Freiflächen für Sonnenstrom gesucht

Photovoltaik-Kraftwerke auf Freiflächen sind günstiger umzusetzen, konkurrieren jedoch mit der landwirtschaftlichen Nutzung und beeinträchtigen das Landschaftsbild.

Die Notwendigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energie ist unumstritten. Photovoltaik auf Dächern zählt mittlerweile zum Standard, die Verbauung von Freiflächen ist jedoch ein wunder Punkt. Erneuerbare Energie tritt in Konkurrenz mit der Ernährungssicherheit. Unangemeldete Investorenbesuche mit konkreten Pacht-Angeboten und fertigen Vorverträgen sorgten letzte Woche bei Grundbesitzern in Haus im Ennstal für Aufregung.

Dass man der Klimakrise nur mit einer drastischen Reduktion der Treibhausgase entgegnen kann, ist nicht neu. Ambitionen für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern und der Dekarbonisierung gibt es seit längerem. Schmerzhaft angekommen ist der Klimawandel in unseren Breiten noch nicht und die Reduktion der Treibhausgase schreitet zäh voran. Ein Turbo im Umdenken für erneuerbare Energie zündete, als die Energiepreise unkontrollierbar und exorbitant zu steigen begannen. Projekte für erneuerbare Energie fallen auf fruchtbaren Boden. So ermöglichte die Akzeptanz der Mehrheit der Triebener Bevölkerung die nächsten Schritte für einen Windpark und auch eine Windkraftanlage zwischen Admont und Rottenmann nimmt wieder an Fahrt auf.

Konfliktpotenzial

Zur erneuerbaren Energie zählt man neben Wasser- und Windkraft sowie Energie aus Biomasse die Sonnenenergie. Über Photovoltaik-Paneele auf Dächern herrscht breiter Konsens, doch bei Sonnenkraftwerken auf Freiflächen ist Konfliktpotenzial vorprogrammiert. Erneuerbare Energie konkurriert mit der Ernährungssicherheit. Wird der Boden nicht dual genutzt – sprich: sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Energieerzeugung –, ist er für die Lebensmittelproduktion verloren. Auch das Landschaftsbild verändert sich durch große Solarparks, was insbesondere in Tourismusgebieten nicht zu vernachlässigen ist.

Auf der Suche nach Flächen

Letzte Woche sorgten unangemeldete Besuche bei Landwirten in Haus im Ennstal für Aufregung. „Wir bekamen Besuch von einem Mann, der uns ein Pachtangebot für einige unserer Grundstücke unterbreitete“, erzählt eine Landwirtin. Er hatte die für ihn interessanten Parzellen exakt nach Grundstücksnummern vorbereitet, auf denen man Sonnenkraftwerke errichten könnte. 4000 Euro pro Hektar und Jahr würde man anbieten, bei Grundstückspflege kämen nochmals 1000 Euro dazu. Es sei ein lukratives Angebot im Vergleich zur landwirtschaftlichen Nutzung, nachdem die Gründe „eh nichts Gescheites“ wären. „Etwas vor den Kopf gestoßen, habe ich reflexartig abgelehnt und ihm unser großes Stalldach angeboten, doch davon wollte man nichts wissen“, so die Landwirtin. Eine grüne, flache Wiese sei die günstigste Möglichkeit. Auch bei Vizebürgermeister und Landwirt Heinz Stiegler schlugen die Investoren auf: „Man fragte mich, ob ich bereit sei einige meiner Felder zu verpachten“, so Stiegler. „Befremdlich für mich war, dass mir schon ein fixfertiger Vorvertrag vorgelegt wurde. Ich hätte nur mehr unterschreiben sollen.“ In einem Passus soll sich der Grundbesitzer bereit erklären, eine Option für einen Nutzungs- und Dienstbarkeitsvertrag über einige Jahre zu gewähren. Nach Recherchen des „Ennstalers“ tourten die Investoren auch schon durch andere Gemeinden des Ennstales.

Dächer vor Felder

Für das Spannungsfeld „Verbauung von Freiflächen“ und „Ausbau der erneuerbaren Energie“ entwickelte das Land Steiermark ein Sachprogramm (SAPRO). Dort heißt es, dass der Bau von Photovoltaik-Anlagen prioritär auf Dächern erfolgen soll, zur Erreichung der Ziele jedoch auch Freiflächen notwendig sind.

Dazu kann das Land Steiermark sogenannte Vorrangzonen ausweisen, wo eine eigene Umwidmung seitens der Gemeinde nicht mehr erforderlich ist. Das sei in der Gemeinde Haus im Ennstal noch nicht der Fall, wie Bürgermeister Knapp auf Anfrage mitteilt. Es wäre eine Umwidmung im Flächenwidmungsplan durch den Gemeinderat erforderlich, aber „Haus ist ein Fremdenverkehrsort. Unser Bauausschuss hat dem Gemeinderat geraten, Umwidmungen nicht zuzustimmen, wo Flächen gut einsehbar sind“, so Bürgermeister Stefan Knapp.

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