Geht Liezens Einkaufserlebnis online?

Rainer Will ist Geschäftsführer des Handelsverbandes. In Liezen sprach er über die Entwicklung von stationärem und digitalem Handel.

An einem Stang ziehen und sich gemeinsam stärken: In Liezen sympathisiert man mit dem Gedanken, das Angebot aller örtlichen Betriebe auf einer Online-Plattform zu präsentieren.
Schladming hat es getan, Bad Mitterndorf auch, genauso wie Gröbming und Haus im Ennstal. In diesen Orten kochen Handels- und Gewerbebetriebe nicht mehr länger ihr eigenes Süppchen, sondern verfolgen einen gemeinsamen Web-Auftritt, der von der Online-Präsenz jedes einzelnen Unternehmens bis hin zu Produkt-Webshops reicht. So sollen regionale Produkte einfacher erhältlich und ein gemeinsames Einkaufserlebnis geschaffen werden, wie schon der Name der Plattform „erlebnis-einkauf.com“ verspricht. Auch in Liezen sympatisiert man nun mit der Idee, sich gegenseitig zu stärken. „Vor allem für unsere heimischen Betriebe wäre diese Plattform eine tolle Möglichkeit, sich gemeinsam zu präsentieren“, sagt Barbara Aigner, Kommunikationsbeauftragte der Stadtgemeinde Liezen. Geboren wurde diese Idee im Zuge des Innstadtentwicklungsprojekts, das derzeit in der Bezirkshauptstadt in vollem Gange ist. „Es wurde bereits ein Antrag in die Steuerungsgruppe eingebracht. Nun gilt es, die politische Zustimmung zu finden“, so Aigner, die den gemeinsamen Webauftritt von Liezens Handelsbetrieben als optimale Kooperationsmöglichkeit zwischen Stadtmarketing und Stadtgemeinde sieht. „Wir haben bereits die Sommerbühne Hand in Hand umgesetzt. Das wäre ein weiteres Projekt, das wir gemeinsam verwirklichen könnten“, betont Aigner. Rund 30.000 Euro Budget sind nötig, um die Basisstruktur des gemeinsamen Webauftritts zu kreieren.
Handel muss sich neu erfinden
Rückenwind bekommt Aigner von Rainer Will, dem Geschäftsführer des Handelsverbandes, der sich zu dem Vorhaben wie folgt ausspricht: „Es geht nicht um den Wettbewerb innerhalb einer Region, sondern um das gemeinsame Stärken. Der Handel muss sich neu erfinden, um ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.“ Das könne mit einer solchen Plattform funktionieren, so Will, der auf Einladung von Stadtmarketing-Chef Hartwig Strobl vergangene Woche Donnerstag zu Gast im Liezenerhof war. Vor Ort sprach Will über die Entwicklung von stationärem und digitalem Handel: „Ich bin davon überzeugt, dass der stationäre Handel stabil bleiben wird“, sagt der Wirtschaftsexperte. Um diese Stabilität zu erwirken, brauche es allerdings attraktive Verkaufsflächen, auf denen der Kunde und sein sich veränderndes Konsumverhalten im Mittelpunkt stünden. Das Einkaufserlebnis nehme dabei eine übergeordnete Rolle ein. „Wenn man Gastronomie, Freizeit und Handel miteinander verwebt, dann erreicht man vor allem die jüngere Zielgruppe“, weiß der Experte. Zudem würde die Standortfrage eine immer zentralere Rolle spielen. „Die guten Lagen werden zunehmend teurer“, weiß Will und spricht von Monatsmieten in Top-Lagen der Großstädte, die sich ab einem Preis von 10.000 und 12.000 Euro bewegen würden. Weniger gute Standorte würden immer mehr durch Webshops ersetzt: „Der Kunde ist nicht mehr bereit, weit zu gehen, sondern klickt sich lieber durch das Internet.“ Die Digitalisierung betrachtet Will trotzdem nicht als Feind, sondern als gute Möglichkeit für all jene, die über die Region hinaus tätig sein wollen. Wichtig seien jedoch faire Bedingungen. Doch gerade hier hinke die Steuerregulierung hinterher, was dem stationären Handel einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Online-Riesen verschaffe, so Will.