündliche Matura heuer wieder verpflichtend sein wird, während das in den beiden letzten Jahren nicht der Fall war. Unbestritten ist der heurige Maturajahrgang wohl am stärksten von den Schulsperren betroffen, seit zwei Jahren gab es einen sehr unregelmäßigen und äußerst fordernden Schulbetrieb. Jetzt für diese Schüler eine Verschlechterung einzuführen, ist wirklich ein wenig unverständlich.

Natürlich soll die Matura einen gewissen Leistungslevel der Absolventen garantieren, wozu ja auch die Zentralmatura eingeführt wurde. Diese soll einen möglichst vergleichbaren Schlusspunkt der Schulkarriere darstellen, der die Eignung für ein Studium oder den Einstieg ins Berufsleben belegen soll. Und dazu gehört auch die mündliche Prüfung, wobei die Beurteilung einer schriftlichen Arbeit sicher neutraler erfolgen kann als die einer mündlichen durch eine Prüfungskommission. Aus dieser Sicht scheint die mündliche Prüfung also nicht zwingend notwendig.

Vor allem scheint es aber ein Gebot der Gerechtigkeit zu sein, auch den heurigen Jahrgängen dieselbe Erleichterung zu bieten, die es auch in den letzten beiden Jahren gegeben hat.

Immerhin gibt es ja beim Zugang zu den Universitäten oder zum Arbeitsmarkt auch einen Wettbewerb zwischen den einzelnen Jahrgängen, der fair sein sollte. Und wer heuer zur Matura antritt, ist gestraft genug von den letzten beiden Jahren, da kann eine kleine Erleichterung wirklich nicht schaden.

              Franz Wallig