Geldpolitik der Getriebenen

Seit der Eurokrise 2008 sind die Zinsen in Europa Geschichte. Die Sparer haben keine Chance, risikolos die Kaufkraft ihres Geldes zu erhalten, während sich die hochverschuldeten Staaten Milliarden an Zinsen ersparen. Das ist eine Art der kalten Enteignung, der sich in jüngster Zeit immer mehr Staaten bedienen. Von der Türkei bis in die USA wird mit politischem Druck versucht, die Zinsen zu drücken, selbst wenn es ökonomisch nicht sinnvoll ist. Um das zu verhindern, bräuchte es wirklich unabhängige Notenbanker, die allein nach ökonomischen Notwendigkeiten den Zinssatz festlegen. Das hat in Westeuropa und auch in den USA jahrzehntelang funktioniert und war einer der Gründe für gutes Wirtschaftswachstum und eine überschaubare Inflation. Aktuell ist bei der Auswahl der Notenbanker leider oft ihre Beeinflussbarkeit wichtiger als ihr Eintreten für eine verantwortungsvolle Geldpolitik.  In Europa wie auch in den USA sind die Zinsen aktuell wohl zu niedrig, aber solange auch die Inflation niedrig bleibt, halten dies die Volkswirtschaften schon aus. Wie schnell so ein System aber aus dem Ruder laufen kann, zeigt aktuell die Türkei, wo die Geldentwertung schon bei über zwanzig Prozent liegt. Wenn wir langfristig wieder geldpolitische Normalität erreichen wollen, braucht es daher unabhängige Notenbanker, die sich nicht von verschwendungssüchtigen Politikern treiben lassen, sondern von ihrem eigenen Verstand.