Gesäuse steigt auf die Barrikaden

Was, wenn man dem Lärm auch auf den höchsten Gipfeln nicht mehr entfliehen kann? Foto: Jeitler

LKW-Mautflüchtlinge und massive Lärmbelästigung durch Motorräder. Eine Petition soll nun die Verkehrsberuhigung auf der B 117 und der B 146 herbeiführen. Der zuständige Verkehrslandesrat sieht Lösung in einer Abänderung der StVO.

Die Grünen und die Bürgerliste Admont haben vergangenen Freitag eine Petition gestartet, die an die Landesregierung und den Landtag gerichtet ist. Die Forderung: Eine Tonnagebeschränkung und Lärmreduktion auf der B 117 und B 146. Wolfgang Riedl, stellvertretender Bezirkssprecher der Grünen: „Wir erwarten uns, dass die Lücke der Tonnagebeschränkung, wie sie noch zwischen Ardning und der Landesgrenze zu Oberösterreich existiert, geschlossen wird.“ Im erhöhten Verkehrsaufkommen, insbesondere durch schwerfällige LKWs, sieht Riedl ein großes Sicherheitsrisiko für die örtliche Bevölkerung: „Aus den vielen Rückmeldungen von Pendlern wissen wir, wie viele brenzlige Situationen es im Zusammenhang mit LKWs bereits gegeben hat“, so Riedl. Neben dem Schwerverkehr macht die Petition noch auf eine weitere Problematik aufmerksam: Die Lärmbelästigung in der Nationalparkregion. Diese soll auf maximal 95 Dezibel auch im Sinne eines hohen Qualitätsstandards im Tourismus gesenkt werden.

Lärm bis in Gipfellagen

Ein kurzer Rückblick: Bereits im Vorjahr schlug der Brief einer deutschen Urlauberin hohe Wellen: „In unmittelbarer Nähe des großen Wasserfalls am Wasserfallweg (Bereich Gstatterboden-Kummerbrücke) war der Lärm der Motorräder aus dem Tal bis in hochalpine Regionen zu hören. Urlauber kostet das den Erholungswert, für die Umwelt ist dies jedoch ein Desaster. Auf diesen Umstand angesprochen, teilte man uns auf einer Hütte mit, dass die Gegend bei Motorradfahrern im In- und Ausland beliebt sei, denn neben den kurvenreichen Straßen gebe es in der Obersteiermark keine Kontrollen zu befürchten. Tirol sowie Oberösterreich werden zunehmend gemieden, denn hier werde die Lautstärke der Motorräder kontrolliert, während dies in der oberen Steiermark nicht zu befürchten sei. Was hier der Natur, aber auch den Touristen zugemutet wird, ist eine Katastrophe. Dass man in einem Nationalpark jeden Tag grenzenlosen Lärm durch offenbar manipulierte Motorräder akzeptiert, Radfahrer gefährdet, letztlich eine Region dem Wahnsinn auf öffentlichen Straßen opfert, zeugt von beispielloser Verantwortungslosigkeit“, lautet ein Auszug des Schreibens, das auch Thema der medialen Berichterstattung war. „Daraufhin wurden Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt“, sagt Nationalparkdirektor Herbert Wölger. Höchstes Messergebnis: 120 km/h im Kreuzungsbereich nach Johnsbach.

600 Motorräder und mehr

„An den Wochenenden erreicht der Verkehr Spitzen, die durch Ausflügler entstehen. Was jedoch wirklich explodiert, ist der Motorradverkehr“, sagt Wölger. An Schönwettertagen passieren 600 Motorräder und mehr die Gesäusestraße. Das Ergebnis: Eine Lärmbelästigung auf den Themenwegen bis in alpine Höhenlagen. „Wir wünschen uns einen Verkehr durch das Gesäuse, der keine Belästigung für Besucher darstellt. Im Nationalpark verfolgen wir einen besonderen Umgang mit der Natur. Diesen besonderen Umgang braucht es auch in der Verkehrsdynamik“, so Wölger, der sich dabei auch auf den Schwerverkehr bezieht: „Einen LKW-Durchzugsverkehr, der nur durch den Nationalpark fährt, um Maut zu sparen, darf es einfach nicht geben.“  Auch Gesäuse-Tourismus-Chef David Osebik betont: „Jeder Vorstoß zur Lärmreduktion bewirkt eine Steigerung der Erlebnisqualität in der Region und dazu gehört eine Verringerung des Verkehrs.“

