Forschung im Zeichen des Klimawandels

Das ClimGrass-Experiment befindet sich inmitten des Versuchsfeldes der HBLFA Raumberg-Gumpenstein.

Auf Versuchsparzellen in Raumberg-Gumpenstein werden in einem einzigartigen Freilandexperiment zukünftige Klimaverhältnisse simuliert. Aus den Erkenntnissen leiten die Wissenschaftler Strategien für die Zukunft ab.
Die deutlichen Auswirkungen einer globalen Klimaveränderung sind zunehmend spürbar. Sensibilisiert durch zahlreiche außergewöhnliche Wetterereignisse wie Stürme, Hochwasser, Dürrekatastrophen, Hitzewellen und eher schleichende Veränderungen wie Gletscherschmelze, Anstieg des Meeresspiegels oder auch die Zunahme des Artensterbens, ist den meisten Menschen bewusst, dass wir früher oder später alle die Folgen dieser Entwicklungen hautnah spüren werden. In Raumberg-Gumpenstein forschen Wissenschaftler seit Jahren intensiv an den Folgen des Klimawandels für das Ökosystem Grünland. Die verschiedenen Klimaregionen in Österreich sind nicht nur für den Reichtum und die Vielfalt der alpenländischen Kulturlandschaft verantwortlich, sondern machen unser Land für die Folgen des Klimawandels auch besonders verwundbar. Während beispielsweise die globale Mitteltemperatur seit 1880 um 0,85 Grad Celsius angestiegen ist, betrug die Zunahme in Österreich im gleichen Zeitraum mit 2 Grad Celsius mehr als das doppelte. Die Landwirtschaft mit ihrer direkten Abhängigkeit vom Wetter und den klimatischen Bedingungen ist von all diesen Veränderungen unmittelbar betroffen.
Klimafolgenforschung im Dienst der Grünlandwirtschaft
Während Klimaforscher immer neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie und in welchem Ausmaß sich das Klima selbst verändert, bleiben die konkreten Auswirkungen dieser Veränderungen auf bestimmte Aspekte unseres Wirtschaftens meistens auf Schlussfolgerungen und Annahmen, basierend auf bestehendem Wissen, beschränkt.
Die Forscher der HBLFA Raumberg-Gumpenstein gehen seit etwas mehr als zehn Jahren der Frage nach, wie sich ein zukünftiges Klima auf das Ökosystem Grünland und dessen Bewirtschaftung auswirkt. „Entsprechend den Prognosen der Klimaforscher simulieren wir die wichtigsten Klimafaktoren in einem sehr aufwendigen und weltweit einzigartigen Freilandexperiment und beobachten mit wissenschaftlicher Sorgfalt, wie die Pflanzen, der Wassergehalt im Boden sowie der Gasaustausch von Boden und Pflanze darauf reagieren“, erklärt der wissenschaftliche Leiter der Abteilung Grünland, Andreas Schaumberger. „Wir haben dazu 54 Versuchsparzellen mit einem Heiz- und Begasungssystem ausgestattet, mit dem wir die Temperatur durch Infrarotbestrahler erhöhen können. Gleichzeitig können wir auch die Ursache der Temperaturerhöhung, nämlich die Zunahme der Treib­hausgaskonzentration in der Atmosphäre, simulieren, indem wir die Versuchsparzellen mit Kohlendioxid angereicherter Luft begasen.“ Da in Zukunft Dürreperioden sehr wahrscheinlich häufiger auftreten werden, habe man auf dieser Anlage auch die Möglichkeit, den Regen von Versuchsparzellen mittels Regendächern für eine bestimmte Zeit abzuhalten und damit Trockenheit und Dürre zu simulieren. Begleitet wird die Freilandsimulation von einer ganzen Reihe regelmäßig stattfindender Messungen und Beobachtungen, welche den Einfluss des zukünftigen Klimas auf die unterschiedlichen Aspekte des Ökosystems Grünland genau erfassen.
Auswirkungen der Klimaveränderung
Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Gumpenstein Ende der 1950er-Jahre hat sich die Vegetationsperiode bereits um etwa zwei Wochen ausgedehnt. „Bei den Simulationen eines zukünftigen Klimas auf unserer „ClimGrass“-Versuchsanlage haben wir festgestellt, dass die Vegetation durch die höheren Temperaturen um weitere zwei Wochen früher startet. Außerdem entwickelt sich der Grünlandbestand im zukünftig wärmeren Klima deutlich schneller und ist bei jedem Aufwuchs um etwa zehn bis 14 Tage früher erntereif“, erklärt Schaumberger. Daraus ergebe sich für Grünlandwirte grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Wiesen innerhalb der längeren Vegetationsperiode öfter zu ernten und damit mehr Ertrag zu erwirtschaften – allerdings unter der Voraussetzung, dass Niederschläge in ausreichender Menge vorhanden sind. Besonders problematisch für die Landwirtschaft sind intensive und langanhaltende Dürreperioden, da sie einerseits großflächig auftreten und andererseits zu massiven Ernteausfällen führen. „Bei unseren Dürresimulationen haben wir beobachtet, dass sich Trockenheit besonders drastisch auswirkt. Je nach Dauer und jahreszeitlichem Auftreten der Dürre ergeben sich massive Ertragsverluste, die bis zu einem Totalausfall reichen können“, so der Grünlandforscher. Allerdings habe man auch festgestellt, dass Grünlandbestände, die nicht vollständig zerstört wurden, sich nach einer Dürre sehr schnell wieder erholen können und die Ertragsausfälle in Folgeaufwüchsen zum großen Teil kompensieren können. Aus diesen Erkenntnissen entwickeln die Wissenschaftler Strategien einer bestmöglichen Anpassung der Landwirtschaft an das zukünftige Klima.