Gesäuse will Österreichs zweiter Sternenpark werden

Der Sternenhimmel über dem Gesäuse ist eine europaweite Sensation. Nun soll das Gebiet zertifiziert werden. Foto: Andreas Hollinger

Die Nationalparks Gesäuse und Kalkalpen, das Wildnisgebiet Dürrenstein und der Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen sollen zu einem großen Sternenpark werden. Die Chancen stehen gut: Das Gesäuse weist österreichweit die geringste Lichtverschmutzung auf.

Der Blick in die Sterne birgt eine Faszination, die wohl seit Urzeiten besteht. Rund 200 Milliarden Sterne zählt die Milchstraße. Ohne Teleskop sind gerade einmal 6000 Sterne von der Erde aus sichtbar. Die meisten davon versinken im Lichtermeer der Städte. Nur dort, wo weder die Beleuchtung von Gebäuden, Werbetafeln oder Straßenlaternen die Nacht erhellen, sind sie mit bloßem Auge erkennbar. Ein solcher Ort ist das Gesäuse. „Messungen haben ergeben, dass das Gesäuse das dunkelste Gebiet von ganz Österreich mit der geringsten Lichtverschmutzung ist“, sagt Nationalpark-Direktor Herbert Wölger. Speziell der Osten des Bezirkes, also das Gebiet von Admont über Wildalpen bis hin zur niederösterreichischen Grenze, sei aufgrund der geringen Besiedelung besonders zum Beobachten der Sterne geeignet. „Auch die Topographie und atmosphärische Verhältnisse wirken hier positiv mit ein“, so Wölger. Seit Jahren bietet der Nationalpark Fotoworkshops bei Nacht an, diese sind „völlig überbucht und das, obwohl wir jährlich das Angebot erhöhen“, sagt der Nationalpark-Direktor. Somit wäre auch aus touristischer Sicht die Ausweisung zum Sternenpark durchaus interessant. Schon jetzt würden Gäste eigens in Johnsbach übernachten, nur um abends in den Sternenhimmel schauen zu können, so Wölger, der jedoch betont: Das Ziel der Ausweisung zum Lichtschutzgebiet sei nicht, dass Menschen in Massen nachts ausströmen. Schon jetzt habe man die Kursorte der Workshops so gewählt, dass es keine negativen Auswirkungen auf Mensch und Tier gebe. „Um gute Fotos aufzunehmen, muss man nicht ins Hinterland wandern, das gelingt genauso gut gleich neben der Straße auf der Buchau oder in Gstatterboden direkt im Ort“, betont Wölger.

Gemeinden mit ins Boot holen

Die Ausweisung zum Lichtschutzgebiet würde sich in mehreren Bereichen positiv auswirken, so Wölger, der sich unter anderem auf einen erholsamen Schlaf, die Förderung der Biodiversität, geringeren Stromverbrauch und Klimaschutz bezieht. In einem ersten Schritt ist man an die Bürgermeister relevanter Gemeinden herangetreten, um über das Vorhaben zu informieren, denn im Gesäuse strebt man Großes an: Der Lichtpark soll sich über den Nationalpark Gesäuse, den Nationalpark Kalkalpen, das Wildnisgebiet Dürrenstein und den Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen erstrecken. „Die kleinere Version würde sich nur auf den Nationalpark Gesäuse beziehen. Unsere Bemühungen drehen sich jedoch um das große Gebiet. Natürlich nur, wenn die Gemeinden Interesse haben und mitziehen“, sagt Wölger. Ob dieses Interesse seitens der Gemeinden besteht, werde derzeit erhoben, teilt der Nationalpark-Direktor mit. In einem weiteren Schritt wolle man sich mit der Bewilligungsbehörde, der International Dark-Sky Association, in Verbindung setzen, um die Rahmenbedingungen zu klären. Einer Bewilligung sieht man schon jetzt positiv entgegen. Würde der Sternenpark im Gesäuse bzw. in der Großregion der drei Schutzgebiete umgesetzt werden, wäre dieser das bislang zweite zertifizierte Lichtschutzgebiet Österreichs. Zum ersten Sternenpark Österreichs wurde das Gebiet Attersee-Traunsee im April dieses Jahres ernannt.

Eine Zertifizierung würde jedoch auch einige nötige Anpassungen mit sich bringen: „Gerade bei größeren Betrieben, bei Bahnhöfen und der Straßenbeleuchtung müsste sichergestellt werden, dass eine möglichst für den Nachthimmel geeignete Beleuchtung verwendet wird“, sagt Wölger.