Für Leitspital gibt es einen besser geeigneten Standort

Nach Meinung heimischer Fachleute würden sich die Grundstücke zwischen den Ortsteilen Trautenfels und Unterburg in der Gemeinde Stainach-Pürgg bestens für das neue Leitspital eignen. Foto: Ennstaler

Seit vergangenen Freitag liegt das mit Spannung erwartete Gutachten für den geplanten Standort des neuen Leitspitals südlich des Bahnhofes Stainach vor. „Prinzipiell kann das Grundstück mittels Tiefengründungen auf Pfählen bebaubar gemacht werden“, heißt es darin. Bauexperten aus der Region halten dies für nicht zielführend und verweisen neuerlich auf ein Grundstück westlich der Marktgemeinde, das ihrer Meinung nach wesentlich besser geeignet wäre.
Nahezu allen Einheimischen in Stainach-Pürgg ist bekannt, dass die Grundstücke südlich der Ennstal-Bahntrasse im Gemeindegebiet einem erhöhten Hochwasserrisiko ausgesetzt sind. Bekannt ist ebenso, dass es rund 400 Meter westlich des Bahnhofes Stainach-Irdning eine Anlage gegeben hat, die vermutlich zwischen 1882 bis 1906 auf einer Fläche von rund 15.000 Quadratmeter Bahnschwellen imprägniert hat. Als Imprägniermittel wurden damals Teeröle eingesetzt. Kontaminierungen des Bodens wurden mehrmals festgestellt. In den weiter südlich und östlich gelegenen Bereichen des weitläufigen Areals, dem sogenannten „Ennsboden“, befindet sich ein enormes Wasserreservoir, wie ein Gutachten bestätigte.
All diese Gründe führten schließlich dazu, dass Bodenuntersuchungen in Auftrag gegeben wurden. Seit vergangenen Freitag liegen nun die Ergebnisse der Untersuchungen durch die Firmen Insitu Geotechnik ZT GmbH (geotechnisches Gutachten) sowie der Geologie und Grundwasser GmbH (Hydrologie, Geothermie und Altlasten) vor, wie der steirische Gesundheitsfonds in einer Aussendung mitteilte. In den Gutachten kommt man zu dem Schluss, dass das geplante Grundstück für das neue Leitspital mittels Tiefengründungen auf Pfählen bebaubar gemacht werden kann. Dazu sei angemerkt, dass eine Tiefengründung dann erforderlich wird, wenn die oberflächennahen Schichten nicht tragfähig genug sind. Für die Bodendekontaminierung empfehlen die Gutachter die Errichtung von Park-, Verkehrs- und Grünflächen. Die anfallenden Mehrkosten wurden „als überschaubar“ eingestuft.
Gegen einen Bau des neuen Leitspitals südlich des Bahnhofes sprechen sich verschiedene regionale Bauexperten aus, da für sie weder die Mehrkosten noch mögliche Risiken in der Bodenbeschaffenheit kalkulierbar sind. „Hier die Zukunft der Gesundheitsversorgung der Menschen des Bezirkes Liezen zu errichten, wäre nicht nur wegen des Schuldenberges des Landes Steiermark absolut verantwortungslos“, so der einhellige Tenor.
Wie schon im August des Vorjahres (Der „Ennstaler“ berichtete darüber) plädieren die heimischen Fachleute neuerlich dafür, das neue Krankenhaus im westlichen Teil der Gemeinde Stainach-Pürgg, konkret an der Salzkammergut-Bundesstraße zwischen dem Fahringer Technik-Center in Trautenfels und der Einfahrt in den Ortsteil Unterburg, zu errichten. Dieses Gelände liegt nicht nur außerhalb des „gespannten Grundwasserbereiches“, es würde nach der Fertigstellung der Überführung des Knotens Trautenfels samt darunterliegendem Kreisverkehr auch über eine hervorragende verkehrstechnische Anbindung verfügen. Eine Einigung mit den Grundstückseigentümern vorausgesetzt, würde sich das Land auch Kosten, sprich Steuergeld, sparen. Nicht von der Hand zu weisen ist auch die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe des Areals das Alten- und Pflegeheim der Gräfin Anna Lamberg Stiftung befindet. Hier würde sich sicherlich eine Zusammenarbeit anbieten, zum Beispiel im Bereich der Palliativmedizin. Geht man noch weiter, könnten sich wahrscheinlich neben dem Leitspital auch andere Einrichtungen im Gesundheitsbereich hier ansiedeln.
Der „Ennstaler“ versuchte am Mittwoch die beiden Geschäftsführer des steirischen Gesundheitsfonds zu einem Statement zum Vorschlag der heimischen Experten zu bewegen. Michael Koren war jedoch krankheitsbedingt nicht erreichbar und Bernd Leinich lehnte ein solches mit dem Hinweis ab, dass er „kein Mitglied jener Arbeitsgruppe sei, die aktuell über die weitere Vorgehensweise berät“ und Anfang Februar der Landesregierung einen Vorschlag unterbreiten wird. Für die Bevölkerung im Bezirk Liezen ist nur zu hoffen, dass bei dieser Entscheidungsfindung auch der Hausverstand eine Rolle spielt.