„Es war klar, dass wir raus müssen“

Vor sechs Jahren startete das Tierfreund-Werk mit einer Auslastung von fünfzig Prozent. Noch heuer erfolgt der Spatenstich für einen Zubau.

Der neue Geschäftsführer der Landena-Gruppe Martin Würfel spricht über den    Landena-Spirit, den „Porsche der Tiernahrung“,

über die Geschichte und Zukunftsvisionen des Unternehmens und warum man sich trotz    Erfolgskurs nicht auf den Lorbeeren ausruhen kann.

Martin Würfel ist seit 1. Jänner 2021 Geschäftsführer der Landena KG und übernahm mit der letzten Generalversammlung der Landgenossenschaft Ennstal Anfang Mai ein Vorstandsmandat.

Er folgt dem langjährigen Geschäftsführer Bernhard Gruber. Martin Würfel ist seit zwanzig Jahren beim Unternehmen tätig. Als Leiter der Controlling-Abteilung übernahm er ab 2010 zusätzlich Vertriebsthemen, insbesondere im internationalen Bereich. Mit Ende 2017 wurde er mit der Prokura betraut und gleichzeitig stellvertretender Geschäftsführer. Nun bildet er die alleinige Speerspitze der Landena. Der „Ennstaler“ bat den Neo-Geschäftsführer zum Interview.

Die Landena schreibt seit Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte. Welche Strategie steckt hinter dem Erfolg?

Wir bezeichnen uns mittlerweile als „Landena-Gruppe“, denn neben dem Stammwerk in Stainach und der Tierfreund KG produzieren wir in Wels Trockensuppen in verschiedensten Packungsvarianten und diverse Fertiggerichte. Unser Standort in Tschechien ist spezialisiert auf Tiefkühl-Knödel. Wir denken allerdings nicht mehr in Standorten, sondern eher in Geschäftsfeldern. Diese Philosophie hat uns nicht nur während der Corona-Krise, wo schnelles und flexibles Handeln mehr als gefragt war, zum oft entscheidenden Wettbewerbsvorteil verholfen. Der Transformationsprozess, den wir in etwa vor drei, vier Jahren initiierten, zielt auf Synergien innerhalb der Gruppe ab. Das beginnt beim Vertrieb, wo wir bei bestehenden Großkunden unser gesamtes Portfolio vorstellen und so Potenziale heben können. Aber auch den Einkauf, das Controlling und vieles mehr stellen wir unter den Titel „Landena-Spirit“. Die Home-Office-Zeit hat uns gelehrt, dass es weniger wichtig ist wo jemand sitzt, als welchen Werten man sich verpflichtet fühlt. Dieser Team-Spirit ist entscheidend. Nur so können wir unsere große Vielfalt und Komplexität zu einem Vorteil ummünzen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Wir haben beispielsweise sehr viele verschiedene Technologien im Einsatz. Da gibt es unzählige Parallelen und Querverbindungen. Ein solches Leuchtturmprojekt war die Glaslinie in Wels. Durch effiziente Zusammenarbeit konnten wir in kürzester Zeit eine völlig neue Glaslinie aufbauen. Als wir das erste Produkt verkauft hatten, ist die Linie noch gar nicht gestanden. Manche unserer Kunden haben gar nicht geglaubt, dass wir das hinbringen, so ambitioniert war der Zeitplan. Das funktioniert nur, wenn jedes Rädchen perfekt zusammenspielt.

Wann wagte das Unternehmen den Schritt über die Grenzen?

Die Landena blickt auf eine fast 60-jährige Geschichte zurück. Stand zu Beginn der Grundgedanke des Exportschlachthofes als Service für die Genossenschaftsmitglieder im Mittelpunkt, etablierte sich die Landena (damals „Alpenfleisch“) in mehreren Bereichen der Lebensmittelproduktion. Die Marktvolumina der einzelnen Bereiche waren auf den österreichischen Markt abgestimmt. Unsere längste Partnerschaft im Lebensmitteleinzelhandel besteht zu Iglo und reicht ins Jahr 1968 zurück. Hofer dürfen wir seit Ende der siebziger Jahre zu unseren Kunden zählen. Mit dem EU-Beitritt 1995 war durch die Marktöffnung klar, dass wir „raus müssen“. Raus aus Österreich, sonst kommen die Großen herein. Die Skalierung auf das internationale Parkett haben wir sehr gut geschafft. Die Hälfte unseres Geschäfts passiert mittlerweile nicht mehr in Österreich. Deutschland ist unser größter Exportmarkt, gleichzeitig aber auch der am härtesten umkämpfte. Bei der Tiernahrung wiederum sind wir mittlerweile sehr stark in Skandinavien und Italien vertreten. Unsere Vision ist, dass unsere Zukunftsmärkte über den D-A-CH-Raum hinausgehen müssen.

