Gesäuse: Weitere Ausdünnung des öffentlichen Verkehrs

Romantisch: Mit dem Boot durch das Gesäuse. Doch auch auf den Straßen braucht es nachhaltige Mobilitätslösungen. Foto: Stefan Leitner

Der Fahrradtransport per Bus wird ab dieser Saison eingestellt und auch das Gesäuse-Sammeltaxi hängt in der Schwebe. Tourismus-Chef David Osebik: „Es braucht ein nachhaltiges Verkehrskonzept.“
Das Gesäuse wächst. Schon ab Ende Oktober wird es mit dem Paltental sowie dem gesamten unteren Ennstal verschmelzen und eine neue Erlebnisregion bilden. Grund dafür ist die aktuelle Strukturreform im Tourismus, welche die Fusion kleiner Verbände zu großen schlagkräftigen Regionen vorsieht. Im Gesäuse war man bereits in den vergangenen Jahren auf Erfolgskurs. Als unverfälscht, natürlich und wild präsentiert sich die Region seit dem Markenrelaunch im Frühjahr 2016. Ein neues Image, das es in sich hat: Allein in Admont schnellte die Zahl der Urlaubsgäste in den vergangenen Jahren um 48 Prozent nach oben. Diesen Kurs will man nun auf die neue Großregion ausdehnen und dabei die Stärken der Neuzugänge ausspielen, natürlich unter der Dachmarke „Gesäuse“. In einem ersten Schritt werde man Website sowie Bilddatenbank erweitern und eine Markenfamilie entwerfen, sagt der Geschäftsführer der neuen Erlebnisregion Gesäuse, David Osebik. Auch die Standorte von Verwaltung und Infobüros wurden bereits fixiert. „Unser Hauptsitz wird weiterhin in Admont bleiben. Dazu wird es ein weiteres Infobüro in Liezen geben und eines, das wir flexibel positionieren können“, so Osebik. Ein mobiles Infobüro also, das im Sommer vorwiegend in Wildalpen und während des Winters dort eingesetzt wird, wo die Besucherfrequenz am höchsten ist.
Liezen-Gutschein bleibt erhalten
Auch der Tourismusverband Liezen fusioniert mit dem Gesäuse. Eine Verordnung, die vor allem die Sorge um das Weiterführen des Liezen-Gutscheins mit sich brachte. Im Gesäuse gibt man nun Entwarnung: „Dieses tolle Projekt darf auf keinen Fall sterben“, betont Osebik, weshalb „wir den Liezen-Gutschein sogar über die gesamte, neue Erlebnisregion ausdehnen wollen.“ Somit wäre der Gutschein nicht mehr nur bei Mitgliedsbetrieben in Liezen, sondern ebenso im Paltental, Admont und dem gesamten Gesäuse möglich. Ein Konzept, das jedoch erst von zuständiger Landesstelle genehmigt werden müsse, so Osebik. Erst dann könne man mit einer konkreten Planung beginnen.
Keine Fahrradmitnahme per Bus
Anders als bei den Gutscheinen verhält es sich beim öffentlichen Verkehr. Dieser wird nicht ausgedehnt, sondern läuft Gefahr, weiter ausgedünnt zu werden. Gerade während der vergangenen Sommersaison wurde der Ruf nach einer Verkehrsberuhigung im Gesäuse laut. In einem Brief einer deutschen Urlauberin, der an politische Entscheidungsträger und Medien ging, war von dem Lärm manipulierter Motorräder bis in hochalpine Höhenlagen, zu wenigen Verkehrskontrollen, gefährdeten Radfahrern und beispielloser Verantwortungslosigkeit zu lesen. Dass es eine nachhaltige Verkehrslösung brauche, betonten auch der örtliche Tourismusverband sowie der Nationalpark Gesäuse. Letzterer kommunizierte seine Forderungen über Facebook: Gefahrlos als Fußgänger zum Gesäuseeingang zu gelangen, Tempolimit 70 km/h, Fahrverbot für LKW und Motorräder. Doch statt einer Besserung der Situation tritt mit der nächsten Sommersaison sogar noch eine Verschlechterung ein. „Postbus hat uns mitgeteilt, dass es die Fahrradmitnahme durch das Gesäuse künftig nicht mehr geben wird“, sagt Osebik. Und auch das Gesäuse-Sammeltaxi hängt in der Schwebe.
