Erasmus-Projekt fördert soziale Landwirtschaft

Gartenbau mit dem sozialen Etwas: Das Hochbeet ist auch für Rollstuhlfahrer nutzbar

Das Gartenbauteam der Lebenshilfe-Ennstal vernetzt sich europaweit. Durch den internationalen Austausch soll die Inklusion im Agrarbereich neue Chancen erfahren.

Am 15. Mai feiert die Lebenshilfe Ennstal 20 Jahre Gartenbau. Auf dem 1200 m² großen Anbaugebiet in Raumberg-Gumpenstein arbeiten zehn Kundinnen und Kunden des sozialen Vereins im Einklang mit der Natur und den vier Jahreszeiten. Nach der Aussaat im Jänner und Februar ist das Team gerade mit dem Topfen und Pikieren der Pflanzen beschäftigt. „Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit“, sagt Birgit Eker von der Lebenshilfe Ennstal. So abwechslungsreich wie die Arbeit selbst sind auch die Gewächse, die sie hervorbringt. Im Folienhaus und auf dem Freiland wachsen unterschiedliche Sorten von Weiß- und Rotkraut, mehrere Kohlrabiarten, Salat, Kürbis, Brokkoli, Mangold, Pfefferoni, Paprika, Gurken und Kartoffeln. Seinen großen Bekanntheitsgrad hat der Gartenbau der Lebenshilfe Ennstal jedoch seinen Tomaten zu verdanken. Mehr als 20 verschiedene Sorten zieht das Team jährlich heran. „Wir haben einen Schwerpunkt auf alte und selbstverständlich samenfeste Sorten gelegt. Hybriden werden bei uns nicht verwendet“, betont Eker. Seit einigen Jahren wachsen auch Heil- und Gartenkräuter auf dem Anbaugebiet. Für eine barrierefreie Bewirtschaftung hat die Lebenshilfe Ennstal unterfahrbare Hochbeete aufgestellt, die auch für Rollstuhlfahrer geeignet sind.

Pflanzen mit Biozertifikat

Um die 10.000 Jungpflanzen werden jährlich verkauft. Seit 2016 tragen sie das Bio-Siegel. Auf Spritzmittel zur Schädlingsbekämpfung und künstlichen Dünger wurde jedoch schon vor der Biozertifizierung verzichtet, sagt Eker: „Wir haben unsere Jungpflanzen stets biologisch produziert, umstellen mussten wir nichts.“ Mittlerweile werden die Jungpflanzen und das Gemüse nicht nur vor Ort an der Anbaustelle in Raumberg-Gumpenstein, sondern auch von Partnerbetrieben verkauft. Der Postshop in Stainach als auch das Landmarkt-Lagerhaus in Aigen führen die landwirtschaftlichen Produkte des Lebenshilfe-Gartenbaus. Seit Ostern zählt auch das „Blumenhüttl“ in Wörschach zu den regionalen Vertriebspartnern. Obwohl der Frühling in diesem Jahr später als gewöhnlich im Ennstal Einzug hielt, sind schon jetzt Jungpflanzen in Raumberg-Gumpenstein erhältlich. Geöffnet hat das Folienhaus des Gartenbauteams immer von Montag bis Donnerstag von 9 bis 11.30 Uhr und von 13.30 bis 15 Uhr. Am Freitag beginnt der Verkauf um 9 Uhr und endet um 11.30 Uhr.

Vernetzung durch Erasmus+

Vergangenen Jänner ist ein mehrjähriges Erasmus+-Projekt gestartet, an dem sich die Gartenbau-Schiene der Lebenshilfe Ennstal und sechs weitere Projektpartner aus Österreich, Deutschland, Spanien, Portugal, der Slowakei und Tschechien beteiligen. Ziel der EU-geförderten Maßnahme ist es, die Inklusion von Menschen mit Handicaps im agrarwirtschaftlichen Sektor zu unterstützen. „Wir wollen ein europaweites Netzwerk aufbauen und voneinander lernen“, so Eker. Aufgrund der anhaltenden Corona-Situation müssen die Projektpartner derzeit noch auf ein persönliches Treffen verzichten. Eker hofft jedoch, „dass unser Team bald in die teilnehmenden Länder reisen kann, sobald sich die Lage entspannt hat.“ Da es keine sprachlichen Barrieren zu überwinden gibt, würde besonders die Partnerschaft mit Deutschland die Praktika für Gartenbaumitglieder der Lebenshilfe Ennstal in greifbare Nähe rücken, so Eker: „Durch dieses Projekt erhalten unsere Kundinnen und Kunden die einzigartige Möglichkeit, internationale Kontakte zu knüpfen, in andere Betriebe und Institutionen zu schnuppern und neue Arbeitsschritte kennenzulernen.“ Aus diesem Grund ist die Gartenbauschiene der Lebenshilfe Ennstal noch einer weiteren Kooperation beitreten. Die „Partnerschaft zu Gunsten von Auslandspraktika in Europa“ umfasst Betriebe in Österreich, Norwegen, Italien, Deutschland, Spanien, Lettland, Frankreich, Niederlande, Dänemark, Türkei, Island, Zypern, Rumänien, Großbritannien und der Slowakei. Im Ennstal sind neben der Lebenshilfe auch die Bildungseinrichtungen Raumberg-Gumpenstein und Grabnerhof Mitglieder dieser internationalen Vereinigung. „Diese Kooperationen sind ein richtiger und wichtiger Weg, die Inklusionsbarriere zu überwinden und ein Netzwerk aufzubauen, das in ganz Europa verwurzelt ist“, sagt Eker.