Als zukunftsträchtiges Geschäftsfeld wurde die Tiernahrung relativ früh erkannt. Welche Stoßrichtungen stehen hier auf der Agenda?

Als ein sehr starkes Standbein hat sich der Tiernahrungsbereich etabliert. Das ist auch gleichzeitig das am schnellsten wachsende Geschäftsfeld. Vor sechs Jahren eröffneten wir das Tierfreund-Werk in Stainach, damals mit einer 50 prozentigen Reservekapazität. Dass die strategische Entscheidung richtig war, in ein eigenes Werk für Tiernahrung zu investieren zeigt die Entwicklung. Wenn mich jemand fragt, ob das unser Tiernahrungswerk ist, antworte ich: Nein, das ist ein Lebensmittelwerk, wo Tiernahrung produziert wird. Es herrschen dieselben Standards und wir produzieren Spitzenqualität, dort produzieren wir den „Porsche der Tiernahrung“. Mittlerweile planen wir bereits eine Erweiterung des Werks, denn die Reservekapazitäten sind bereits vollständig ausgeschöpft. Der Spatenstich für den „Zubau Nord“ wird voraussichtlich noch im Sommer stattfinden. Mit einer Investition von 8,5 Millionen Euro können wir die Kapazität nochmals um fünfzig Prozent erhöhen. Die Fertigstellung ist im Frühsommer 2022 geplant.

Was macht die Tiernahrung so erfolgreich?

Bei der Tiernahrung bewegen wir uns ausschließlich im Premiumsegment. Das Ausschreibungsgeschäft und das Preiseinstiegssegment wollen wir dort gar nicht bedienen. Die starke Partnerschaft zu Vitakraft reicht bis in die achtziger Jahre zurück. Wir kümmern uns um Produkt und Qualität, für den Vertrieb ist Vitakraft verantwortlich. Wir produzieren jährlich über 100 Millionen Packungen Snacks für Hunde, die weltweit vertrieben werden. Derzeit laufen die Linien beinahe durch. Das sind 18 Schichten pro Woche, von Sonntagabend bis Samstagnachmittag. Und wir wachsen weiter, weshalb wir dabei sind weitere Kapazitäten zu schaffen. Doch auch beim Dosengeschäft, das vom Volumen her noch größer ist, fahren wir zumindest bis Ende dieses Jahres im Dreischicht-Betrieb. Jährlich liefern wir 8000 Tonnen Premiumtiernahrungsprodukte in der Dose aus.

Das Geschäft rennt, die Kapazitäten sind da, der Kundenstock steht - kann man sich auf den Lorbeeren ausruhen?

Wir matchen uns mit internationalen Größen und müssen Tag für Tag an unserer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Auf den Lorbeeren können wir uns beileibe nicht ausrasten. Derzeit sind wir mit starken Preissteigerungen bei den Rohstoffen und Verpackungsmaterialien konfrontiert, andererseits ist das Verständnis beim Handel für Preissteigerungen enden wollend. Da zählt keine Historie, am Ende des Tages zählt das, was auf der Rechnung steht. Nämlich der Preis. Dieser Herausforderung müssen wir uns in Zukunft stellen. Ob das dann heißt, dass alle Produktsegmente spannend bleiben wird sich weisen, denn wir wollen nicht nur von Ausschreibungen und dem Preis getrieben werden. Es ist für ein Unternehmen nicht immer gesund, den billigsten Preis zu machen. Wir wollen verhindern uns in Abhängigkeiten zu verstricken. Wenn wir nicht mehr in der Lage sind auch „Nein“ sagen zu können, haben wir etwas falsch gemacht. Neben den Preissteigerungen ist die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern aktuell extrem herausfordernd. Wir suchen dringendst Personal für die verschiedensten Bereiche – vor allem aber in der Produktion. Aktuell haben wir über zwanzig offene Stellen ausgeschrieben. Wir bieten einen sicheren Arbeitsplatz in einem wachsenden und zukunftsträchtigen Umfeld. Bewerbungen sind jederzeit willkommen.