Ein Kampf seit zehn Jahren

Auf der B 320, der Ennstal-Bundesstraße, ist man dem Gesäuse weit voraus: Im Oktober 2019 wurde das bestehende nächtliche LKW-Fahrverbot ab 3,5 Tonnen durch eine Verordnung eines LKW-Fahrverbots ab 7,5 Tonnen bei Tag erweitert. Eine bezirksweite Tonnagebegrenzung existiert jedoch nicht. Schwerverkehr, der die Mautstellen auf den Autobahnen umgehen möchte, kann sich immer noch durch das Nationalparkgebiet und die Buchau schlängeln. Vom Schwerverkehr besonders betroffen sind die Orte St. Gallen, Weißenbach und Altenmarkt. „Seit mittlerweile zehn Jahren kämpfen wir für ein LKW-Fahrverbot“, sagt St. Gallens Bürgermeister Armin Forstner. Das sei jedoch nur „durch eine Abänderung des Paragraphen 43 in der StVO zu erwirken, was dem Aufgabengebiet von Grünen-Bundesministerin Leonore Gewessler obliegt“, so Forstner. Auch aus dem Büro des steirischen Verkehrslandesrats Anton Lang heißt es: Man habe Verständnis für die Situation in der Region Gesäuse. Doch eine erhöhte Unfallgefahr sei laut bestehender Gutachten weder auf der B 117 noch auf der B 146 gegeben. Somit könne aufgrund der geltenden Bestimmungen der StVO kein LKW-Fahrverbot erlassen werden. Man werde sich jedoch bei der zuständigen Bundesministerin für eine Abänderung des Paragraphen 43 der StVO einsetzen. Ein erster Schritt sei bereits gesetzt.

Bundesweite Problemerhebung

Vergangenen Herbst wurde bei der Konferenz der Landesverkehrsreferenten ein einstimmiger Beschluss zur Novellierung des entsprechenden Paragraphen gefasst. Als Vorsitzender der Landesverkehrsreferenten unternimmt Lang nun einen erneuten Vorstoß, um auf die österreichweite Problematik hinzuweisen. Konkret wurde eine Bundesländerumfrage erarbeitet und an alle zuständigen Verkehrsreferenten ausgeschickt. Neben möglichen gemeinsamen Problemstellungen bei der Thematik des LKW-Fahrverbotes wird darin auch abgefragt, ob es in den einzelnen Bundesländern Wünsche der Bevölkerung gibt, LKW-Fahrverbote zu erlassen. Die Antworten sollen für das zuständige Ministerium eine Erleichterung in der Ausarbeitung eines konkreten Gesetzesentwurfs darstellen. „In vielen Fällen können die Länder aufgrund der geltenden StVO-Bestimmungen keine LKW-Fahrverbote erlassen. Daher braucht es schnellstmöglich gesetzliche Rahmenbedingungen, die dies erleichtern. Die Umfrage soll zeigen, mit welchen konkreten Problemen die Bundesländer in der Praxis konfrontiert sind. Als Vorsitzender der Verkehrsreferenten ist es mir ein Anliegen, dieses wichtige Thema weiter voranzutreiben, denn es braucht endlich mehr Handlungsspielraum für die Bundesländer, um den Wünschen der Bevölkerung gerecht zu werden. Unser Ziel ist und bleibt es, dem sogenannten Mautumgehungsverkehr Einhalt zu gebieten“, sagt Lang.