Gesäuse-Sammeltaxi braucht neuen Träger
Als „Gseispur“ 2013 ins Leben gerufen, bildet diese Mobilitätsform eine wesentliche Ergänzung zum öffentlichen Verkehr im Gesäuse. „Genutzt wird das Angebot sowohl von Einheimischen als auch von Gästen“, so Osebik. Seit der Gründung des Projekts wurde es von Tourismusverband und Nationalpark Gesäuse finanziert, „was nun nicht mehr möglich ist“, betont Osebik. Grund dafür sei die Tourismus-Strukturreform, wodurch sich die Verbände auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren sollen: Das Marketing. Der rechtliche Rahmen für strukturerhaltende Maßnahmen ist nicht mehr gegeben. Um das Sammeltaxi weiter fortführen zu können, muss ein anderer Träger gefunden werden. Ob die Gemeinde Admont das Gesäuse-Sammeltaxi übernehmen wird, ist derzeit noch unklar. „Erst müssen wir uns mit den Kosten beschäftigen, was ein eigener Ausschuss übernehmen wird. Dass eine Lösung gefunden werden muss, hat für uns einen hohen Stellenwert. Trotzdem kann ein derartiges Projekt nicht allein von der Gemeinde bewerkstelligt werden“, so Admonts Bürgermeister Christian Haider, der eine Möglichkeit der Aufrechterhaltung des Angebots in Form von Förderungen sieht.
Ausseerland arbeitet an Mobilitätslösungen
Vor demselben Problem stand man zu Jahresende auch im Ausseerland, als der Narzissenjet aufgrund von geänderten Förderauflagen eingestellt werden musste. Hier ist man jedoch einer Lösung schon einen Schritt näher als im Gesäuse und arbeitet bereits an einem Nachfolgemodell. „In unserem Bezirk ist die Mobilität eine riesengroße Herausforderung, allein schon aufgrund der Topografie“, gibt Eva Stiermayr zu bedenken. Die Leiterin des Regionalmanagements Bezirk Liezen (RML) und ihr Team haben sich in einem bezirksweiten Projekt mit dem Ausbau von Mikro-ÖV-Systemen beschäftigt. Fazit: Weder ökologisch noch wirtschaftlich. Nun finanziert das RML eine Studie, die sich mit einem bedarfsorientierten wie auch wirtschaftlich sinnvollen Nachfolgemodell beschäftigt. Als Pilotregion hat sich das Ausseerland zur Verfügung gestellt. „Wohin die Reise geht, wissen wir bis dato noch nicht“, sagt Projektträger Franz Steinegger, Grundlsees Bürgermeister. Denn bevor es in die Planung geht, wird die Gesamtmobilitätssituation der Region eingehend beleuchtet. „Wir analysieren genauso Geh- und Radwege als auch den Freizeit- und Berufsverkehr und erhalten so Erkenntnisse, in welchen Bereichen wir Verbesserungen herbeiführen müssen“, so Steinegger, der betont: „Dabei dürfen wir nicht vergessen, wie stark die Bevölkerung im Ausseerland das eigene Auto favorisiert. Also muss ein Angebot entwickelt werden, das noch attraktiver ist als der eigene PKW.“ Schon 2024 wird das Salzkammergut gemeinsam mit Bad Ischl Kulturhauptstadt sein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt braucht man nachhaltige Verkehrslösungen, wessen man sich im Ausseerland bewusst ist. Ein Schritt, der auch im Gesäuse notwendig wäre, wie David Osebik betont.